Kommentar: Mühsam ernährt sich der Libero

Felix Götze trägt einen großen Teil zum Aufschwung des FCK bei
Felix Götze, der neue Leader im Trikot der Roten Teufel. Quelle: Imago Images

Nicolas dribbelt. Felix regelt. Und Marvin trifft (nicht). Der FCK hat uns wieder einmal Licht und Schatten binnen 90 Minuten präsentiert. Powerplay, Tempo und Schnelligkeit, hochkarätige Torchancen. Führung, Ausgleich, Führung - und das alles innerhalb weniger Minuten. Was folgte war das große und altbekannte Zittern in Halbzeit zwei. Diesmal mit einem guten Ergebnis.

Exponentielles Emotionswachstum

Vorab: Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Nur der Weg dahin war schwieriger als er hätte sein müssen. Und meine Stimmung während der gestrigen Partie gegen das Tabellenschlusslicht aus Unterhaching schwankte permanent zwischen „steigt doch einfach bitte ab“ zu „alles klar, in drei Saisons doch Champions League“. Jedenfalls habe ich mir während des Spiels einige Fragen gestellt. Allen voran: Wann war eigentlich der letzte ungefährdete Sieg des 1. FC Kaiserslautern? Wann haben wir das letzte mal einer Mannschaft unmissverständlich klargemacht, dass wir einfach das bessere Team sind? Mein Zyniker-Gehirn musste direkt an das 5:0 gegen Schalke aus dem Jahr 2011 in der Bundesliga denken, aber vielleicht war das auch nur Häme.


Der letzte Sieg, bei dem der FCK fünf Tore erzielte, war am 22. August 2020. Den lasse ich aber keineswegs als unmissverständliche Glanzleistung gelten, denn der Gegner schoss bei diesem Sieg selbst drei Tore, und zwar im Elfmeterschießen. Ganz fern ab davon, dass der Gegner Alemannia Waldalgesheim hieß. Wenn man von diesem „brachialen“ Sieg noch zwei Monate zurück rechnet, kommt man zu besagten Glanzleistungen. Die letzten guten Spiele unter Boris Schommers: Ein stabiles 3:0 gegen Viktoria Köln und ein 4:0 Sieg gegen FCK-Lieblingsgegner Uerdingen.

Wie einst Miro Kadlec

Aber nun zum Spiel gegen Haching. Der FCK startete stark, wenn auch mit einigen Unsinnspässen im Spielaufbau. Die waren allerdings auch das einzige, was die furchtbar aufspielenden Hachinger in der ersten Halbzeit an der Partie teilnehmen ließ. Denn deren Taktik war nach alter Michael-Frontzeck-Manier gestrickt. Erst mal nichts tun und auf die Fehler des Gegners warten. Beeindruckt hat mich in der ersten Halbzeit besonders die Abgeklärtheit eines Felix Götze. Er wirkt wie ein Ruhepol, ist aber gleichzeitig überall auf dem Platz zu finden. Er klärt Bälle hinten raus und leitet Sekunden später Angriffe kurz vorm Sechzehnmeterraum des Gegners ein. Felix der Libero eben. Weiterhin muss ich mit Blick auf die erste Halbzeit besonders die rechte Seite um Jean Zimmer und Phillip Hercher erwähnen. Hercher ist unter Marco Antwerpen ohnehin zu einem der Leistungsträger avanciert - zuletzt sogar zum Torjäger. Und ich bin mir nicht mal sicher, wer wen eigentlich besser macht. Hercher Zimmer oder Zimmer Hercher. Aber inzwischen sollte man, beziehungsweise ich, den FCK besser kennen. Auf jeden gute Halbzeit folgt eine schlechte. Und auch wenn man das vorzeitig blöd verschuldete Gegentor nur eine Minute später wieder negierte, müssen sich für die zweite Halbzeit einige Spieler rechtfertigen.


(Kleiner Hinweis am Rande: Auf meinem Notiz-Zettel zum Spiel ist nach dem 1:0 vermerkt: „Hercher bockstark. Lautern jetzt 15. Ich freue mich schon auf das 1:1“. Danke FCK. Mal sehen, ob ich diesen Zynismus irgendwann wieder loswerde.)

Flanken und Standards: Ein grausames Kapitel

Zurück zum Spiel: In der zweiten Halbzeit wurden die Hachinger zunehmend dominanter. Götze ging die Puste aus und Sessa dribbelte zwar nach wie vor mit jedem Ballkontakt zwei Gegner aus, wurde jedoch meistens einfach mit einem Foul gestoppt. Und die Hachinger wissen: So schwach ist bei Standards kein anderes Team der dritten Liga. Generell sind Flanken von oder gegen die Roten Teufel das effektivste Mittel sie zu schlagen. Wer sich wie ich wöchentlich den Rasenfunk-Podcast von Max-Jacob Ost anhört, in dem jede Woche über die Ineffektivität von Flanken in der Bundesliga diskutiert wird, wundert sich bei jedem Spiel des FCK. Denn von dieser angeblichen Ineffektivität ist nichts zu spüren - bei jeder Flanke, die in den Strafraum segelt, wird mir Angst und Bange. Und das ist durchaus begründet, denn auch der gestrige 2:2 Ausgleich fiel nach eine Flanke. Und das obwohl die Hachinger in der Mitte zugestellt waren und zwei Spieler den flankenden Mashigo bedrängten. Es geht einfach ... zu einfach.


Am Ende war es dann eine selbstverschuldete Aktion der Hachinger, die dem FCK letztlich einen dramatischen, aber auch verdienten Heimsieg einbrachte. Ein herausgeholter Elfmeter von Elias Huth, der im Spiel zuvor noch den Ausgleich in letzter Sekunde verschuldete. Alles vergeben und vergessen, Elias. Wobei der Elfer nicht sonderlich gut geschossen war. Den Torhüter „ausgeguckt“ nennt man so etwas dann immer. Und es hätte zum Tag von Marvin Pourié gepasst, wenn er diesen Ball verschossen hätte.

Einfach mal 4:0 gewinnen

Alles in allem also kein gutes Spiel. Alles in allem aber wieder ein spannendes Spiel, in einer Zeit, in der ich mich wie nie zuvor nach unspannenden Spielen sehne. Ich wünsche mir mal wieder eine Glanzleistung. Mal wieder einen unumstrittenen Sieg. Ob das gegen 1860 München gelingt? Ich glaube es nicht, da die Sechziger derzeit in Topform sind. Aber wenn Wunder geschehen, dann doch beim 1. FC Kaiserslautern, oder?


Quelle: Treffpunkt Betze