Der kühle Klare aus dem Norden

Er war kein Mann großer Worte: Andreas Reinke, 1998 der Torhüter der Meistermannschaft des 1. FC Kaiserslautern, war ein Mann der großen Taten. Am Samstag (15 Uhr) hütet er das Tor bei „Der Heimkehr der Helden“. Es geht gegen deutsche Fußball-Legenden.


Sechs Jahre spielte Reinke für den FCK. „Ich habe Höhen und Tiefen erlebt“, sagte der heute 49-Jährige, der 1994 vom FC St. Pauli in die Pfalz kam. Reinke beerbte Gerry Ehrmann im Tor der Lauterer, erlebte den Abstieg 1996 und eine Woche später den Gewinn des DFB-Pokals, 1997 den Wiederaufstieg, 1998 das Meisterstück. „Wir waren eine geile Truppe“, sagt Reinke beim Blick zurück auf die Sensation, die einmalig bleiben dürfte: ein Bundesliga-Neuling als Meister. Zwei Jahre später der unfreiwillige Abschied vom Betzenberg. Vorstandschef Jürgen Friedrich und Meistermacher Otto Rehhagel hatten sich für den nach Reinkes Verletzung in der Winterpause verpflichteten Georg Koch als Nummer 1 entschieden, „die sportlich nicht nachvollziehbare Entscheidung gegen Torhüter Reinke vollzogen“, heißt es am 3. Juni 2000 in einem RHEINPFALZ-Kommentar. Kurz vor Mitternacht beim Festakt 100 Jahre FCK verabschiedete Friedrich den höflich lächelnden Reinke mit einem Duplikat der Meisterschale. Der Saal war nach der Nachspeise halbleer.„


Die Meisterschale ist mir später in Bremen bei einem Einbruch geklaut worden. Ich hab’ sie nachmachen lassen“, erzählt Reinke, der seinen Lebensmittelpunkt mit seiner Frau Kirsten und dem zehnjährigen Pepe Anfang 2016 nach Spanien verlegte.




136 Bundesligaspiele für den FCK hat Reinke bestritten, dazu kommen die 25 Spiele im Zweitliga-Jahr 1996/97. Reinke – bodenständig, nahbar. Im Tor kühl, klar, konstant gut. Hart im Nehmen. Er hielt gegen die Bayern auch mit gebrochenem Daumen den Sieg fest. 20 Jahre danach ist der FCK nur noch drittklassig. „Wir wurden nach den ersten Rückschlägen scharf kritisiert, angefeindet – auf Platz fünf“, erinnert Reinke an die Schattenseiten. Im Triumph verloren auch die Macher die Bodenhaftung: „Das Positive überwiegt. Der Aufstieg – keine Selbstverständlichkeit. Die Meisterschaft! Wir haben es ein Jahr danach wieder in den Uefa-Cup geschafft. Heute wäre man froh drum ...“


Kontakte blieben. Zu Olaf Marschall, den Reinke zuletzt im FCK-Trainingslager in La Manga traf, zu Harry Koch. So freut sich der Schlussmann auf das Wiedersehen mit Kadlec, Kuka, Wagner, Roos, Schjönberg, Rische, Buck und all den anderen. Die Pfalz war Reinke Heimat geworden. Deshalb kommt er auch schon früher, besucht Freunde in Winnweiler, wo er lebte, den ASV als Trainer vor dem Abstieg aus der damaligen Bezirksliga rettete. In Winnweiler machte er mit seinem VW-Bus 2003 auch Station, als er auf dem Weg von Murcia nach Bremen war. Mit Real war er Zweitliga-Meister geworden, feierte 2003 den Aufstieg, wurde Spaniens Torhüter des Jahres und heuerte bei Werder Bremen an. 2004 – das Double mit Reinke als Nummer 1. Er ist der einzige Torhüter, der mit zwei Vereinen deutscher Meister geworden ist. „Es war wie damals in Lautern. Von der individuellen Klasse waren wir nicht die Überflieger. Aber wir haben als Mannschaft funktioniert.“


Am 8. Februar 2006 erlitt Andreas Reinke beim Zusammenstoß mit Stuttgarts Martin Stranzl eine schwere Kopfverletzung, wurde operiert, fiel lange aus – Tim Wiese nutzte seine Chance. Reinke, das Stehaufmännchen, aber schaffte das Comeback. 2007 das Karriereende, die Rückkehr in die Heimat nahe Güstrow. Honorarcoach der deutschen U21, Torwarttrainer bei Hansa Rostock, der Kauf eines Bauernhofs. Dann die Entscheidung: Neustart in Spanien. Pepe ist zehn, Torwart. Begabt. Andi Reinke unterstützt den Jugendtrainer bei La Union. Und freut sich auf Samstag!



Quelle: Die Rheinpfalz

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Antworten 3

  • Ein Typ, ein Geiler. Ich freu mich auf den Samstag!

  • am anfang hatte er es nicht leicht auffem betze,denn wer gerry verdrängt ,hatte zu der zeit einen frevel begangen.


    er war ein guter torhüter,nicht überragend,aber er strahlte eine unheimlich ruhe aus.aus seiner schwächsten aktion

    entstand das 1:1 in leverkusen,was unseren abstieg bedeutet hatte.dass habe ich ihm ne zeitlang übel genommen.

  • Dieses 1:1 habe ich Leverkusen nicht vergessen! So eine Unsportlichkeit habe ich bisher nicht einmal in der CL gesehen!

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