Zeit für Gedankenspiele: Was wird aus den FCK-Leihspielern?

Sieben Leihspieler steht beim FCK unter Vertrag. Wer bleibt? Wer geht?
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Der 1. FC Kaiserslautern hat den Klassenerhalt in der Tasche. Das bietet Raum, sich mit den zahlreichen Leihspielern der Roten Teufel zu beschäftigen: Zeit für (hochspekulative) Gedankenspiele samt hauseigener TB-Prognose zum Verbleib der Spieler.

Jean Zimmer (Fortuna Düsseldorf, Leihe bis Saisonende mit Kaufoption)

Kapitän, Identifikationsfigur, „Lautrer Bub“. Eine solche Aufbruchstimmung wie bei der Verkündung von Jean Zimmers Rückkehr nach Kaiserslautern hat man auf dem Betze schon lange nicht mehr verspürt. Zimmer verkörperte vom Start weg den so lange vermissten „Aggressive Leader“ und erhielt nach dem Amtsantritt von Marco Antwerpen auch prompt die Kapitänsbinde. Zimmer ist eines der Gesichter der am Ende doch noch erfolgreich gestalteten Rückrunde. Der FCK, damals noch in Person von Boris Notzon, konnte sich mit Fortuna Düsseldorf auf eine Kaufoption einigen. Man kann davon ausgehen, dass diese seit Monaten fest im Budget eingeplant ist, um den Kapitän auch über die Sommerpause hinaus in der Pfalz zu halten. Gegenüber dem SWR sagte Zimmer, dass er sich bisher noch gar keine Gedanken über seine Zukunft gemacht habe. „Es sind natürlich sehr viele Fragezeichen. Was meine Person betrifft, das kann ich wirklich noch nicht sagen."


Fazit: Dass sich Zimmer voll und ganz mit dem FCK identifiziert, ist ein offenes Geheimnis. Es ist schwer vorstellbar, dass der 27-jährige nur für eine kurze "Rettungsmission" in seine alte Heimat zurückgekehrt ist. Wir sind optimistisch. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 90%.

Marvin Pourié (Karlsruher SC, Leihe bis Saisonende mit Kaufoption)

Marvin Pourié galt vor Saisonbeginn als einer der größten Hoffnungsträger, um endlich den Aufstieg anzupeilen. Dass er diese hohen Erwartungen nicht bestätigen konnte, wissen wir 37 Spieltage später alle, aber auch, dass er nicht allein dafür verantwortlich ist. Er trieb mit so mancher vergebenen Großchance die Fangemeinde des FCK mehr als nur einmal zur Weißglut. Doch Pourié ist auch ein Kämpfer, der sich aufreibt, Gegenspieler bindet und so seinen Kollegen auf dem Platz Räume verschafft. Mit zehn Toren und drei Vorlagen aus 33 Spielen trug er einen nicht unwesentlichen Teil zum Klassenerhalt bei und war oft der einzige Lichtblick in einer über weite Strecken harmlosen Offensive. Eine Rückkehr nach Karlsruhe scheint ausgeschlossen, selbst eine Vertragsauflösung steht im Raum, wobei eine solche den KSC dem Vernehmen nach eine sechsstellige Abfindungszahlung kosten würde. Pourié selbst steht einem Verbleib auf dem Betzenberg jedenfalls offen gegenüber. Im Gespräch mit "Der Betze brennt" bestätigte der Mittelstürmer, dass er sich hier pudelwohl fühle, mit dem Verein total identifiziere und schließt an: „Ich kann mir definitiv vorstellen, hier zu bleiben und auch nächstes Jahr so anzugreifen, dass wir oben mitspielen. Ich würde dann auch wirklich längerfristig hier bleiben wollen". Cheftrainer Marco Antwerpen und Geschäftsführer Sport Thomas Hengen werden sich mit dieser Personalie ganz genau befassen. Sollte sich alles in einem finanziell vertretbaren Rahmen bewegen, wird man in Kaiserslautern auch in der kommenden Saison auf Tore von Marvin Pourié hoffen.


Fazit: Marvin Pourié ist wahrlich kein einfacher Spieler, doch mit einem Trainer, der mit ihm umgehen kann, ist er für jeden Drittligisten eine Bereicherung. Dass Antwerpen ein solcher Trainer ist, hat er nicht nur in Kaiserslautern bewiesen, sondern auch bei seiner gemeinsam Zeit mit Pourié in Braunschweig, die im Aufstieg in die 2. Bundesliga gipfelte. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 65%.

Daniel Hanslik (Holstein Kiel, Leihe bis Saisonende ohne Kaufoption)

Was für eine Bilderbuchgeschichte. Zu Beginn der Saison wurde Daniel Hanslik von vielen als Flop verschrien, doch er wurde unter Jeff Saibene auch ausschließlich im rechten Mittelfeld eingesetzt. Durch seine offensivere Positionierung unter Antwerpen avancierte Hanslik zum Leistungsträger, der die Roten Teufel mit sechs Toren in den letzten sieben Spielen nahezu im Alleingang zum Klassenerhalt schoss. Sein Stammverein Holstein Kiel steht unmittelbar vor dem Aufstieg in die 1. Bundesliga. Es ist eher unwahrscheinlich, dass man im hohen Norden noch mit Hanslik plant, doch sein starker Saisonendspurt wird den ein oder anderen Interessenten auf den Plan gerufen haben. Auch hier wird sich Thomas Hengen um einen Verbleib des Deutsch-Polen bemühen.


Fazit: Hanslik ist zum Ende der Saison beim FCK endlich richtig angekommen. Man merkt ihm auf dem Platz an, dass er Spaß mit dieser Mannschaft und dem Trainer hat und wäre einem Verbleib sicherlich nicht abgeneigt. Entscheidend wird, welche Forderungen Holstein Kiel stellen wird und wie viele Mitbewerber sich für Hanslik positionieren. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 50%.

