Kommentar: Die Mannschaft hat ein Mentalitätsproblem

Eine Schlüsselszene? Ciftcis Fehler in der 14. Minute führt zum 0:1 Rückstand. Bild: Michael Schmitt | MS Sportfoto

Es gab in dieser Saison bereits Spiele, in denen der FCK als bessere Mannschaft den Sieg einfach verdient gehabt hätte (Magdeburg, Ingolstadt), oder solche, in denen es an der Leistung wenig auszusetzen gab (Rostock, Saarbrücken). Das Unentschieden gegen den MSV Duisburg war von beiden Kategorien so weit entfernt wie Marvin Pouriés Tipp (4:0) bei Liga3-Online. Im Gegenteil: Einen dermaßen verunsicherten und angeschossenen Gegner hatte der FCK in dieser Saison noch nicht - und wird ihn wohl auch nicht mehr bekommen.

Kein Pech mehr, sondern ein Mentalitätsproblem

Lediglich zwei Punkte holten die Meidericher aus den letzten sieben Saisonspielen, in denen sie sich teilweise desolat präsentierten. Auf dem Betzenberg hätten sie, mit einer maximal durchwachsenen Leistung, um ein Haar sogar gewonnen. Nach dem Gastspiel in Meppen bekam der FCK zum zweiten Mal in dieser Saison einen Gegner serviert, der komplett von der Rolle war und dem jegliches Selbstvertrauen fehlte. Und wiederum vollbrachten die Roten Teufel das Kunststück, einem solchen Gegner wieder auf die Beine zu helfen. Vor dem Spiel hätte man vielleicht noch sagen können: Die Lauterer Mannschaft ist dicht dran am Erfolgserlebnis, der Knoten muss einfach nur platzen. Nun nicht mehr.


Gegen starke Teams präsentieren sich die Roten Teufel in dieser Saison stets ebenbürtig, verpassen es jedoch ebenso regelmäßig sich mit drei Punkten selbst zu belohnen. Gegen angeschlagene und verunsicherte Mannschaften hingegen bieten die Männer in Rot leider jedes Mal unerklärlich schwache Leistungen. Der FCK hat ein Mentalitätsproblem.

Ciftcis Fehler: Wirklich die Schlüsselszene?

Keine Frage: Ciftcis Ballverlust als letzter Mann vor dem 0:1 darf so nicht passieren. Allerdings hatte der MSV bereits vorher schon zwei Großchancen. Die in den letzten Wochen so sichere Abwehr der Lauterer präsentierte sich gegen Duisburg viel zu oft unkonzentriert. So auch beim zweiten Gegentor, als Janik Bachmann es verpasste, rechtzeitig in die Mitte einzurücken.


Wenn es in dem Spiel eine Schlüsselszene gab, dann jene in der 58. Minute: Hlousek flankt perfekt auf Pourié, der völlig freistehend neben das Tor köpft. Wenn er in dieser Situation trifft, brechen die Zebras sicherlich ein. Stattdessen erzielt Duisburgs Engin nach dem Lautrer Abwehrfehler nur sechs Minuten später das 0:2. Was fehlte war ein wenig mehr an Aggressivität in den Zweikämpfen, ein wenig mehr am Zug zum gegnerischen Tor und mehr Konzentration in der eigenen Abwehr. Und der MSV wäre klar zu schlagen gewesen. Wäre. Wieder einmal.

Wer übernimmt eigentlich Verantwortung im FCK-Spiel?

Ein Hauptproblem des FCK ist das gefällige, aber nie ein 100-prozentig zielstrebige Spiel in der Offensive. Hier müssten einfach mehr Spieler Verantwortung übernehmen. Aktuell tun dies - mit Ciftci und Pourié - lediglich zwei Spieler uneingeschränkt. Auch Hlousek, der am Samstag wieder zwei hochkarätige Torchancen vorbereitete, und Rieder, von dem offensiv noch ein wenig mehr kommen könnte, liefern stets ihre Leistung ab. Vom Rest kommt einfach zu wenig. Vom Potential her müsste beispielsweise Marlon Ritter ein absoluter Leistungsträger sein. Stattdessen wirkt er zumeist so, als befände er sich im gemütlichen Trainingskick. Eine Stärke von Kenny Prince Redondo ist eigentlich seine Geschwindigkeit. Wenn er in manchen Situationen einfach nur einen Tick früher zum Ball geht, dürfte er kaum einen Zweikampf verlieren. Da Daniel Hanslik und Elias Huth, trotz unbestreitbarem kämpferischen Einsatz, immer noch ihrer Form hinterherlaufen, bleibt Pourié vorne sowohl ohne Alternative als auch ohne ausreichende Unterstützung. Hendrik Zuck funktioniert bisher nur als Einwechselspieler. Die potentielle „Verletzten-Elf“ kann keine Entschuldigung für diejenigen sein, die zuletzt spielen durften.

