37 Tore - 24 Vorlagen

Gemeinsam kam das Sturmtrio in der vergangenen Saison auf 61 Scorerpunkte.

Kaderumbrüche gehören in Kaiserslautern inzwischen zur Tradition. Und auch wenn der Umbruch in diesem Sommer nicht so groß ausfiel wie in den vergangenen Jahren, so haben den Verein in der letzten Transferperiode trotzdem 13 Spieler verlassen, neun Neuzugänge kamen hinzu. Besonders drei Spieler entschieden sich trotz eines Angebotes gegen eine Zukunft bei den Roten Teufeln - und wie sich herausgestellt, wird das Offensivtrio schmerzlich vermisst: Florian Pick, Christian Kühlwetter, Timmy Thiele. Das Lautrer Sturmtrio war in der vergangenen Saison mit 61 Scorerpunkten maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt - mit 37 Treffern waren Pick, Kühlwetter und Thiele für 63 Prozent aller geschossenen FCK-Tore verantwortlich. Welchen Weg ist das Trio in ihren neuen Vereinen gegangen, und wie blicken die drei Abgänge auf ihre Lautrer Vergangenheit zurück?

Florian Pick: "Nicht zu lange in der 3. Liga spielen"

Der dribbelstarke Florian Pick verkündete bereits nach dem Saisonabschluss gegen Bayern München II frühzeitig seinen Wechselwunsch. Mit viel Zug zum Tor und immer den Abschluss suchend bereitete Pick vergangene Saison 11 Treffer vor und trug sich gar 13 Mal in die Torschützenliste ein. Für den geborenen Wittlicher war schon früh klar, dass die 3. Liga nur eine Zwischenstation sein kann. In einem Interview mit dem Portal Liga-Zwei.de Anfang Oktober äußerte sich Pick zu seiner Leistung der letzten Drittliga-Saison: "Mir war klar, dass ich nicht zu lange in der 3. Liga spielen darf, weil ich ansonsten dauerhaft in der 3. Liga bleiben würde. Daher habe ich alles getan, um mein Talent auf den Platz zu bringen. Nebenbei habe ich auch mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet. Das hat geholfen. Ich traf auf dem Platz die richtigen Entscheidungen und schoss meine Tore".


Seine Leistungen blieben höherklassigen Vereinen natürlich nicht verborgen. Nach einem mehrwöchigen Transferkampf einigten sich der 1. FC Kaiserslautern und der Zweitligist FC Heidenheim Ende August auf einen Wechsel - die kolportierte Ablösesumme betrug 800.000 Euro. Doch noch konnte Pick sein Leistungspensum in der zweiten Liga nicht abrufen. In den bisherigen zehn Saisonspielen kommt der 25-jährige auf lediglich drei Startelf-Einsätze und 351 gespielte Minuten. Tore und Assists: Fehlanzeige. Der gelernte Linksaußen findet jedoch auch unter Heidenheims Trainer Frank Schmidt und seinen variablen Spielsystemen keinen dauerhaften Platz. In 10 Spielen bot Schmidt sieben verschiedene Spielsysteme an.


Wenn der letztjährige Publikumsliebling einen Blick zurück wirft, sieht er die Ursachen für zahlreiche Probleme auf dem Betzenberg in der Vereinsführung, dabei fällt ihm vor allem auf, wie unruhig die Führungsebene in Kaiserslautern arbeitet. "Man bekommt ja mit, dass sich die Verantwortlichen gegenseitig zerfetzen", äußerte sich Pick Anfang Oktober. "Das ist zum Beispiel hier in Heidenheim völlig anders. Hier ist alles im Einklang". Wie viele andere auch kritisiert Pick jedoch auch die ständigen Trainerwechsel. "Ich denke, das ist der falsche Weg. Die Vergangenheit zeigt, dass es alleine durch Trainerwechsel nicht automatisch besser wird. Man sollte vielleicht einem Trainer einmal zwei Jahre Zeit geben, damit er die Spieler richtig kennenlernen und etwas aufbauen kann", so Pick im Gespräch mit Liga-Zwei.de.

