Roundhouse-Kick: Sturm der Benz-Baracke!

Roundhouse-Kick: Der etwas andere Wochen-Rückblick.
Foto: Imago Images / Eibner

Der FCK hat seit Jahren einen Lauf. Bis vor etwa einem halben Jahr entwickelte sich dieser zwar langsam, rückwärts und bergab, aber es war ein Lauf! Mittlerweile hat sich die Richtung jedoch grundlegend geändert und die Lautrer bis in die Spitzengruppe der dritten Liga gespült. Die Aufstiegsfrage, so viel ist jetzt schon klar, wird nur über den FCK zu klären sein. Eine Abwehr aus Granit, passende Ergebnisse, glückliche Spieler, zufriedene Zuschauer - Roter Teufel, was willst Du mehr? Alles über #eslaeuft und was in der letzten Woche sonst noch wichtig war. Unser Wochen-Rückblick.


1. Nullinger mit Suchtfaktor: Boris Tomiak stellte sich den Fragen von liga3-online.de und plauderte etwas aus dem Nähkästchen. Obwohl er gewohnt zurückhaltend bei der Frage nach Aufstiegsambitionen reagierte, gab er dennoch zu, dass man am Saisonende mit der derzeitigen Tabellensituation durchaus gut leben könnte. „Wenn man nach 24 Spielen auf einem Aufstiegsrang steht, will man diese Platzierung auch über die Zielgerade bringen“, sagte der Abwehrhüne des FCK. Über seinen eigenen Werdegang beim FCK wundert sich der 23-jährige jedoch selbst. Natürlich sei es sein Ziel gewesen, sich bei den Roten Teufeln einen Stammplatz zu erkämpfen. Dass er aber so durchstarten würde, habe er nicht zu träumen gewagt. Und auch auf die Frage, was nicht nur ihn, sondern die ganze Mannschaft in dieser Saison so stark macht, hat er eine plausible Antwort. „Unsere Stärke ist nicht ausschließlich die Verteidigung. Das fängt schon ganz vorne an. Es ist unglaublich, wie sich jeder Einzelne für den Erfolg der Mannschaft den Arsch aufreißt, indem er bis zum Umfallen rennt. Das erkennt man auch daran, wie wir uns bei gewonnenen Zweikämpfen abfeiern. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, hinten die Null zu halten, weil wir wissen, dass wir immer in der Lage sind, einen Treffer zu erzielen. Es macht süchtig, die Null hinten halten zu wollen. Diese Einstellung treibt uns immer wieder zu Höchstleistungen an“, verrät uns Tomiak das etwas andere Suchtverhalten rund um den Betzenberg.


Tomiak: "Unglaublich, wie sich jeder den Arsch aufreißt"


2. Die bayrische Antwort auf Lionel Messi: Er ist recht unscheinbar, fliegt gern etwas unter dem Radar, aber wenn es zählt ist er da. Alexander Winkler hat sich in seinem zweiten Jahr auf dem Betzenberg zu einer festen Größe entwickelt. Obwohl er im vergangenen Sommer schon abgeschrieben war und ihm maximal Kurzeinsätze als Ergänzungsspieler in Aussicht gestellt wurden, gab der gebürtige Münchner nie auf und wartete geduldig auf seine Chance. Und die wusste er zu nutzen. Der Innenverteidiger ist wahrlich nicht für sein feines Zauberfüßchen bekannt. Er ist eher der Typ Arbeiter, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. „Ich gebe immer alles. Ich bin ein Kämpfer und einer, der schon mal hinlangt“, verriet er einst als Hachinger dem Radiosender M94.5. Eigenschaften, wie sie auch beim FCK gern gesehen werden. Spätestens seit Antwerpens Systemanpassung ist der Bayer nur noch schwer aus der FCK-Elf wegzudenken. In dieser Saison stand er in 17 Spielen auf dem Platz und hat einen großen Anteil an der besten Defensive der Liga. Und wie einige seiner Mitspieler auch, unterstreicht Winkler den Zusammenhalt in der Mannschaft. "Bei uns stimmt es einfach im Team. Es macht Spaß miteinander. Ausfälle werden sofort kompensiert. Wir haben einen Lauf, den wollen wir weiter so gestalten", sagte er bei SWR Sport und ergänzte, dass er sich sehr gut vorstellen könnte, auch über die aktuelle Saison hinaus beim FCK zu bleiben. Hoffentlich darf er dann erstmals in seiner Karriere Zweitligaluft schnuppern.