Wenn auch nur innerlich: Saibene brodelt

Gegen diesen Gegner musst du einfach gewinnen,“ sagte FCK-Coach Jeff Saibene unmittelbar nach dem Spiel im Interview. Dann legte er nach: „Ich werde mir über den einen oder anderen Gedanken machen und überlegen, was wir ändern können“. Wenn ihm nicht gerade sein ehemaliger Sportdirektor nach dem Spiel ans Bein tritt, ist Saibene ein tiefenentspannter Typ, der maximal innerlich brodelt. Daher lässt dieser Satz nur erahnen, wie sauer der Luxemburger über die Leistung seines Teams war - und dass nun intern sicherlich härtere Bandagen aufgezogen werden.


Das Spiel gegen Duisburg war, ähnlich wie die Partie in Meppen, ein herber Rückschlag. Vor beiden Spielen hatte man den Eindruck, die Mannschaft sei nun auf dem richtigen Weg, um nur wenig später vom kompletten Gegenteil überzeugt zu werden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Saibene entscheidend durchgreifen muss. Was die Personallage angeht, ist der Coach generell nicht zu beneiden: In der Offensive „bewerben“ sich Spieltag für Spieltag ein bis zwei Spieler für einen Platz auf der Bank. Darüber hinaus muss Saibene beinahe jede Woche, durch Verletzungen oder Sperren bedingt, die Abwehr umbauen. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt, erstmals „freiwillig“ die Defensive umzuformieren.

Kommt Winkler gegen seinen Ex-Klub zum Debüt?

Ursprünglich war Alexander Winkler zu Saisonbeginn als Führungsspieler und Abwehrchef aus Unterhaching verpflichtet worden. Verletzungsbedingt kam er bislang jedoch zu keinem einzigen Einsatz. Und nachdem die Innenverteidigung zuletzt gut funktionierte, gab es auch keinen Anlass diese zu verändern. Nach den schwachen Leistungen von Kevin Kraus und Janik Bachmann gegen den MSV könnten nächste Woche erstmals Carlo Sickinger und Alexander Winkler das Innenverteidigerduo bilden. Marius Kleinsorge hingegen, gegen Duisburg erstmals als rechter Verteidiger aufgeboten, erzeugte sehr viel Druck nach vorne und könnte trotz der Rückkehr Philipp Herchers wieder in der Startelf stehen.


Kleinsorge-Winkler-Sickinger-Hlousek könnte die Abwehrreihe gegen Winklers ehemaligen Verein Unterhaching kommenden Freitag lauten. Jetzt ließe sich zurecht bemerken, dass das Hauptproblem des FCK in der Offensive und nicht in der Abwehr liegt. Allerdings ist Sickinger als Innenverteidiger im Spielaufbau unersetzbar. Die beiden offensivstarken Außenverteidiger Hlousek und Kleinsorge können durchaus zwei klassische Stürmer (Huth und Pourié) mit Flanken bedienen. Auch Morabet und Gözütok haben sich eine neue Chance in der Offensive verdient und könnten diese mit ihrer Technik und Geschwindigkeit durchaus beleben.

Wegweisender Dezember

Der FCK ist seit sieben Spielen ungeschlagen und steckt trotzdem in der Krise. Klingt komisch - ist aber so. Drei Spiele stehen vor der sehr kurzen Winterpause noch an. Es geht gegen Unterhaching, 1860 München und Uerdingen - obwohl der jeweilige Gegner völlig nebensächlich ist. Denn kein Team in dieser Liga ist den anderen überlegen, kein Verein spielt außergewöhnlichen Fußball, kaum ein Ergebnis ist vorhersehbar - außer vielleicht die Unentschieden beim FCK. Saibene muss jetzt grundlegend etwas ändern. Sonst kriegt die Mannschaft in dieser Saison die Kurve nicht mehr.


Quelle: Treffpunkt Betze