Kommentar: Endlich wieder Betze-Fußball!

Das Spiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach - seinen Ex-Club, den er im Hinspiel gegen den FCK noch selbst betreute - es war nicht das erste Pflichtspiel für Sascha Hildmann als FCK-Trainer, auch nicht sein erstes Heimspiel. Und doch fühlte sich am vergangenen Samstag alles irgendwie nach Restart, nach Neubeginn an.


In den vergangenen Wochen wurden eifrig an Taktik und Spielidee gefeilt, es deutete sich ein neues variables 3-4-3 System an. Und Sascha Hildmann konnte vor allem endlich seine Mannschaft richtig kennenlernen und ihr insbesondere vermitteln, was er von ihr erwartet. Lennart Grill wurde zudem als neue Nummer eins bestimmt. Endlich darf sich der junge und talentierte Torhüter beweisen, der im Gegensatz zu Sievers und Hesl auch noch unverbraucht ist. Neustart also auch auf der Torhüter-Position. Endlich wieder Fußball, endlich wieder Betze. Der legendäre höchste Fußballberg Deutschlands, auf dem in den vergangenen Tagen und Wochen persönliche Eitelkeiten und Machtkämpfe statt Einigkeit und Zusammenhalt, die täglichen Schlagzeilen bestimmt hatten.


Und natürlich klappte am Samstag auch nicht direkt alles tadellos. Doch war von Beginn an ein Gefühl zu spüren, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die einen Plan hat. Ein Gefühl, dass in der Hinrunde nur selten bis gar nicht vorhanden war. Und beinahe durften Mannschaft und Fans fast schon nach vier Minuten jubeln, als Bergmanns Freistoß an den Pfosten klatschte.


Auch war das neue System Hildmanns, das variable Agieren einer Dreier-Abwehrkette, in dessen Zentrum Carlo Sickinger einen souveränen Auftritt hinlegte, gut zu erkennen. Die Idee dahinter: Das Aufbauspiel soll schneller und vielschichtiger, das Zentrum dabei gestärkt werden, so Hildmann auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Und in der Tat, schon nach wenigen Minuten erspielte sich der FCK hochkarätige Chancen und war oftmals vor dem Aspacher Tor zu finden. Ein Spiel, welches endlich wieder Spaß machte. In der Arbeit gegen den Ball gefiel die neue Dreierkette, jener Carlo Sickinger wurde von zwei stark spielenden Verteidigern umgeben, Kevin Kraus und André Hainault.


Zumindest am Samstag hatte man nicht bei jedem Ballverlust oder Spielzug von Großaspach das Gefühl, dass ein Gegentreffer nur noch eine Frage der Zeit sei. Will man eine konstante Rückrunde spielen, wäre das eine Grundvoraussetzung dafür. Sicher, es war auch noch Luft nach oben. Die Flanken kamen oft nicht gut oder präzise, von neun Ecken ging nur selten Gefahr aus. Und doch resultierte das erste Tor aus einer Ecke. Hemlein machte es im zweiten Anlauf besser und fand haargenau den Kopf von Jan Löhmannsröben. Es wäre doch auch verwunderlich, wenn alles, was in den letzten Monaten fehlte auf einmal funktionieren würde. Das Wichtigste an diesem kalten Samstagmittag: Die Fans fieberten wieder mit und hatten nicht das Gefühl von Plan- und Hilflosigkeit. Ganz im Gegenteil. Endlich wieder Betze eben.

Sascha Hildmann und das "FCK-Gen"

Das Manko blieb zugleich die Chancenverwertung. Mindestens Christian Kühlwetter hätte in der 75. Spielminute das 3:0 machen müssen, aber auch andere hatten die Gelegenheit dazu. Trotzdem war es ein gelungener Auftakt in ein Jahr, in dem für den FCK zweifelsfrei viel auf dem Spiel steht. Jan Löhmannsröben sah in dem Spiel gar den Beginn einer "Wiedergutmachungstournee 2019". Auch wenn mit solchen vollmundigen Versprechungen Vorsicht geboten sein sollte, zu wünschen wäre es allemal.


Der Trainer tut gut daran den Fokus nur auf die nächsten Spiele zu richten, will sich "von Sieg zu Sieg nach vorne arbeiten". Dass er dabei das richtige Fingerspitzengefühl für den 1. FC Kaiserslautern besitzt, machte besonders eine Aussage nach dem Spiel deutlich. "Wir haben den Jungs ein FCK-Video gezeigt, über alte Zeiten, wie die Fans da mitgehen können, vielleicht hat das noch ein paar Prozent herausgekitzelt", verriet der gebürtige Lautrer nach Spielende gegenüber Telekom Sport. Wann hatte es das zuletzt gegeben? Vielleicht wird genau das noch ein großer Pluspunkt in den nächsten Wochen und Monaten sein, dass an der Seitenlinie kein alter Hase steht, in dessen Vita der FCK nur ein Name von vielen ist. Sascha Hildmann ist Lautrer, er lebt und liebt diesen Verein. Wenn sich davon auch nur ein Funken auf die Mannschaft abfärben könnte, wäre dem Verein schon viel geholfen. Der Anfang dazu wurde am Samstag gegen Großaspach jedenfalls gemacht.


Quelle: Treffpunkt Betze