Zweite Liga: Kühlwetter setzt seinen Lauf einfach fort

Christian Kühlwetter wurde bereits in der Winter-Transferperiode 2019-20 vom FC Heidenheim umworben. Während der FCK zu diesem Zeitpunkt die Abwerbeversuche des Zweitligisten noch ablehnen konnte, war der gebürtige Bonner im letzten Sommer - ein Jahr vor Ablauf seinen Vertrags - nicht mehr zu halten. Obwohl noch ein weiterer Zweiligaverein um Christian Kühlwetter buhlte, konnte ihm Heidenheim die bessere Perspektive aufzeigen. Bereits Ende Juli einigten sich der Angreifer und der FCH auf einen langfristigen Vertrag bis 2024 - der FCK jedoch blieb hartnäckig und verwies mehrfach auf die Erfüllung des bestehenden Vertrags. Nach zähen Verhandlungen einigten sich beide Vereine letztendlich Ende August auf einen Transfer. Die kolportierte Ablösesumme betrug 750.000 Euro.


Anders als Florian Pick spielte sich der Angreifer recht schnell in die Startelf des FC Heidenheim. In den ersten beiden Saisonspielen nahm Kühlwetter zwar noch auf der Bank Platz, wusste jedoch als Joker zu überzeugen. Seit dem dritten Spieltag gehört Kühlwetter zur Stammformation und ist mit acht Toren und drei Assists nach Darmstadts Kempe derzeit der zweitbeste Scorer in der zweiten Liga. In der bisherigen Saison kommt Kühlwetter auf 755 Spielminuten in zehn Einsätzen, acht Mal stürmte der 24-jährige von Beginn an.


Für Christian Kühlwetter spricht derzeit seine unbekümmerte und vorbildliche Art. Er ist ein Charakterspieler, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt, durch Mentalität, Kampfgeist und Leidenschaft glänzt und dabei niemals aufgibt. Werte, die die FCK-Fans trotz manch vergebenener Torchance seit jeher an Kühlwetter schätzten. Sein ehemaliger Trainer - Sascha Hildmann, heute Trainer beim Regionalligisten Preußen Münster, kennt die Stärken seines ehemaligen Angreifers. "Christian hat eine unfassbar professionelle Einstellung, hat viel Energie, ist jederzeitig umtriebig, körperlich robust und dennoch immer in Bewegung“, berichtet Hildmann Ende November in einem Gespräch mit der Portal Liga-Zwei.de. Er ist "ein Monster voller Mentalität. Er ist ein Arbeiter auf dem gesamten Spielfeld und ein Wühler in vorderster Front. Mit alledem passt Christian punktgenau nach Heidenheim“, so Hildmann weiter.


Wenn Christian Kühlwetter zurückblickt, dann erinnert er sich vor allem an eine schwere Zeit in der Oberliga. Im September 2017 verletzte sich der Angreifer im Heimspiel gegen Salmrohr und fiel mehrere Monate mit einem Wadenbeinbruch aus. "Das war auch ein Bruch in meiner Karriere und ich habe mich schon ernsthaft gefragt, ob es das mit dem Fußball war. Ich hatte nur noch ein Jahr Vertrag und niemand wusste, wie ich nach der Verletzung zurückkomme", so Kühlwetter im Gespräch mit seinem neuen Verein FC Heidenheim. Aufgrund der Ungewissheit dachte Kühlwetter sogar darüber nach, den Fußball an den Nagel zu hängen und bewarb sich gar für den Polizeidienst. Es kam jedoch alles anders. Der FCK hielt an Kühlwetter fest und stattete ihn mit einem Ein-Jahres-Vertrag aus, Michael Frontzeck zog den Nachwuchsstürmer zur Drittliga-Mannschaft hoch. In seinen ersten beiden Einsätzen schoss Kühlwetter drei Tore und war fortan kaum noch aus der Mannschaft zu denken."Seither ging es relativ steil nach oben und ich bin noch immer dankbar, damals die Chance erhalten zu haben. Denn die schwere Zeit nach der Verletzung hat mich geprägt und mir aufgezeigt, wie schnell es im Fußball auch nach unten gehen kann".

