„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“

Der Fan honorierte den Aufwärtstrend. 24.005 Zuschauer, 2000 mehr als Marcus Böse, der Chef des FCK-Ticketing erwartet hatte, kamen am Freitagabend – und wurden von ihrem 1. FC Kaiserslautern maßlos enttäuscht. 0:2 (0:0) gegen Energie Cottbus – am Bollwerk der Lausitzer holten sich die Roten Teufel zwei blaue Augen.


Gefühlt 80 Prozent Ballbesitz, aber nur sieben Chancen, die Dreifachchance in der 73. Minute einzeln eingerechnet, 8:2 Ecken – am Ende stand die Heimschlappe, anstatt auf Platz drei der Dritten Liga vorzurücken.


Claus-Dieter Wollitz, dem Trainer, der erfolgreich Beton angerührt hatte, war es wichtig, „dass es ein verdienter Sieg war“. Die Freude darüber mochte er sich auch durch die TV-Analyse „des Spielers Löhmannsröben“ nicht eintrüben lassen.


„Die haben hier die Mauer wieder hochgezogen“, sagte Jan Löhmannsröben, der ehemalige Jenaer, zum Abwehrbollwerk des FC Energie, der mit einer Fünferkette verteidigte und davor mit einem Vierer-Mittelfeldriegel zusätzlich absicherte. „Das ist halt die Dritte Liga. Da musst du eine abgewichste Truppe sein. Cottbus hat es uns vorgemacht: Wenn du gefühlt zwei Chancen hast, musst du eben zwei Tore machen, das haben wir nicht hingekriegt. Wir haben 80 Prozent Ballbesitz, und dann kriegst du einen in die Fresse“, grollte Löhmannsröben, dem es auch nicht gelang, das FCK-Spiel zu strukturieren.


„Verdient oder nicht verdient“, das war FCK-Coach Michael Frontzeck schnuppe. „Uns haben im letzten Drittel die Lösungen gefehlt. Da ist zu wenig rumgekommen“, monierte der Trainer: „Wir haben teilweise schlampig bei Ballbesitz gespielt.“


„Sehr ärgerlich, dass wir durch eine Standardsituation in Rückstand geraten. Dadurch müssen wir aufmachen, und sie fahren ihre Konter, mit denen sie bekanntermaßen gefährlich sind“, sagte Innenverteidiger Kevin Kraus mit Blick auf das 0:1 durch Marc Steins Kopfball nach Holthaus-Freistoß (48.). Beim 0:2 verlor Kraus ein Laufduell gegen Lasse Schlüter, der die Partie gekonnt entschied (76.).


Dem FCK-Spiel fehlte es an Tempo und nach gutem Beginn auch bald an Überzeugung. Geschwindigkeit hatten die Außenverteidiger – aber auch nur ansatzweise Lösungsideen. Dominik Schad versuchte immer wieder Lücken in den Deckungsverbund des FC Energie zu reißen, seine Flankenversuche aber waren oft zu soft und waren so relativ leicht zu verteidigen, zumal der Abschirmdienst in Sachen Timmy Thiele gut funktionierte. Janek Sternberg, am Samstag in Rostock wegen seiner Gelbsperre nicht am Start, legte immer wieder den Vorwärtsgang ein, brach die Läufe aber auch immer wieder ab, spielte zurück oder quer. Er kam kaum in den Sechzehnmeterraum, auch er hätte ab und an mal eine Flanke scharf nach innen trommeln müssen.


18, 20 Meter vor dem Energie-Tor fehlte den Männern in Rot der Mut zum Abschluss. Gino Fechner, der Ballschlepper, spielstark, bewegte sich gut zwischen den beiden Sechzehnmeterräumen, aber Torgefahr ging nicht von ihm aus. Theo Bergmann, die zweite Spitze, mit weitem Interpretationsraum der Rolle, kommt fast immer besser zur Geltung, wenn er auf der Tiefe kommt, zumal er derzeit der beste Passgeber ist. „Wir hatten keine Lösungsansätze. Sehr ärgerlich, gegen diese Mannschaft zu verlieren“, bekannte der erneut glücklose Thiele. Es fehlte aber auch an einem energischen Anlaufen von Torwart Avdo Spahic. Das sollte Thiele, möglichst unterstützt von Christian Kühlwetter oder Hendrick Zuck, mit viel mehr Tempo tun.


Der Lauterer Trainer mochte nach vier Siegen und zwei Niederlagen in den letzten sechs Spielen nicht alles infrage stellen. „Wir haben eine gute Mannschaft, aber keine Über-Mannschaft. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, betonte Frontzeck. „Jetzt heißt es: Mund abputzen, aufstehen, am Montag beginnt die Vorbereitung auf Rostock.“


Quelle: Die Rheinpfalz