JHV 2018: Zusammenstehen und Anpacken - Aufgeben ist kein guter Ratgeber

Einige berühmt-berüchtigte Hauptversammlungen hat der 1. FC Kaiserslautern in seiner Historie schon wahrlich erlebt, darunter eine Mitgliederversammlung im Jahr 2002 oder später in den Fastabstiegsjahren 2007 und 2008. Auf der heutigen jährlichen Jahreshauptversammlung ging es beinahe schon ruhig und gesonnen zu. Das Besondere heute war, dass dies die erste Versammlung nach der Ausgliederung der Profiabteilung war. Auch in diesem Jahr ging es um nicht weniger als die Zukunft oder besser die Zukunftsfähigkeit des FCK.

Patrick Banf: "Der Abstieg hat allen sehr, sehr wehgetan"

Eröffnet wurde die Jahreshauptversammlung mit dem Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr vom Aufsichtsratsvorsitzenden Patrick Banf. Dieser begann mit einer Chronologie seiner Amtszeit, sprach davon, kaum Einarbeitungszeit gehabt zu haben, da er direkt einen neuen Sportvorstand installieren musste. Diese "desolate sportliche Situation" bezeichnete Banf als sehr schmerzhaft, ein solches Unterfangen nach einem Abstieg brauche aber Zeit, das beste Beispiel dafür sei Mitabsteiger Braunschweig. Diese Aussage wurde mit einem lauten "Das ist peinlich" eines Mitglieds quittiert.


Den neuen Trainer Sascha Hildmann, der zuvor mit warmem Applaus samt Mannschaft in der Krombacher Fanhalle Nord angekommen war, bezeichnete Banf als "genau den richtigen Trainer". Dies wiederum löste lauten Beifall im Publikum aus.


Unter dem zweiten Punkt seiner Amtszeit beschrieb Banf die "angespannte finanzielle Situation" des Vereins. Man habe zwar Kosten erheblich einsparen können, die Lizenz für die 3. Liga schlussendlich aber nur auf Pump finanzieren können. Dass dies jedoch überhaupt gelang, sei dem kaufmännischen Geschäftsführer Michael Klatt zu verdanken. Patrick Banf bedankte sich ausdrücklich bei Michael Klatt. Auch das erntete großen Beifall.


Zum Abschluss wurde deutlich: Die Lage beim FCK ist mehr als angespannt. Durch ein erwartetes Minus von circa 5 Millionen Euro und der bald fälligen Betze-Anleihe über 6,6 Millionen Euro braucht der 1. FC Kaiserslautern rund 11,6 Millionen, um ein weiteres Jahr in der 3. Liga finanzieren zu können. Eine Mammutaufgabe.


Erfreulich sei, dass man mit einem Zuschauerschnitt von 23.300, 800 Zuschauer mehr im Schnitt habe, als noch zu Zweitligazeiten. Patrick Banf schloss mit den Worten, denen heute sicherlich niemand mehr widersprechen wird, "wir haben über Jahre auf zu großem Fuß gelebt. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", ab.

Michael Klatt: "Gute Nacht, Marie!"

Als nächstes berichtete der ehemalige Vorstandsvorsitzende und heutige kaufmännische Geschäftsführer Michael Klatt. Er ging zunächst auf ein paar Dinge abseits der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen ein. So sei an wichtigen Stellschrauben gedreht worden, wie durch die Einführung der Betze-Card oder einer Zertifizierung des Sicherheitskonzepts. Doch schnell kam auch Klatt zum "nackten Überlebenskampf". Er hob hervor, dass es letztes Jahr nur gelungen sei die Lizenz zu erhalten, weil jeder im Verein an einem Strang gezogen und seine Kompetenzen geräuschlos eingebracht habe. Dafür bedankte er sich bei Fans, Mitgliedern und vor allem den Mitarbeitern der Geschäftsstelle.


Interessant auch: Michael Klatt gab an, ein "lachendes und ein weinendes Auge" zu haben, dass viele Spieler nach dem Abstieg den Verein verlassen hatten. "Wir konnten keine Verträge für die 3. Liga mit allen Spielern machen, diese hätten uns in den finanziellen Ruin getrieben". Zudem seien die Verbindlichkeiten auf 17 Millionen angestiegen. Erfreulich sei aber, dass der Kassenbestand um 5,8 Millionen stark gestiegen sei.