Thieles läuferische Stärke fehlt dem FCK

Timmy Thiele, der im Sommer 2018 für eine Ablöse in Höhe von 400.000 Euro aus Jena zum Betze wechselte, stand in 70 Drittliga-Partien für die Roten Teufel auf dem Platz und erzielte dabei 17 Treffer und bereitete 14 Tore vor. Unter Boris Schommers kam der gebürtige Berliner in der vergangenen Saison immer seltener zum Zug, nach dem coronabedingten Re-Start kam er lediglich in vier von insgesamt elf Partien zum Einsatz. Warum der nach Pick und Kühlwetter drittbeste Torschütze der Pfälzer den Traditionsverein im Sommer verließ, ist bis heute nicht bekannt. Zwar erklärte Boris Schommers, dass Thiele "zu der Erkenntnis gekommen" sei, "keine Perspektive mehr" zu haben, doch Gerüchten zufolge standen womöglich auch persönliche Differenzen und Meinungen zwischen Trainer und Spieler im Raum. Thiele selbst sprach in einem DFB-Interview Ende September davon, dass sein Wechsel zur Viktoria nicht seine alleinige Entscheidung war. "Ich habe nicht mehr den Rückhalt der Sportlichen Leitung gespürt. Die Verantwortlichen des FCK wollten das Team in der Offensive neu aufstellen".


Thiele unterschrieb beim Ligakonkurrenten Viktoria Köln einen 1-Jahres-Vertrag - der FCK kassierte eine Ablösesumme in Höhe von 275.000 Euro. Thieles Stärken, die für Boris Schommers keine Rolle mehr spielten, sind für Kölns Trainer Pavel Dotschev umso wertvoller. "Er ist ein Top-Stürmer für die 3. Liga. Timmy ist ein Stürmer, der über ein enormes Tempo verfügt, gute Laufwege hat, kopfballstark ist und mit Blick zum Tor eine enorme Gefahr ausstrahlt", äußerte sich Dotschev nach dem erfolgreichen Wechsel zu den Rheinländern.


In der bisherigen Spielzeit stand der 29-jährige in allen 14 Partien (838 Spielminuten) auf dem Feld, darunter fallen acht 8 Startelf-Einsätze und sechs Einwechslungen. Auch in Köln variiert der gelernte Mittelstürmer auf den drei Offensivpositionen. Mit fünf Scorerpunkten (drei Tore, zwei Vorlagen) belegt Thiele nach Mike Wunderlich intern den zweiten Platz unter den besten Scorern. Auf welches Spiel sich Timmy Thiele in dieser Saison besonders freut, ist für ihn leicht zu beantworten. "Besonders freue ich mich natürlich, gegen Kaiserslautern zu spielen. Denn da kenne ich ja noch alle", gab Thiele in einem Interview mit Liga3-News.de zu Saisonbeginn an. Zu einem ersten Wiedersehen zwischen Thiele und dem FCK kommt es jedoch erst im kommenden Jahr - am 18. Spieltag empfangen die Roten Teufel Köln auf dem heimischen Betzenberg.

Wirtschaftlich nachvollziehbar - sportlich ein herber Verlust

Christian Kühlwetter und Florian Pick haben ihre Wechselabsichten früh geäußert und vorzeitige Vertragsverlängerungen über den Sommer 2021 hinaus abgelehnt. Vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation war es aus wirtschaftlicher Sicht folgerichtig, die beiden für eine kolporierte Ablösesumme in Höhe von 1.55 Millionen Euro ziehen zu lassen. Ob Timmy Thiele unter Jeff Saibene eine Perspektive hätte, ist kaum zu beantworten. Es ist jedoch zumindest anzunehmen, dass Thiele auf Rechtsaußen eine gute Rolle spielen könnte. Simon Skarlatidis ist verletzt, Marius Kleinsorge war lange verletzt - ihm fehlt noch die Spielpraxis, Daniel Hanslik kann seine Stärken auf Rechtsaußen nicht ausspielen, und Hendrick Zuck fehlt die Stabilität und Kontinuietät in seinen Leistungen.


Trotz der sechs Tore von Leihstürmer Marvin Pourié zeigt sich die FCK-Offensive mit 14 Treffern in 14 Spielen als zu ineffizient. Die Geschwindigkeit und läuferische Stärke von Timmy Thiele, die Dribbelstärke und der Zug zum Tor von Florian Pick und die Gier und Kampfstärke eines Christian Kühlwetter würden den Roten Teufel heute richtig gut tun. Kaum vorzustellen, wo der FCK heute mit einem Sturmduo bestehend aus Kühlwetter und Pourié und den Außenspielern Pick und Thiele stehen würde.


Quelle: Treffpunkt Betze