Kommentar: "Ein Schritt vor, zwei wieder zurück!"

"Endlich wieder Betze Fußball" titelten wir noch in der letzten Woche nach dem ungefährdeten 2:0 Heimsieg gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Und heute? Wieder Tristesse - wieder ein magerer Auswärtsauftritt, wieder traten 1.500 Betze-Anhänger mit hängenden Köpfen die Heimreise in die Pfalz an.


Aber was war da los am vergangenen Freitag? Hätte man nicht den Schwung des Sieges, die selbstbewussten Worte, die noch nicht aufgegebene Aufstiegshoffnung mit auf den Rasen ins Preußenstadion nehmen können? Und vor dem Anpfiff dann noch diese eine positive Nachricht: Sportchef Bader war sich sicher, dass der Betze die Lizenz für die kommende Saison in der 3. Liga bekommen wird.


Trainer Hildmann setzte erneut auf ein auf dem Papier flexibles 3-4-3 mit nur einer Änderung gegenüber der Vorwoche (Gottwald für den verletzten Kraus in der Innenverteidigung). Der Gegner stellte nach einer turbulenten Woche auf zwei Positionen im Vergleich zum 0:0 in Jena um. Unter anderem setzte Preußen-Coach Antwerpen auf den Matchwinner vom Hinspiel, den Freistoß-Speizialisten Martin Kobilansky.


Die ersten 5 Minuten gehörten den Münsteranern. Die mitgereisten Fans überkam das Gefühl, der Betze könnte hier schnell unter die Räder kommen und mit einem Offensivfeuerwerk überrannt werden, es ergaben sich auch gleich zwei gute Einschussmöglichkeiten für die Gastgeber. Nach dieser ersten Drangphase holte sich der FCK ein wenig Zugriff und erspielte sich durch Pick und Kühlwetter die ersten Möglichkeiten. Es entwickelte sich zu dieser Zeit ein offener Schlagabtausch und ein gutes Drittliga-Spiel.


Aber wie so oft setzte es dann ein typisches FCK-Gegentor der Saison 2018/2019! Ein Ballverlust in der Zentrale (evtl. kann man hier auch Foul pfeifen), zwei schnelle Pässe, einer davon in die Tiefe und in den Rücken der 3er Kette von Pires auf den freistehenden Heidmann, der mir einem satten, flachen Abschluss ins untere Toreck Grill keine Chance ließ, 1:0 für die Gastgeber. Es war wie so oft: Die Lautrer sind zu langsam in der Rückwärtsbewegung, beim ersten richtig gefährlichen Versuch wird die 3er Abwehrkette gefordert, überlaufen und bestraft.


Ganze drei Minuten später beinahe das 2:0 für Preußen. Nach einem sehenswerten Freistoß von Kobilansky zeigt Lennart Grill, warum ihm nun das Vertrauen geschenkt wird. Eine Wahnsinns-Tat! In den darauf folgenden 10 Minuten hatte wieder der FCK den Fuß am Gas und hätte durch Bergmann auch durchaus den Ausgleich erzielen können. Im Gesamtbild der ersten Halbzeit war Münster einfach schneller im Umschaltspiel und hatt durch schnelle Außenspieler und Stürmer auch die nötige Waffe zum nächsten Nackenschlag. Kurz vor der Pause setzte es genau diesen für den FCK. Wieder ein zu langsamer Moment in der Zentrale mit anschließendem Ballverlust, und die FCK-Abwehr wird überlaufen. Beim Schuss von Akono ist Grill noch dran, kann den Einschlag zum 2:0 aber nicht verhindern. Durchaus eine verdiente Pausenführung für die Gastgeber.


In der Halbzeit stellt Hildmann in der Zentrale um und nimmt Bergmann für Fechner heraus. Die zweite Halbzeit ist schnell erklärt: Der FCK mit viel Ballbesitz, mit dem er aber meist nichts anfangen kann. Preußen wiederum lauert auf Konter und den endgültigen Knockout. In der Folge plätschert die Partie vor sich hin und keine der beiden Mannschaften kann so richtig mit Torraumszenen glänzen. Es fehlt wie so oft die zündende Idee. Man hat wieder einmal den Eindruck, dass man noch Stunden spielen kann, ohne ein eigenes Tor zu schießen. Auch mit dem eingewechselten Elias Huth an der Seite von Kühlwetter und Thiele (die heute beide blass blieben) wird dies nicht besser.


Unschöne Szenen dann auch noch auf den Rängen. Lautern-Ultras haben eine "Trophäe" in Form eines gegnerischen Banners an Land gezogen und so bilden sich plötzlich Tumulte. Vermummte Personen betreten das Spielfeld und werden kurzerhand von eintreffenden Beamten wieder in die Blöcke zurückgedrängt. Schade!


Mit 7-minütiger Unterbrechung geht es daraufhin weiter im Preußenstadion. In den letzten Minuten nochmal ein bis zwei gute Szenen für die FCK-Offensive. Elias Huth mit einem schönen Drehschuss, der aber leider um ein paar Zentimeter am Knick des Preußen-Tores vorbeizieht. Dann folgt der Schlusspfiff durch Schiedsrichter Gräfe, der wohl alle aufkommenden letzten Aufstiegshoffnungen der Roten Teufel beendet. Aber nach einer solchen wiederum pomadigen Leistung kann davon auch keine Rede sein. Der Gegner war galliger, griffiger und verdiente sich den Sieg mit einer aufopferungsvollen Defensivleistung und entscheidend vorgetragenen Kontern als Nadelstiche.


Nichtsdestotrotz geht es am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den Halleschen FC wieder um drei Punkte für die Roten Teufel. Und da ist noch eine Rechnung aus dem Hinspiel offen....


Quelle: Treffpunkt Betze