Kommentar: Schluss mit lustig

Zwei Punkte verloren? Oder doch einen Punkt gewonnen? Relativ gleichgültig dürfte sich der Großteil aller FCK-Anhänger dieser Frage annehmen. Zu groß ist die Enttäuschung über den FCK, der nach 16 Spieltagen im Mittelmaß der Dritten Liga angekommen ist. Und bei lediglich vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze müssen die Roten Teufel eher fürchten, nicht gänzlich in den Negativ-Strudel hineingezogen zu werden.

Ein spielerischer Offenbarungseid

Es war die 68. Minute im Heimspiel gegen den Tabellennachbarn aus Wehen-Wiesbaden. Nach einem fein getretenen Freistoß aus dem Halbfeld schraubt sich Jan Löhmannsröben hoch und köpft den Ball wuchtig Richtung Tor. Nicht wenige im Lautrer Fritz-Walter-Stadion verspüren dabei schon einen leichten Impuls von Galligkeit, der sich im Normalfall zu einem tosenden Torjubel entfaltet. Doch Wehens Torhüter Kolke reagiert mindestens genau so sensationell wie Löhmannsröben hochsteigt, er lenkt den Ball an Pfosten und begräbt ihn anschließend unter sich.


Was wie eine Szene aus einem packenden Fußballduell klingt, ist erschreckenderweise Lauterns erste Torchance in diesem Spiel. Der spielerische Offenbarungseid der ersten 68 Minuten, den Fans und Zuschauer bei herbstlichen Temperaturen an diesem Sonntag Nachmittag erleiden müssen, lässt sich indes kaum in Worte fassen. Die Roten Teufel wirken von Beginn vollkommen wirkungslos, oder aber auch stets bemüht. Die Mannschaft von Cheftrainer Michael Frontzeck offenbart solch drastische Schwächen im Spielaufbau und Umschaltspiel, die selbst in der spielerisch meist desaströsen dritten Liga gnadenlos bestraft werden. Ohne Biss, ohne Spielwitz, ohne eine sichtbare taktische Ausrichtung helfen in diesen ersten 68 Minuten meist nur lange Bälle. Diese gehen im Regelfall von Mads Albaek aus, der sich zwischen beide Innenverteidiger fallen lässt und dadurch erstmal ohne Not zum Mittel der langen Bälle greift. Ein Zeichen von Ideenlosigkeit. Abnehmer ist häufig Christoph Hemlein, der im Anschluss entweder den offensiven Zweikampf verliert oder den Ball per Fehlpass direkt zum Gegner schiebt. Hinzu kommt der wirkungslose Theo Bergmann, der die ersten 45 Minuten auf der linken Außenbahn verbringt, allerdings ohne dabei aufzufallen. Ein beinahe schon klassischer Fall beim FCK, bei dem Flankenläufe bis zur Grundlinie und das Hereinbringen des Balls in den Rücken der gegnerischen Abwehr absolute Seltenheit genießen. Christian Kühlwetter, in der ersten Halbzeit neben Timmy Thiele agierend, wird von Wehens Abwehrreihe komplett aus dem Spiel genommen.


Ein Tropfen auf dem heißen Stein, und sicherlich auch deutlich zu wenig, um für die kommenden Wochen Hoffnung zu schöpfen, aber dennoch nennenswert war die Einwechslung von Florian Pick. Pick, sehr präsent, läuferisch sehr stark und vor allem immer wieder anspielbar, sorgte mit schnellen Läufen und Offensivzweikämpfen für zehn durchaus sehenswerte Minuten auf dem Betzenberg.

Auch Frust kennt seine Grenzen

Als Schiedsrichter Manuel Gräfe die insgesamt sehr zerfahrene Partie abpfeift und damit auch Lauterns biederer Leistung ein Ende bereitet, entläd sich in der Westkurve ein wahrscheinlich über Wochen tief angestauter Frust. Ein mehr als deutlich hörbares Pfeifkonzert erlebt die Mannschaft beim Gang in die Westkurve, zudem sind deutliche „Frontzeck raus“ Rufe zu hören. Zu alle dem überspringen Fans die Tribünenbegrenzung und konfrontieren die Mannschaft mit ihrer Kritik. Wer die Fernsehbilder gesehen hat, weiß, wie viel Aggression dort auch in einigen Gesichtern zum Vorschein kam. Man mag ja durchaus Verständnis für all die Wut und für all den Frust haben, aber es zeigt gleichzeitig auch das Selbstverständnis einiger Fans, die sich besonders in dieser Situation in den Vordergrund stellen, da sie scheinbar ein größeres Recht auf die Konfrontation mit Spielern haben als die restlichen 15.000 Zuschauer an diesem Sonntag Nachmittag.

Frontzeck äußert Verständnis für Fan-Reaktionen

„Dass der Kopf des Trainers gefordert wird, kann ich nachvollziehen, das ist ja mittlerweile normal geworden in Deutschland, dass es jeder besser weiß und die besseren Lösungen hat. Man muss aber auch sehen, wie viele junge Spieler wir haben. Der FCK ist ein großer Verein, wir in Kaiserslautern aber sind gut beraten, die dritte Liga anzunehmen und die großen Zeiten bei Seite schieben. Mit dieser dritten Liga müssen wir lernen umzugehen", kommentierte Michael Frontzeck die Reaktionen nach dem Spiel.


Doch all diese Auf und Abs wären leichter zu ertragen, wenn sich wenigstens ansatzweise eine Spielidee erkennen lassen würde. Nach fünf Monaten Zusammenarbeit muss ein gewisser Teil der Entwicklungsarbeit auch sichtbar werden. Doch nach zwei Schritten vor, folgen beim FCK dieser Tage drei Schritte zurück. Im ersten Teil der Saison blieb im Besonderen der Torerfolg aus. Der FCK arbeitete vermehrt am Umschaltspiel und an den Torabschlüssen. Belohnt wurden die Trainingsergebnisse im zweiten Teil der bisherigen Hinrunde mit 12 Toren in vier Spielen. Und gleichzeitig zeigte die Defensive wieder größere Schwächen, woraufhin Frontzeck zunehmend das Defensivverhalten trainieren ließ. Dies wirkte kurze Zeit, es folgte ein größerer Fokus auf Standardsituationen, und auch dieses Training zeigte Wirkung. Doch es immer wieder zu erkennen, dass während ein Rädchen greift, die anderen Räder komplett versagen.


Ob der FCK es will oder nicht, ob Michael Klatt oder Patrick Banf vor zu schnellem Aktionismus warnen, spätestens nach den Fan-Reaktionen beim Heimspiel gegen Wehen-Wiesbaden müssen sich die Verantwortlichen fragen, wie lange sie es sich noch leisten können die propagierte Kontinuität auszurufen. Der Cheftrainer ist längst angezählt.


Quelle: Treffpunkt Betze