Wochen-Rückblick: Verdammt duster!

Als hätten wir es geahnt. In unserem vorherigen Wochen-Rückblick kündigten wir aufgrund einer erstaunlich ruhigen Woche noch die "Ruhe vor dem Sturm" an. Wir hätten uns wirklich gerne geirrt. Die vergangene FCK-Woche, sie war wieder einmal geschichtsträchtig. Doch was ist geschehen? Zunächst packte Marco Antwerpen nach der enttäuschenden Niederlage in Magdeburg die Scholz'sche Bazooka aus, steigerte die Trainingsintensität und ließ die Jungs rennen, rennen und nochmals rennen. Wohlfühlen kannst du dich halt bei der Massage. Nach einem kleinen Tief zur Wochenmitte kam am Freitag dann jedoch ein gewaltiges Hoch. Der Betzenberg brannte mal wieder lichterloh. Alles über #tabularasa und was in der letzten Woche sonst noch wichtig war. Unser Wochen-Rückblick.


Zugegeben, es war nicht einfach die Chronologie der vergangenen Woche zu priorisieren. Der dicke Brocken zu Beginn? Oder doch erst zum Schluss? Die Schlagzeilen der vergangenen Woche waren weniger geprägt vom Tun und Nicht-Tun auf dem grünen Geläuf. Richtig zur Sache ging es abseits des Platzes. Wir haben uns daher für eine Steigerung der Stimmungskurve entschieden.


1. Fortschritte bei Sessa und Sickinger: Am Dienstag berichtete die Rheinpfalz, dass die langzeitverletzten Spieler Sickinger, Schad und Sessa im Abstiegskampf nicht mehr eingreifen werden können. Wie sich herausstellte, entsprang diese Information einem Missverständnis. So hofft der Cheftrainer, dass zumindest Sickinger und Sessa demnächst wieder einsteigen und dem Team helfen können. Ob Sessa, der in dieser Saison auf schlanke acht Einsatzminuten kommt - und Sickinger, der mit der Kicker-Note 3,7 einen der letzten Plätze in der Kicker-Notenliste belegt, etwas am sportlichen Schlamassel der Roten Teufel verändern können, sei dahingestellt.


2. Dem Basler Mario fehlen ihm seine Worte: Es ist eine Premiere im neuen Wochen-Rückblick auf Treffpunkt Betze. Mario Basler hat den Sprung in die Top-X Liste der wöchentlichen Nachrichten zum zweiten Mal in Folge geschafft. Womöglich sollten wir die Qualität unserer Arbeit doch nochmal überdenken. Aber nun gut. Mario Basler war zu Gast im SWR-Sportstudio.


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That's it. Gute Story was?


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Jetzt mal im Ernst. Mario Basler fehlten nach dem desolaten Auftritt in Magdeburg die Worte. Ja verdammt, uns auch. Wir haben uns erlaubt Baslers "prägnanteste" Aussagen in Zitatform zu sammeln. "In dieser Mannschaft ist kein Leben". "Ich habe das ganze Spiel gesehen, ich war sprachlos". "Die können keinen Ball über drei Meter spielen". "Man hätte der Mannschaft schon vor Wochen in den Arsch treten müssen". "Dieser Trainer ist hilflos". "Die Mannschaft kann nix". "Dem [gemeint ist: Jean Zimmer] hätten wir früher die Kapitänsbinde weggenommen". Das geht runter wie heiße Butter. Rubbel die Katz, ej!


Mario Basler: Diese Mannschaft ist zum Scheitern verurteilt (SWR)


3. Die Stadionfrage: Es ist und bleibt eines der prekärsten Themen dieser Tage. Der ganze Stolz dieses Vereins. Der Ort, an dem schon Unmögliches wahr wurde - an dem geweint, gesungen, gewonnen und gefeiert wurde. Sollte der FCK den schwierigen Gang in die Regionalliga antreten müssen, müsste er sich zwangsläufig mit der Frage beschäftigen, ob ein Verbleib im ehrwürdigen Fritz-Walter-Stadion überhaupt noch möglich sei. Doch welche Alternativen gibt es? Homburg? Pirmasens? Oder einfach keine Kohle zahlen? Der SWR berichtete zu Wochenbeginn, der FCK fordere im Falle des Abstiegs, keine Miete mehr zu bezahlen. Als ob das nicht schon genug wäre, fordert man zudem Zuschüsse an den Betriebskosten in Höhe von 1.5 Millionen Euro. Die eh schon klamme Stadtkasse wird sich freuen. Doch Kommando zurück. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt widersprach dieser Darstellung nur wenige Stunden später. Solche Forderungen habe es nie gegeben. Stattdessen befinde man sich seit Jahresbeginn in Gesprächen mit der Stadiongesellschaft.


