Wohin geht die Reise? Woche der Wahrheit für den FCK

Vorneweg: Mit den folgenden Zeilen möchten wir keineswegs den (Roten) Teufel an die Wand malen. Seit Bestehen der dritten Liga (Saison 2008-09) benötigten Vereine im Durchschnitt 42 Punkte, um den Abstieg in die Regionalliga zu entkommen. Dem FCK fehlen also nur noch acht Punkte bis zu diesem Wert. Acht Punkte aus 12 Spielen. Oder aber auch: Acht von 36 möglichen Punkten. Also erst einmal kein Grund zur Panik , richtig? Nun steht für die Roten Teufel eine besondere Woche an, man könnte sie beinahe schon als "Woche der Wahrheit" betiteln, denn schließlich tritt der FCK in der kommenden englischen Woche innerhalb von sieben Tagen gleich drei Mal auf einen Gegner, der sich bereits seit Saisonbeginn im Abstiegskampf befindet (Carl Zeiss Jena, Eintracht Braunschweig) oder ähnlich wie der 1. FC Kaiserslautern nicht weit davon entfernt ist (Sportfreunde Lotte). Es braucht nicht viel besonders Phantasie um sich den steigenden Leistungsdruck auszumalen, sollte der FCK diese drei Spiele nicht erfolgreich bestreiten.

Auf wen kann Hildmann sich verlassen?

FCK-Cheftrainer Sascha Hildmann übernahm vergangenen Dezember einen vermeintlichen Aufstiegsaspiranten, der sich jedoch nach 17 Spieltagen in einer eher desolaten Verfassung befand. Offensiv ideenlos, defensiv mit großen Problemen. Als Hildmann übernahm war der FCK gerade mit 0:5 in Unterhaching untergegangen. Ihm bleib nichts anderes übrig, als sich vor allem öffentlich und medial vor die Mannschaft zu stellen, ihr wieder Selbstbewusstsein einzuimpfen und ihr im besonderen Maße Vertrauen auszusprechen. In Spielen wie beim 0:1 Auswärtssieg in Meppen oder beim 2:0 Heimerfolg gegen Großaspach gelang ihm das auch, bei den Auswärtsniederlagen in München und in Münster offenbarte die Mannschaft aber ihre gewohnten Schwächen. Nach dem erneuten Last-Minute-Remis gegen Zwickau zeigte sich Hildmann erstmals sichtlich unzufrieden, nach dem Remis in Köln wirkte er beinahe konsterniert.


Zweifelsfrei, unter Sascha Hildmann ist vieles besser geworden. Das Auftreten der Mannschaft ist ein anderes, es ist ein Spielsystem zu erkennen, das auch Potential hat, die Fans zu begeistern. Würde es denn konstant abgerufen. Prunkstück unter Hildmann ist jedoch definitiv die stabilisierte Defensive, die in neun Spielen immerhin fünfmal kein Gegentor zuließ.


Dennoch kosten Inkonstanz und immer wiederkehrende dumme Fehler den FCK immer noch und regelmäßig Punkte. Keine andere Mannschaft der Liga hat so viele Punkte nach eigener Führung verspielt wie die Roten Teufel. Der 1. FC Kaiserslautern hat eine sehr junge Mannschaft, eine der jüngsten in der ganzen Liga. Dennoch achtete die sportliche Führung vor der Saison darauf, genügend 3. Liga Erfahrung in den eigenen Reihen zu haben. Dazu kamen Rückkehrer wie Hendrick Zuck und Florian Dick, die den FCK führen, ihm halt geben sollten. Sie alle konnten diesen hohen Erwartungen nicht gerecht werden, hängen ihnen teilweise meilenweit hinterher. Auch davon dürfte Sascha Hildmann nach dem Spiel in Köln zunehmend enttäuscht gewesen sein. Auf wen kann Hildmann also bauen in dieser wichtigen Phase der Saison? Die kommenden Partien bergen schließlich die Gefahr noch einmal ernsthaft in Bedrängnis zu kommen. Für den jungen Pfälzer ist es auch der erste richtige Härtetest bei seinem Herzensverein. Kann er den FCK aus einer verkorksten Saison, sicher und mit etwas Selbstvertrauen in den Sommer führen, um nächstes Jahr neu anzugreifen?


