"Die Zukunft des FCK liegt in Euren Händen!"

Der 1. FC Kaiserslautern scheint vorerst gerettet. Sprichwörtlich in letzter Minute entschieden sich die Gremien gegen das Angebot des Luxemburgers Flavio Becca und für ein Angebot einer regionalen Investorengruppe, die von Michael Littig präsentiert wurde. Die Erlösung ist dies aber noch nicht. Aus den letzten Wochen müssen alle Beteiligten lernen. Die Arbeit geht jetzt erst richtig los. Ein Kommentar.


Was war das vorgestern für ein Tag. Schon früh morgens war die Anspannung zu spüren, in den sozialen Netzwerken gab es nur noch ein Thema: Der vielleicht wichtigste Tag in der Vereinsgeschichte des 1. FC Kaiserslautern. Nehmen die Vereinsgremien das Angebot des Investors Flavio Becca an, der den Pfälzern zunächst ein Kredit über 2,6 Millionen Euro geben und mit einem Fünf-Jahres-Plan insgesamt rund 25 Millionen Euro in den FCK investieren möchte? Die Geschäftsführung um Michael Klatt und Martin Bader, als auch Beiratschef Patrick Banf sahen darin urplötzlich die einzige Alternative die Lizenz für den Verein zu sichern. Der mehr als große Haken dabei: Becca forderte den Rücktritt von Beiratsmitglied Michael Littig, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des e.V. und damit von den Mitgliedern des FCK frei gewählt ist. Ein Unding!


Natürlich hat ein Investor Interessen und investiert nicht aus purer Vereinsliebe Millionen in einen Fußballclub. Aber das ein Investor ein frei gewähltes Mitglied zum Rücktritt zwingen möchte, welches er nicht einmal persönlich kennt, um dann erst einmal „nur“ einen Kredit über 2,6 Millionen zur Verfügung zu stellen, das war schon eine grobe Unverschämtheit.


Dazu gab es offenbar ernste Bedenken, ob dieses Vorgehen in Einklang mit der 50+1 Regel steht. Zwar betonte dies Martin Bader vor dem Spiel gegen Unterhaching gegenüber Magenta Sport, der Vereinsrat hatte da aber offenbar seine Bedenken. „Es war überhaupt nicht absehbar, welche Sanktionen der DFB aufgrund der 50+1 Regel gegen den FCK verhängt, wenn Michael Littig zurücktritt. Und das in einer Phase, wo wir mit dem DFB wegen der Lizenzierung in Verhandlungen stehen“, äußerte sich gestern Andreas Buck, stellvertretender Vorsitzender des e.V. exklusiv gegenüber Treffpunkt Betze. Zudem sei Beccas Angebot nur eine Absichtserklärung gewesen und somit kein rechtsverbindliches Commitment.

Andy Buck: "Veto wäre auch bei jedem anderen Gremiumsmitglied erfolgt"

Und so sprachen sich in der Sitzung am Montag der Vereinsrat, Ehrenrat, Rechnungsprüfer und Vorstände des 1. FC Kaiserslautern e.V. einstimmig dafür aus, das Becca-Angebot nicht anzunehmen und Michael Littig in seinem Amt zu belassen. Doch auch ihnen verlangte die Sitzung viel ab. „Dass es keine einfache Sitzung werden würde, war klar“, so Andy Buck. „Ehrenrat und Vereinsrat wurden aufgrund der Tragweite von Herrn Beccas Forderungen um ihre Meinung gefragt. Diese sprachen sich inklusive Vorstand einstimmig gegen die Forderung eines Investors zum Rücktritt eines von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsrates aus. Es ging hierbei nicht um Michael Littig. Das Veto wäre auch bei jedem anderen Beirats- oder Aufsichtsratsmitglieds erfolgt“, erklärt Buck die Entscheidung der Gremien weiter.


Doch die große Frage stand im Raum: Welche Alternative hat der 1. FC Kaiserslautern? Nachdem es kurz zuvor noch hieß, durch Kapilendo und Betze Anleihe 2.0 könne man die Lizenz sichern, gar ohne anschließend Transfererlöse erzielen zu müssen, schien es jetzt so, dass ohne die Becca Millionen der Lizenzverlust drohe. Konnte Michael Littig also überhaupt im Amt bleiben, ohne selbst Geldgeber zu präsentieren? Wo sollten diese überhaupt herkommen? Fragen über Fragen.


Leidtragender hierbei mal wieder: Die tausenden treuen Fans des 1. FC Kaiserslautern. Seit Wochen müssen sie ein Schmierentheater mit ansehen, das selbst in der langen Historie des 1. FC Kaiserslautern einmalig ist. Zahlen werden immer wieder in den Raum geworfen, von anderen wieder dementiert oder korrigiert. Was bleibt ist die Ungewissheit und die Angst um ihren FCK, in den viele noch dazu insgesamt nahezu 3 Millionen Euro investiert haben. „Unser größtes Problem der letzten Wochen und Monate lag und liegt darin, dass alles direkt in der Presse nachzulesen ist. Das bringt nur Unruhe und setzt alle Beteiligten unter Druck. So kam es auch zu dieser Zuspitzung Flavio Becca oder Michael Littig“, moniert auch Andy Buck gegenüber Treffpunkt Betze die Außendarstellung des Vereins. Wie recht er doch hat!

