Kommentar: Horrorjahr am „Betze“

Schlimmer geht’s immer. Platz neun in Liga drei. Wie stets in den vergangenen Jahren hat der FCK sein Saisonziel verfehlt. Angefangen hat die bemerkenswerte Negativserie beim finanziell folgenschweren Abstieg 2012 aus der Bundesliga zwei Jahre nach dem Wiederaufstieg. „Erste Liga oder Regionalliga“ – die Aussage von Finanzchef Michael Klatt von November 2016 ist nach wie vor zutreffend. Wirtschaftlich gesunden kann der FCK aus eigener Kraft nur in der Bundesliga. Das Problem: Nie war der FCK weiter entfernt von der Beletage als in der zu Ende gegangenen Saison 2018/19.


Schnelligkeit und Torgefahr haben gefehlt


Vor allem Schnelligkeit und Torgefahr haben den Roten Teufeln in ihrem ersten Drittliga-Jahr gefehlt. Nach diesen Kriterien will der in die Kritik geratene, durch das millionenschwere Engagement des Luxemburger Investors Flavio Becca nun zunächst gestärkte Sportchef Martin Bader den Kader gezielt verstärken. Im Sturm und im zentralen Mittelfeld sucht der FCK seit Jahren vergeblich nach torgefährlichen Lösungen. Die Suche geht weiter.


Nach dem erstmaligen Abstieg aus der Zweiten Liga wollten die FCK-Chefs und die Fans die schlimme Saison 2017/18 vergessen machen. Es fing gut an, 12.000 verkaufte Dauerkarten – für die Dritte Liga sensationell –, 1:0 gegen 1860 München vor über 40.000 Zuschauern. Ein glücklicher Auftaktsieg als Initialzündung? Es kam anders. Beim 0:2 beim Halleschen FC bekam der FCK die Grenzen aufgezeigt. Gegentore in der Nachspielzeit kosteten Punkte und Selbstvertrauen. Nach dem 0:5 in Unterhaching musste Trainer Michael Frontzeck gehen. Sascha Hildmann kam, brachte Stabilität und sieben Punkte aus den ersten vier Spielen. Die Aufstiegsränge aber waren am Ende weiter weg als die Abstiegsplätze. Die verpasste Rückkehr in die lukrativere Zweite Liga kostet erneut über zehn Millionen. Das sportliche Versagen steigert die finanziellen Probleme.


Beccas Einstieg nährt Hoffnung


Bei der Jahreshauptversammlung Mitte Dezember trat der große Streit beim FCK zutage; Rainer Keßler, Vorstandsvorsitzender des e. V., wurde kurz vor Weihnachten abberufen. Besser wurde es nicht in den Gremien. Im Gegenteil. Rund um den möglichen Einstieg des Investors Michail Ponomarew setzte sich der Zwist im Beirat im Januar fort.


Die zwei Lager um Patrick Banf auf der einen und Michael Littig auf der anderen Seite einigten sich zweimal auf einen jeweils brüchigen Frieden. Der FCK bangt um die Lizenz. Es wird klar: Ohne Großinvestor(en) geht es nicht (mehr). Auf den letzten Drücker präsentierte Littig zwei regionale Investoren, Kreditgeber Quattrex bevorzugt den Luxemburger Milliardär Becca. Dessen moralisch höchst fragwürdige Bedingung erfüllt Littig mit seinem Rücktritt nach dem 3:2-Votum pro Becca. Dessen Zusage über 25 Millionen Euro aber hat der tief gefallene FCK dringend gebraucht: Angesichts von 20 Millionen Euro Schulden geht es nur mit einer solch dicken Eigenkapitalspritze weiter mit Profifußball am Problemberg „Betze“. Bei den FCK-Chefs nährt Beccas Einstieg die Hoffnung, dass nach sieben Jahren rasanter Talfahrt die Wende kommt. Sie ist ein Muss.


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