Felix Götze (FC Augsburg, Leihe bis Saisonende ohne Kaufoption)

Man kommt als Fan der Roten Teufel nicht daran vorbei, sich auszumalen, wie diese Saison verlaufen wäre, wenn der FCK von Anfang an einen fitten Felix Götze in seinen Reihen gehabt hätte. Der jüngere Bruder von WM-Final-Torschütze Mario Götze überzeugte sowohl in der Dreierkette als auch im zentralen Mittelfeld als Denker, Lenker und Taktgeber im Spiel der Pfälzer. Götze war neben Zimmer die wohl wichtigste Stütze im Abstiegskampf und der im Gesamtpaket vielleicht beste Fußballer dieser Liga. Im Gespräch mit SWR beteuerte Götze kürzlich erneut: „Ich fühle mich hier richtig wohl, ein geiles Stadion, geiler Verein, eine super Mannschaft - ich hatte selten so viel Spaß auf dem Platz zu stehen. Hier bleiben ist auf jeden Fall eine Option. Ich muss schauen, was für mich am besten ist und dann werde ich entscheiden".


Fazit: Eine Verlängerung der Leihe wäre ein Meilenstein für die Ambitionen des 1. FC Kaiserslautern, doch die starken Leistungen Götzes blieben selbstverständlich nicht unbemerkt. Ein gesunder und fitter Felix Götze wird sich wohl auch in der Bundesliga bei seinem Stammverein FC Augsburg wieder durchsetzen können. Die Chancen, Götze auch nach dem Spiel gegen den SC Verl noch einmal im rot-weißen Trikot zu sehen, sind leider minimal. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 10%.

Anas Ouahim (SV Sandhausen, Leihe bis Saisonende mit Kaufoption)

Hier scheiden sich die Geister. Anas Ouahim gelang es die FCK-Fans mit starken Dribblings und genialen Pässen zu begeistern. Allerdings trieb er diese mit unnötigen Ballverlusten und fehlendem Auge für den Mitspieler auch mindestens genauso oft zur Verzweiflung. Ouahim zählt unbestreitbar zu den spielstärksten Spielern in der 3. Liga und konnte sich auch durch kämpferische Qualitäten auszeichnen, weshalb er unter Antwerpen meist gesetzt war. Sollte die mit Sandhausen vereinbarte Kaufoption mit der finanziellen Kaderplanung vereinbar sein, stehen die Zeichen wohl auf Verbleib.


Fazit: Marco Antwerpen ist ein Befürworter Ouahims und wird aller Voraussicht nach den Wunsch äußern, die Kaufoption zu ziehen, um den 23-jährigen Deutsch-Marokkaner dauerhaft an den FCK zu binden. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 80%.

Marvin Senger (FC St. Pauli, Leihe bis Saisonende ohne Kaufoption)

Marvin Senger kam als gänzlich unbeschriebenes Blatt am letzten Tag der Wintertransferperiode in die Pfalz, um die Kaderbreite in der Defensive zu verstärken. Bei seinem Debüt für die Roten Teufel konnte der 21-jährige mit einer Monster-Grätsche gegen Waldhof Mannheim umgehend die Herzen der FCK-Anhänger für sich gewinnen. Kurz darauf gelang es ihm, sich in der Startelf festzuspielen und er wusste dort auch meist zu überzeugen. Obwohl er in den vergangenen beiden Spielen gegen den KFC Uerdingen und Viktoria Köln nur als Joker zum Einsatz kam, wird man Senger wohl nicht kampf- und kommentarlos nach St. Pauli zurückkehren lassen. Eine feste Verpflichtung oder zumindest eine weitere Leihe wäre ein wichtiger erster Baustein für den Kader der neuen Saison - auch in Hinblick auf die U23-Regel. Es ist schwer vorherzusehen, wie in Hamburg mit dem 1,93 Meter großen Verteidiger geplant wird. Ein Verbleib wäre definitiv wünschenswert.


Fazit: Senger hat genau das geliefert, was sich jeder abgebende Verein von einem Leihspieler erhofft. Er konnte reichlich Spielpraxis sammeln und dabei obendrein gute Leistungen zeigen. Der FC St. Pauli wird ganz genau abwägen, ob man Senger für den Zweitliga-Kader der kommenden Saison einplant oder ob man ihn ein Jahr vor Vertragsende verkaufen wird. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 30%.

Adam Hlousek (FC Viktoria Pilsen, Leihe bis Saisonende mit Kaufoption)

Mit großen Erwartungen kehrte Adam Hlousek nach neun Jahren zurück auf den Betzenberg. Mit massig Erstliga- und Champions League-Erfahrung sollte der 32-jährige Tscheche als Führungsspieler fungieren. Unter Boris Schommers und Jeff Saibene war Hlousek auch über lange Strecken der Saison klar gesetzt. So beteuerte er auch Mitte Januar noch gegenüber der "Rheinpfalz", dass er unbedingt in Kaiserslautern bleiben wolle. Unter Marco Antwerpen verlor er allerdings nicht nur seinen Platz in der Startelf, sondern auch im Kader. Lediglich viermal stand der Routinier unter Antwerpen auf dem Spielfeld und konnte dabei lediglich mit seinem Treffer gegen Unterhaching glänzen.


Fazit: Hlousek wird in den Planungen von Antwerpen und Hengen keine Rolle spielen und zumindest vorerst zum FC Viktoria Pilsen zurückkehren. Die TB-Prognose auf einen Verbleib: 5%.


Quelle: Treffpunkt Betze