Winkler: "Lautern gehört mit den geilen Fans in eine andere Liga"


3. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss: Timothy Hanauer lebt gerade seinen Traum. Der 36-jährige Alzeyer, der den TuS Steinbach als Spielertrainer von der B-Klasse bis in die Aufstiegsspiele zur Verbandsliga führen konnte, ist neuer Co-Trainer von Alexander Bugera, der die U19 des FCK trainiert. Obwohl ihm seine Tätigkeit im Herrenbereich immer sehr viel Spaß bereitet habe, fühle er sich mit seiner neuen Aufgabe im professionellen Jugendbereich nun pudelwohl und wolle dort auch langfristig arbeiten. Der Kontakt zum FCK hat sich wohl ganz pfalztypisch ergeben. Es gibt immer jemanden, der jemanden kennt. Im Falle von Hanauer war das der Präsident des TuS Steinbach. Dessen Sohn spielt in der U17 der Roten Teufel, womit der Kontakt zu Uwe Scherr, dem NLZ-Leiter, schnell hergestellt war. „Es brauchte dann ein Telefonat, ein Probetraining und das Ding war in trockenen Tüchern“, berichtet der neue Mann im FCK-Nachwuchsbereich. Herzlich willkommen und viel Erfolg beim FCK!


Hanauer fühlt sich beim FCK sauwohl


4. Unknown Identity: Der Einfallsreichtum der Lautrer Fangemeinde ist hinlänglich bekannt. Da auch das Auswärtsspiel bei Waldhof Mannheim coronabedingt nicht vor vollem Haus stattfinden kann und der Anhängerschaft der Roten Teufel nur 500 Karten zur Verfügung gestellt werden konnten, ist einmal mehr die Kreativität der FCK-Fans gefragt. Natürlich wollen die Waldhöfer ihren Dauerkarteninhabern den Leckerbissen gegen die Lautrer nicht vorenthalten und haben angekündigt, dass alle Besitzer eines Saisontickets ins Carl-Benz-Stadion dürfen und dazu noch die Chance haben, eine weitere Eintrittskarte zu ergattern. Mit was die Ober-Barackler jedoch nicht gerechnet hatten, ist der plötzlich gestiegene Absatz an Rückrunden-Dauerkarten. Einige Fans des FCK sind nämlich gern bereit 80 bis 90 Euro hinzublättern, um ihre Lautrer vor Ort unterstützen zu können und haben entsprechende Tickets bei den Blau-Schwarzen geordert. Nur wenig begeistert zeigen sich jedoch die Waldhöfer von dieser Idee. "Es gibt da klare Absprachen mit den Sicherheitskräften. Sobald Gäste-Fans identifiziert werden, die sich nicht im Gästeblock befinden, werden sie des Stadions verwiesen. So sieht es die Stadionordnung vor", erklärt Pressesprecher Yannik Barwig. Hoffentlich merken die Ordner erst beim 0:1 wo der Barthel den Most holt.