FCK bestreitet, nach Abstieg in Regionalliga keine Stadionmiete mehr zahlen zu wollen (SWR)


4. Magaths Geist stürmt den Betzenberg: Wie frustrierend muss eigentlich ein Trainer-Job sein? Erst kassiert Marco Antwerpen die rote Karte für einen zumindest inhaltlich berechtigten Aufreger. Dann sperrt ihn der DFB für ein Spiel, und dann muss er sich in irgendeiner ollen Kaschemme im Magdeburg auch noch die (Nicht-)Leistung seiner Mannschaft anschauen. Da platzt auch dem letzten Ruhrpottler der Kragen. Schon auf der Rückfahrt von Magdeburg klingelt in Kaiserslautern das Handy. Marco Antwerpen ist dran: "Kalle, mach schon mal dat Flutlicht an, wir sind gleich da". Nach der Rückkehr in Kaiserslautern ging es etwa nicht auf die Couch. Antwerpen verordnete ein Lauftraining. Die fehlende Siegermentalität will Antwerpen also durch Laufarbeit, Einstellung und eine härte Gangart erzwingen. "Anscheinend ist diese Mannschaft nicht anders bereit, Dinge anzunehmen". Mario Basler sagte dazu übrigens: "Man hätte der Mannschaft schon vor Wochen in den Arsch treten müssen". Schauen mer mal, wer am Ende recht behält.


Antwerpen: "Es fehlt die Siegermentalität" (Treffpunkt Betze)


5. Auf dem Betze schreibt man sich noch Briefe: Boris Notzon hat in seiner 7-jährigen Laufbahn beim 1. FC Kaiserslautern einiges einstecken müssen. Man munkelt, er ist an Stellen in die Bresche gesprungen, an denen er kaum oder keine Verantwortung getragen habe. Und eines muss man dem ehemaligen Sportdirektor lassen, er ist stets loyal gewesen und hat versucht die Dinge diskret und intern zu klären. Diese Absicht lässt sich auch seinem 7-seitigen Brief entnehmen, den er nach seiner öffentlichen Degradierung durch Markus Merk an die Gremien des 1. FCK verfasste und ihnen wenige Tage vor dem Jahreshauptversammlung zukommen ließ. Sieben Seiten, in denen Notzon interne Probleme und Herausforderungen beschreibt. Er spricht von inakzeptabler und respektloser Kommunikation, von monatelangen Eingriffen in das operative und sportliche Geschäft durch Aufsichts- und Beratungsgremien sowie durch Investoren und von einer Personal-Fluktuaktion, die im Profi-Fußball seinesgleichen sucht. Der "Sündenbock" ist weg, titutlierte der SWR nach der Entlassung Notzons. Der Sportdirektor mag zwar weg sein, doch die Probleme sind wieder einmal geblieben.


Ehemaliger Sportdirektor Notzon übt deutliche Kritik (Treffpunkt Betze)


6. Gekommen, um schnell wieder zu gehen: Bernhard Koblischeck wollte alte Zöpfe abschneiden, mal richtig sauber machen. Seine Motive und Beweggründe als neues Aufsichtsratsmitglied anzutreten klangen angemessen, vertrauensvoll und am Ende auch richtig. Belohnt wurde sein Auftritt bei der Jahreshauptversammlung mit den drittmeisten Stimmen. Doch Koblischecks Zeit beim FCK sollte nicht lange dauern. Am Freitag verkündete der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende seinen Abgang mit den Worten: "Wegen zahlreicher Vorkommnisse, über die ich in den ersten 4 Wochen meiner Tätigkeit Kenntnis erlangt habe, (...) vor allem aber wegen angetroffener und fortgeführter Verhaltensmechanismen diverser Gremien im Verein, sehe ich mich zu diesem Schritt gezwungen.(...) Dabei handelte es sich um Vorgänge, die ich weder mit meinem gelebten Werteverständnis noch mit meinem Verständnis von Recht und Gesetz in Einklang bringen kann". Koblischeck spricht von bekannten und relevanten Sachverhalten, die den Mitgliedern vorenthalten wurden, aber möglicherweise Einfluss auf die Wahl gehabt hätten. Schwere Vorwürfe also.


Der Ursprung dieser Entscheidung ist in Notzons 7-seitigem Schreiben zu suchen. Koblischeck forderte eine juristische Aufarbeitung dieser Vorgänge - nach anfänglicher Zustimmung soll der Aufsichtsrat dies jedoch abgelehnt, der Vorstand des e.V. jedoch zugestimmt haben. Doch damit nicht genug. Der SWR spricht von einer internen Email, in der Rainer Keßler nochmals versuchte, die Aufarbeitung abzuwenden. "Wir alle möchten nicht, dass ein möglicher Abstieg mit Unruhen in den Gremien begründet wird. Also sollten wir es auch nicht tun". Das brachte Koblischecks Fass scheinbar zum Überlaufen.


Koblischeck trifft als Aufsichtsratsmitglied zurück (Treffpunkt Betze)

Unruhe beim 1. FC Kaiserslautern (SWR)


Am Ende wird es zum wiederholten Male egal sein, wie die Geschichte ausgeht. Der Leidtragende bleibt der 1. FC Kaiserslautern, bleiben seine treuen Fans und Mitglieder. Deswegen beenden wir den heutigen Wochen-Rückblick mit den Worten des ehemaligen Weltmeisters Andy Brehme: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiß am Fuß!".


Quelle: Treffpunkt Betze