934 Einsätze in Liga 3 - Fehlt es wirklich an Erfahrung?

Der Altersdurchschnitt der Roten Teufel - Besser gesagt der noch jungen Teufelchen lag im letzten Spiel bei Fortuna Köln bei gerade einmal 24,5, im Heimspiel gegen Zwickau gar bei 24,1 Jahren. Der FCK hat damit im Schnitt den zweitjüngsten Kader in der Startelf, nur Großaspach war mit 23,6 und 23,9 Jahren schon einmal jünger. Bemerkenswert bei dieser Statistik: Die Top 5 der jüngsten Startelfs in dieser Saison wurden alle von Sascha Hildmann aufgestellt, in den Top 10 findet man Hildmann sage und schreibe sieben mal. Er fährt damit ein Konzept, das die große Chance des FCK in der Zukunft sein kann und auch sein muss.


Nichtsdestotrotz kann man nicht behaupten, der Kader des FCK sei "grün hinter den Ohren", was die 3. Liga betrifft. Auf insgesamt 934 Einsätze in der 3. Liga bringen es alle Spieler im Kader des 1. FC Kaiserslautern. Christoph Hemlein mit 122 Einsätzen, Jan Löhmannsröben mit 115 Partien und Timmy Thiele mit 100 Spielen sind dabei die Spitzenreiter. Reichlich Erfahrung sollte man also meinen. Gerade darauf achtete Geschäftsführer Martin Bader auch vor der Saison bei der Zusammenstellung des Kaders. Bezeichnend, das aber ausgerechnet diese, als Leader geholten Spieler, bis jetzt nur mäßig überzeugen und vor allem sehr inkonstant ihre Leistungen abrufen. Eine Inkonstanz, die sich schließlich in den Leistungen und Ergebnissen der ganzen Mannschaft wiederspiegelt.


Mit Kontinuität zum Erfolg - Reicht das aus?


Martin Bader beschäftigt sich derweil schon mit der Kaderplanung der nächsten Saison. Auch er merkte in der Vergangenheit immer wieder an, wie jung die Mannschaft des FCK sei. In einem Interview mit dem kicker, machte Bader jetzt deutlich, er wolle den Kader deshalb mit ein paar "erfahrenen und gestandenen Spielern verstärken". Abgänge des aktuellen Kaders seien dabei eigentlich nicht geplant. Der FCK auf der Suche nach der Konstanz. Sportlich, aber auch personell. Eigentlich ein guter Ansatz, der gerade beim FCK seit Jahren nicht mehr verfolgt wurde.


Doch die Frage sei erlaubt, ob es der Mannschaft wirklich nur an Erfahrung mangelt oder schlicht und ergreifend an Qualität. Den jungen Spielern kann man keine Vorwürfe machen, sie brauchen Zeit zur Entwicklung, die ihnen Sascha Hildmann auch gewährt. Sein Auge für junge Talente könnte dabei eine große Hilfe und Chance für den Verein darstellen. In der Bringschuld sind vielmehr die gestandeneren Spieler. Dennoch stehen natürlich alle Akteure unter Beobachtung. Auch deshalb sind die nächsten Wochen wichtig, um zu sehen, wer sich für das nächste Jahr empfehlen möchte oder bei wem man die Weiterbeschäftigung doch in Frage stellen sollte. Denn nächstes Saison werden zweifelsfrei die Weichen des FCK endgültig gestellt.


Wochen der Wahrheit - Der Schlüssel bleiben Siege

Auch deshalb sind die nächsten Wochen, aber insbesondere die nächsten drei Spiele, richtungsweisend. Bestreitet der FCK sie erfolgreich, ist man zumindest sportlich wohl alle Abstiegssorgen los, kann sich ganz einem versöhnlichen Ausklang einer missglückten Saison widmen und neues Selbstvertrauen für das nächste Jahr sammeln. Gehen die Spiele gegen die schlechter platzierten Mannschaften allerdings schief, droht auch sportlich eine neue Krise, gar ein neuer Überlebenskampf. Es wäre Gift für die junge, zweifelsfrei talentierte Mannschaft, für die Stimmung im Umfeld und damit auch für die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern. Wie so oft im Fußball helfen eben wieder einmal nur Siege, um das ohnehin turbulente Fahrwasser, in dem der FCK schwimmt, etwas zu beruhigen. Am besten direkt am Sonntag gegen Jena.


Quelle: Treffpunkt Betze