Um beim Derby dabei zu sein: FCK-Fans kaufen Waldhof-Dauerkarten


5. Kasse bitte: Schlechte Nachrichten hatte der DFB in der letzten Woche für den 1. FC Kaiserslautern. Das Derby in Saarbrücken hatte ein Nachspiel und der FCK wurde zur Zahlung von 35.000 Euro verdonnert. Das Zünden von Böllern, Rauchtöpfen, bengalischen Feuern und Feuerwerksraketen durch seine Fans kommt die Lautrer nun teuer zu stehen. Glücklicherweise gewährt der Deutsche Fußballbund zur Zeit einen Coronarabatt von 25 Prozent, sonst wäre die Rechnung noch dicker ausgefallen. Da der FCK finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, wäre vielleicht künftig ein etwas kostengünstigerer Support eine Überlegung wert. Dieser kann die Mannschaft genauso pushen und entspannt den Geldbeutel vom Club.


Wegen Pyrotechnik: FCK-Anhänger kosten Club 35.000 Euro Strafe


6. Legenden sterben nie: Horst Eckel wäre am vergangenen Dienstag 90 Jahre alt geworden. Die Pfalzbibliothek Kaiserslautern eröffnete aus diesem Anlass ihre Ausstellung "Horst Eckel - Windhund, Mensch und Weltmeister". Die Ausstellung war bereits zwischen 2019 und 2021 im Pfälzischen Sportmuseum Hauenstein zu sehen und kommt nun nach Kaiserslautern. Bei freiem Eintritt soll an den Weltmeister von 1954, der am 03. Dezember des vergangenen Jahres verstorben war, erinnert werden. Bei der Eröffnung der Ausstellung, die noch bis zum 08. April besucht werden kann, war auch Markus Merk zu Gast. Der ehemalige Weltschiedsrichter und Vorstand der Horst-Eckel-Stiftung berichtete von persönlichen Erinnerungen über die FCK-Legende.


Legende des FCK: Ausstellung über Horst Eckel in Kaiserslautern wird eröffnet


7. Der Pfälzer Bruder: Der SWR veröffentlichte am vergangenen Montag Ausschnitte aus dem letzten Interview mit Ronnie Hellström. Mitte Januar stand der Schwede den Kollegen Rede und Antwort und schwelgte in Erinnerungen. Er schwärmte von den Fans des FCK, zu denen er stets ein offenes und bodenständiges Verhältnis pflegte und die ihn als Pfälzer Bruder einbürgerten. Er blickte auf schweißtreibende Zeiten unter Trainer Erich Ribbeck zurück. Gleichzeitig verriet er, wie man als Torhüter zu „Abkürzungen“ und etwas Erholung kommen konnte. Er berichtete von Essenseinladungen bei Briegels Oma und dialektbedingten Verständigungsschwierigkeiten. Und er gab eine wahre Liebeserklärung an den FCK ab: „Ich bin so froh, dass ich das alles erlebt habe. Heute sind andere Zeiten, mit dem vielen Geld, dann wechselt man die Vereine … ich war immer in Kaiserslautern, das war immer so und da bin ich sehr stolz drauf". Natürlich wurde er auch auf seine Krebserkrankung und seinen Umgang damit angesprochen. „Klar gibt es Stunden und Zeiten, wo ich nachdenke: Warum soll ich das Scheißding kriegen? Aber damit muss man rechnen, so ist das. Kann man nicht ändern. Jetzt bin ich dran. Ich habe also keine Probleme damit. Ich wollte nur vielleicht einmal nach Lautern wiederkommen, aber wie das aussieht, weiß ich nicht. Das steht in den Sternen“, sagte er und fügte an, dass er es mit den Worten eines alten Freundes aus Morlautern halten würde. In hundert Jahren sei alles vorbei und man solle alles mit Humor nehmen. Das würde auch er tun und seine Erkrankung sei für ihn nicht so hart wie für seine Angehörigen. Aber so sei das Leben. Abschließend wünschte sich Ronnie, dass der FCK es schafft aufzusteigen. Am besten noch in diesem Jahr, wie er hinzufügte. Dieses Interview beweist einmal mehr, dass Hellström ein außergewöhnlicher Mensch war. Wir werden Dich immer vermissen, aber nie vergessen, lieber Ronnie!


Das letzte Interview des Pfälzer Bruders


Quelle: Treffpunkt Betze

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