Sensationelle Wende mit Fragezeichen: Regionale Investoren statt Becca

Und so harrten wahrscheinlich tausende Fans vor Computern und Handys aus, als um kurz vor Mitternacht eine fast schon sensationelle Wende im Poker um die Existenz des Vereins bekanntgegeben wurde: Michael Littig bleibt in seinen Ämtern, Flavio Becca steigt nicht beim FCK ein. Stattdessen investiert eine Gruppe regionaler Investoren vorerst 3 Millionen Euro Eigenkapital, erhält hierfür 10% Anteile an der GmbH und einen Beiratssitz. Wumms. Damit hatte sicherlich niemand gerechnet.


Allgemein machte sich im Netz und bei den Fans erst einmal Erleichterung breit. Der FCK hatte sich nicht erpressen lassen, hatte ein Stück weit seine Würde gewahrt. Und dennoch kamen direkt wieder Fragen auf: Reicht das Geld jetzt wirklich zur Lizenzsicherung? Was bedeutet das für den Spieleretat der kommenden Saison? Wer steht hinter dieser Investorengruppe? 3 Millionen für 10% Anteile, der FCK also „nur“ noch 30 Millionen Euro wert? An Schlafen war weiter nicht zu denken in dieser Nacht…

Becca an gemeinsamen Einstieg nicht interessiert - Wie hätte da das "Lautrer Modell" je funktionieren sollen?

Wie kam es also zu dieser völlig unerwarteten Wende? „Ich begrüße natürlich das Angebot der regionalen Investorengruppe. Am liebsten wäre es allen Beteiligten gewesen, wenn wir die regionale Investorengruppe UND Flavio Becca für uns hätten gewinnen können. Das war aber anscheinend von Seiten des Herrn Becca nicht gewünscht“, äußerte Andy Buck seine Zufriedenheit gegenüber Treffpunkt Betze. Michael Littig hatte dieses Angebot am Nachmittag erhalten, es dann in der Sitzung überbracht und bekanntgegeben, dass er nicht zurücktrete.


Man darf die Frage in den Raum stellen, ob Flavio Becca, den Martin Bader und Patrick Banf immer wieder einen „FCK-Fan“ mit „FCK-Herz“ nannten, dieses wirklich besitzt. Zumal wenn er es ablehnt, zusammen mit weiteren Geldgebern in den FCK zu investieren. Weitergedacht führt es außerdem ohne Zweifel zu der Frage, wie das „Lautrer Modell“ mit mehreren starken Partnern und Säulen dann mit Becca überhaupt je hätte funktionieren sollen.


Doch zurück zum „neuen Deal“, der den FCK jetzt retten soll. Ist er überhaupt gerettet? Was sind jetzt die nächsten Schritte, damit in diesen Chaoshaufen, endlich Ordnung und Ruhe eintritt? Folgen nach der Becca Absage Rücktritte der Verhandlungsführer, sprich die von Martin Bader, Michael Klatt oder Patrick Banf? Bisweilen ist davon nichts zu hören. Michael Littig sprach davon, er habe für alle Beteiligten Brücken gebaut, die es ermöglichten, noch einmal bei Null anzufangen. Gegenüber Treffpunkt Betze erklärte Michael Littig, es liege jetzt noch viel Arbeit vor dem FCK: „Es wäre schön, wenn Brücken entstehen und wir alle darüber gehen. Ohnehin habe ich derzeit absolut keinen Platz für Personalthemen. Ich hoffe, dass jeder sein Bestes gibt“, so Littig weiter.

Gremien halten an Bader und Klatt fest: "Unsere Finanzpartner haben Klarheit!"

Auch Andy Buck dementierte gegenüber Treffpunkt Betze erneut klar ein geplantes Personalkarussell und machte zudem deutlich, dass er nicht besorgt sei, dass die Kreditgeber Quattrex und Lagadere ihre Commitments in Frage stellten. „Mit dem Investment der regionalen Investorengruppe sind keine personellen Forderungen verknüpft. Es wurde in diesem Gremium nochmals, wie schon in einer Pressemitteilung vor ein paar Tagen, deutlich gemacht, dass Martin Bader das Vertrauen über den 01.07.2019 hinaus genießt. Klarer kann man es nicht formulieren. Michael Klatt war ohnehin niemals ein Thema. Dies wurde öffentlich und medial falsch dargestellt. Unsere Finanzpartner haben also Klarheit. Ich sehe keinen Grund, warum sie, jetzt wo der FCK einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, einen Rückzug in Erwägung ziehen sollten“, so Buck.