Klatt beendete seine Ausführungen mit Worten, die hängen bleiben werden. Man müsse zusammenstehen und anpacken - Aufgeben sei ein schlechter Ratgeber, doch denjenigen, die Zwietracht sähen wollten, rief er zu: "Gute Nacht, Marie!"

Bader kämpferisch: "Unser Verein ist mehr, als eine negative Schlagzeile"

Danach trat Martin Bader ans Mikrophon. In seiner ersten Rede auf einer regulären Jahreshauptversammlung beim 1. FC Kaiserslautern gab er unumwunden zu, überhaupt nicht zufrieden zu sein. Er gewährte aber auch noch einmal einen Einblick auf seine Beweggründe zum FCK gekommen zu sein.


"Ich wusste, als ich hier angefangen habe, dass wir mit 12 Punkten höchstwahrscheinlich absteigen werden. Ich wusste, dass fast kein Spieler einen Vertrag für die 3. Liga hat. Und ich wusste auch, das im Jahr 2019 eine millionenschwere Anleihe fällig wird. Doch die Möglichkeiten des FCK wiegen für mich nach wie vor deutlich schwerer als alle Bedenken. Unser Verein ist nicht nur eine negative Schlagzeile, er ist viel mehr", gab sich Bader kämpferisch.


Die Vorrunde sei geprägt gewesen von Rückschlägen, man habe aber gezeigt, dass die Jungs es können. "Aufwand und Ertrag stimmen überhaupt nicht überein", erläuterte Bader und bezog sich auf Statistiken, wonach der FCK offensiv große Probleme habe. Er glaube aber an die Qualität und die Mentalität der Mannschaft.

Bader: Mussten den Trainerwechsel vornehmen

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung gab sich Martin Bader exklusiv gegenüber Treffpunkt Betze absolut von Sascha Hildmann überzeugt. "Sascha hat ja nicht bei Null angefangen. Er hat eine total verunsicherte Mannschaft übernommen, die vorher vier Spiele nicht gewonnen hatte und in Haching eine richtige Klatsche bekommen hat. Das man das nicht von heute auf morgen abschütteln kann, ist völlig klar. Wir haben gesehen, dass gewisse Dinge nicht mehr zu korrigieren sind, deswegen mussten wir den Trainerwechsel vornehmen. So eine Entlassung ist immer der letzte Moment einer Freiheitsentscheidung und man erhofft sich natürlich, dass das dann greift, was man bezwecken wollte. Das hat Sascha glaube ich geschafft. Er hat das Ding zum Stehen bekommen und wir sind überzeugt, dass er das auch fortsetzen kann".


Dabei zeigte sich Bader ebenfalls von der Grundeinstellung des Kaders überzeugt. "Die Mannschaft hat wieder das gezeigt, was ich eigentlich immer gesehen habe, nämlich dass sie eigentlich immer gewinnen will. Ob das gestern Hesl war oder Kevin Kraus. Diese Truppe ist eine verschworene Gemeinschaft, die sich helfen und füreinander einstehen. Auf dieser Basis kann Sascha aufbauen, natürlich gibt es aber am Ende keinen Ersatz für Siege und Ergebnisse".


Wintertransfers seien dabei eher unwahrscheinlich, wenn er nicht an die Mannschaft glauben würde, dann würde er acht Spieler abgeben und fünf neue holen. "Das wird aber nicht gemacht", so Bader weiter.


Unterdessen gab er aber bekannt, dass zur neuen Saison die Jugendspieler Lorenz Otto, Leon Hotopp, Constantin Fath, Anas Bakhat und Anil Gözütok allesamt längerfristige Profiverträge unterschrieben haben.

Keßler sorgt für Überraschung - Erst Rücktritt, dann doch nicht

Unerwartet turbulent wurde es allerdings bei der Rede des Vorstandsvorsitzenden des 1. FC Kaiserslautern e.V., Rainer Keßler. Nachdem er sich zu Beginn bei Mitgliedern und dem Hauptsponsor Layenberger bedankt hatte und betonte, dass es sich immer noch lohne, Mitglied des 1. FC Kaiserslautern zu sein, kritisierte er heftig, dass ihm der Einblick in Vorgänge der GmbH, insbesondere was die Investorensuche angeht, verwehrt wurde. Dies sei nicht zu akzeptieren, da der 1. FC Kaiserslautern schließlich der Mutterkonzern der GmbH sei. Im Anschluss danach erklärte er, er habe sich vorgenommen,"hier und heute von meinem Amt zurückzutreten". Dies tue er aber nun doch nicht, es sei nicht im Sinne des FCK, jetzt den e.V. zu enthaupten.


