Die Wochenend-Kolumne: Ich bin der Meinung, ...

In zwei Wochen startet der 1. FC Kaiserslautern in seine zweite Drittliga-Saison. Zwei zu viel! Ziele wollen die Verantwortlichen erst ausrufen, wenn der Kader komplett ist. Klingt vernünftig. Aber was außer dem Aufstieg kann das Ziel sein? Nichts! Wertvolle Zeit auf dem Spielermarkt ist – einmal mehr – durch selbstzerstörerische Querelen im Verein und der lange quälenden Ungewissheit ob der Lizenz vergeudet worden.


Fünf Neuzugänge – Andri Rúnar Bjarnason (28), José-Junior Matuwila (27), Simon Skarlatidis (28), Avdo Spahic (22) und Manfred Starke (28) – wurden bisher verpflichtet. Es sind zielgerichtete Transfers, um Schwachstellen im Kader auszumerzen. Spahic kommt als Vertreter von Lennart Grill, der gesetzten Nummer 1, und hat bei Energie Cottbus Klasse bewiesen. Ein Außenverteidiger, der links wie rechts eingesetzt werden kann, und ein herausragender Sechser sollen noch verpflichtet werden. Möglicherweise kann sich der FCK mit Hilfe von Flavio Becca, dem Investor aus Luxemburg, auch auf den Ersatzbänken eines Bundes- oder Zweitligisten bedienen. Die großen Namen, die sich viele Fans durch das Einsteigen Beccas erhofft haben, sind bisher (noch) nicht dabei.


Aus der Saisonanalyse der Sportlichen Leitung – Schnelligkeitsdefizite auf der Sechs und beim Umschalten auf Defensive, geringe Effektivität bei eigenen Standards und Abschlussschwächen – wurden Konsequenzen gezogen. Daraus resultierte auch der Abschied von Jan Löhmannsröben und Mads Albaek.


Die Neuen können erst beurteilt werden, wenn die Liga läuft. Matuwila, ein flinker Linksfuß, Typ Eisenfuß, lässt in den ersten Tests erkennen, was man von ihm schon in Koblenz und Cottbus sah: bedingungsloser Einsatz, Härte zehn.


Skarlatidis, der Ex-Würzburger, kann – wie auch Starke – bei Ecken und Freistößen neue Qualität ins Spiel bringen. Aber nur, wenn die Lauterer sich beim Offensiv-Kopfball entscheidend verbessern.


Allerdings ist der auf dem Platz sehr umtriebige Skarlatidis durch einen Haarriss im Knie nach knapp einer Trainingswoche erstmal ausgebremst worden. Nach seiner Teilnahme mit Namibia am Afrika-Cup steigt Manni Starke am Montag beim FCK ins Training ein. Spielt er, wie er zweimal beim FC Carl Zeiss Jena gegen die Lauterer spielte, ist’s eine absolute Bereicherung.


„Wir hoffen, dass er bei uns eine ähnlich gute Quote hat“, sagt Martin Bader, FCK-Geschäftsführer Sport, mit Blick auf das Vorleben des isländischen Vollblutstürmers Bjarnason. Auf ihm ruhen viele Hoffnungen.


Beim 1:0-Testspielsieg am Donnerstag in Weingarten gegen Zweitligist Sandhausen imponierte Sascha Hildmanns Mannschaft eine Stunde mit frühem Pressing und überraschte mit einigen sehenswerten Kombinationen. Auffallend gut schlagen sich die Nachkömmlinge aus der U21, Abwehr-Schlacks Jonas Scholz und der spielintelligente Mohamed Morabet. Bemerkenswert legten sich die „Frischlinge“ aus der U19, Abwehrspieler Leon Hotopp, und die Offensivspieler Anis Gözütok und Anas Bakhat ins Zeug.


Es ist jetzt an Trainer Hildmann, der Mannschaft ein System einzuimpfen, um den Betzenberg – endlich – wieder zu einer Festung zu machen. Der Fan will Erlebnis- und Ergebnisfußball sehen, er will eine Lauterer Mannschaft sehen, die mit Leidenschaft nach vorne spielt. Gute Ansätze sind erkennbar.


Das Spiel belebt haben gegen Sandhausen auf der rechten Seite Christoph Hemlein und der pfeilschnelle Toni Jonjic. Links ist Florian Pick eine Waffe, wenn der Dribbelkünstler den richtigen Moment zum Abschluss findet. Christian Kühlwetter, 2018/19 bester Lauterer Torschütze in der Dritten Liga, ist einer der Hoffnungsträger. Der Kampf um die Stamm- und Startplätze wird spannend. Der Leitsatz vom „Kaiser“, von Franz Beckenbauer, trifft’s: Geht’s raus – und spielt’s Fußball!


Horst Konzok (Die Rheinpfalz


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