Und was ist mit dem stark reduzierten Vereinswert? Ursprünglich war der auf 120 Millionen Euro taxiert. Zudem sollte ein Beiratssitz laut Satzung erst bei 20% Anteilen erteilt werden. Das wären nach jetziger Lage 24 Millionen. Geboten werden lediglich drei. Zweifelsohne ein herber Verlust. Doch die Investorengruppe stellt weitere Investitionen in Aussicht, kann sich vorstellen den Verein in der Bundesliga mit bis zu 250 Millionen Euro zu bewerten. Michael Littig sagt dazu: „Die drei Millionen sind ein Angebot unter den gegebenen Rahmenbedingungen. Es besagt aber auch, dass weitere Möglichkeiten bestehen, zu höheren Konditionen. Wenn sich der Vereinswert entsprechen entwickelt, werden weitere Schritte folgen.“


Und was heißt das für die kommende Saison? Medial wurde davon gesprochen, mit dem Kredit von Becca könne man den Lizenzspieleretat auf bis zu 6 Millionen erhöhen. Damit würde man zur Spitzengruppe in Liga 3 gehören. Doch Littig tritt hier plötzlich auf die Bremse: „Ich muss auch spekulieren. Nach meiner Kenntnislage ist durch diese 3 Millionen die bekannte Lücke was die Lizenz anbelangt geschlossen. Eventuell ­– wenn alles günstig verläuft – könnte auch noch Luft für Investitionen in den Kader bestehen. Das war ja jetzt nur der erste Schritt.“


Die Lizenz sollte also gesichert sein. Doch erneut kursieren wieder viele „Hätte“ „Wenn“ und „Könnte“, statt vermeintlichen Gewissheiten, die bei genannter Summe vorher von gewissen Leuten propagiert worden sind. Michael Klatt und Martin Bader, die sich nach der Sitzung bislang öffentlich eher bedeckt hielten, äußerten zudem weiter Bedenken. Es müsse alles völlig neu bewertet werden, der Vereinswert per Gremiumsbeschluss von 120 Millionen auf 30 Millionen herabgesetzt werden und das alles unter dem Druck, nächste Woche die Lizenzunterlagen beim DFB einzureichen, so Klatt und Bader gegenüber der RHEINPFALZ.


Den Fan macht das alles völlig verrückt. Er blickt schon lange nicht mehr durch, ist allenfalls erleichtert, sich nicht an einen dubiosen Luxemburger verkauft zu haben. Und selbst da, ist sich das Fanlager noch lange nicht einig. Auch über die regionalen Investorengruppe kann der Fan nichts erfahren. Michael Littig kenne die Investoren offiziell selbst nicht. Heißt, er kennt sie inoffiziell, sagt es aber nicht. Gegenüber Treffpunkt Betze erklärt Littig, er sei zu weiteren Aussagen nicht befugt. Anhänger und Fans bleiben ratlos zurück, sie können nur abwarten und hoffen.

Chance zum Neuanfang muss genutzt werden - Notfalls durch Rücktritte

Einigkeit besteht bei den Fans darin, dass die Gremien endlich erkennen müssen, dass sie die Zukunft des FCK in ihren Händen halten! Sie müssen ihre Grabenkämpfe beenden und jetzt mit neuer Kraft zunächst die Lizenz absichern und dann mit einem hoffentlich recht hohen Etat einen Kader zusammenstellen, der ohne Zweifel aufsteigen kann. Michael Littig hat Brücken angeboten. Sollten sie von der anderen Seite, die den Machtkampf am Montag vermeintlich verloren hat, nicht genutzt werden, sollten Indiskretionen und Intrigen weitergehen, dann muss das zum Wohle des Vereins personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Der Kampf des FCK, er ist schon lange existenziell, aber jetzt geht er in die allesentscheidende Phase.


Auch hier kann eine Chance der Investorengruppe liegen: Pfälzer identifizieren sich besser mit Pfälzern, als mit dubiosen Luxemburgern. Sollten die nächsten Wochen endlich auch etwas geräuschloser von Statten gehen, vielleicht kann dann sogar so etwas wie neue Euphorie entstehen. Sie wäre bei einem Einstieg Beccas und einer Vielzahl von wohl folgenden Rücktritten nur schwer vorstellbar gewesen. Die Ereignisse der letzten Wochen, die gegipfelt sind in der Marathonsitzung des Montags, sie haben die FCK-Fans zermürbt. Aber es war vielleicht ein entscheidender Schritt in eine bessere Zukunft. Vielleicht. Oder um es mit Harald Layenbergers Worten zu sagen, die er gestern an uns richtete: „Alles andere werden wir jetzt auch noch schaffen müssen. Des krie mer schun hie“.


Quelle: Treffpunkt Betze


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