Bei Treffpunkt Betze zeigte Martin Bader nur bedingt Verständnis für dieses Verhalten. "Es ist seine persönliche Entscheidung, ob er zurücktreten möchte, oder ob er nicht zurücktreten möchte, keine Frage. Aber ich finde, das sollte man intern besprechen und dort oben auf dem Podium als Einheit sitzen. Man sollte seine Kollegen nicht vor versammelter Mannschaft mit so etwas überraschen, das ist meine Meinung".


Insgesamt sei die Versammlung aber sehr produktiv gewesen, so Bader, er habe sich sogar gewünscht, dass noch mehr Fans ihre Meinung deutlich äußern. "Für so etwas in die Mitgliederversammlung da, dass sich jeder fragen kann, was sitzen da oben eigentlich für Leute. Wichtig ist, dass jeder weiß, dass wir uns Gedanken machen über das, was wir hier machen. Ich hoffe, das konnten wir klar genug transportieren". Am Ende sei es auch ganz normal, dass bei Platz 10 in Liga 3 keine Jubelstimmung ausbrechen würde. "Das wäre nicht normal für eine Mitgliederversammlung beim FCK. Da habe ich schon ganz andere Versammlungen erlebt. Heute war alles ganz normal".

Kein Ankerinvestor in Aussicht - Satzungsänderungen abgelehnt

Bevor es zur Aussprache kam, äußerte sich Patrick Banf noch zur Investorensuche. Dabei machte er wenig Hoffnung, dass in Kürze ein größerer Ankerinvestor beim FCK anheuere. Dabei sei vor allem das Problem, dass ein Ankerinvestor auch immer Interesse am Stadion habe. Und dabei käme dann die Stadt und die Stadiongesellschaft ins Spiel. "Es hat sich herausgestellt, dass ein Ankerinvestor sich fragt, wer ist mein Vermieter im Stadion. In dem Moment, wo wir das Stadion miteinbeziehen, ist es fast unmöglich, auf die Schnelle den Ankerinvestor zu gewinnen".


Für die nahe Zukunft setze man daher auf die zweite und dritte Säule des Ausgliederungsmodells, sprich auf einen stillen Teilhaber und regionale Unternehmen. Für die Lizenzierung wird man wohl um eine Zwischenfinanzierung in Form von Fremdkapital nicht umher kommen.


In der folgenden Aussprache gab es mehrere Fragen zu Vergangenheit, aber auch zur Investorensuche und einem drohenden finanziellen Kollaps. Alles blieb jedoch recht sachlich und ruhig. Im Anschluss wurden zunächst mit 81,7 % die Vorstände des laufenden Geschäftsjahres, also Thomas Gries, Michael Klatt, Jürgen Kind und Martin Bader deutlich entlastet. Die ehemaligen und aktuellen Aufsichtsratsmitglieder wurden mit 78,2 % der Stimmen entlastet.


Die vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Satzungsänderungen wurden mehrheitlich abgelehnt, nachdem unter anderem der Vereinsrat berechtige Kritik übte. In den Satzungsänderungen ging es vorrangig um drei Aspekte: Ein Aufsichtsratsmitglied soll mindestens fünf Jahre lang Vereinsmitglied sein. Der zweite Antrag bezog sich auf die Pflicht zur regelmäßigen Berichterstattung über die Vereinsmedien. Der dritte und letzte Vorschlag schlug Änderungen bei der Besetzung des Vereinsvorstandes vor, dabei soll vor allem das Amt des Vorsitzenden wegfallen.


Zu allen verbliebenen Tagesordnungspunkten gab es weder Wortmeldungen noch Anträge. Unter den Klängen des Betze-Lieds schloss Patrick Banf die diesjährige Hauptversammlung und verabschiedete sich mit der Hoffnung auf eine erfolgreiche Rückrunde.


Quelle: Treffpunkt Betze