Lieber „Betze“ live als Grusel-TV

Knapp 20.000 Karten hat Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern für das DFB-Pokal-Erstrundenduell morgen (15.30 Uhr) im Fritz-Walter-Stadion gegen Champions-League-Teilnehmer TSG 1899 Hoffenheim verkauft. Mit bis zu 25.000 Zuschauern rechnen die Lauterer, hinter denen eine harte Woche liegt.


Die Roten Teufel haben den desolaten Auftritt zu verkraften, den die neu zusammengestellte, ambitionierte Mannschaft bei der 0:2-Punktspielschlappe beim Halleschen FC hingelegt hat. „Ich musste nach dem Spiel erst mal spazieren gehen und das verdauen“, erzählte André Hainault. Er hat die Partie seiner Kollegen beim HFC zu Hause im Fernsehen verfolgt.


Wegen seines im Spiel zuvor, der 1:2-Heimniederlage gegen Preußen Münster, erlittenen Nasenbeinbruchs musste Hainault in Halle passen. Morgen gegen Hoffenheim kehrt der erfahrene Innenverteidiger in die Lauterer Startelf zurück und spielt mit Gesichtsmaske. Für sein persönliches „Fernsehspiel“ in Halle hat ihm seine Frau Catherine den Rücken frei gehalten, das einjährige Söhnchen Elsine – den Namen haben die Hainaults zu Ehren der schwedischen Großmutter Andrés komponiert – zum Mittagsschlaf hingelegt und sich um die vierjährige Tochter Milane gekümmert. Milane ist die weibliche Abwandlung des Namens Milan, der in Tschechien populär ist, wo der viel herumgekommene Kanadier auch schon gespielt hat. Dass sich Hainault daheim in Kaiserslautern also voll auf das Spiel der Kollegen konzentrieren konnte, hat die Sache für ihn noch schlimmer gemacht. „Du willst helfen und kannst nicht, das ist nicht einfach“, sagte der 32-Jährige. „Wir waren nicht kompakt genug, und Halle hat es gut gemacht, das muss man auch sagen, sie haben gut gepresst, haben gemerkt, dass wir in der Schlussphase gegen Münster viel investiert hatten und haben uns gut unter Druck gesetzt“, betonte der 1,87 Meter große Innenverteidiger. „Aber wir haben genügend Qualität, das sieht man an der Trainingsqualität und an den Spielen gegen 1860 München (1:0) und in Großaspach (1:1), wo wir uns einige Chancen erarbeitet haben“, meinte Hainault, der von Zweitliga-Aufsteiger Magdeburg gekommen ist und die Lauterer Gartenschau ebenso mag wie die Pfälzer Berge und den Wald.


Hainault und Kollegen wollen morgen gegen Hoffenheim zeigen, dass Halle ein Ausrutscher war. Die Reaktionen der Fans vor allem in den sozialen Netzwerken waren extrem nach der zweiten Lauterer Niederlage im vierten Spiel. „Wir hatten turbulente Tage“, sagte FCK-Trainer Michael Frontzeck (54), „mit teilweise hysterischen Ausmaßen. Man muss ohne Wenn und Aber zu solchen Tagen wie dem in Halle stehen. Aber ich lasse mir die zehn Wochen (inklusive Vorbereitung, d. Red.), die vorher waren, nicht einfach so an die Wand klatschen.“ Wie Hainault kehrt auch Außenbahnspieler Hendrick Zuck in die Startelf zurück – als frischgebackener Vater von Söhnchen Paul.


Seinen Hoffenheimer Trainerkollegen Julian Nagelsmann (31) trifft Frontzeck regelmäßig. „Wir haben denselben Berater. Das ist eine nette Gruppe, die sich einmal im Jahr zu Weihnachten trifft“, erzählte Frontzeck. „Bei Julian ist es stets bergauf gegangen. Er gehört zu den Top-Trainern in Deutschland.“ Morgen sehen sich beide auf dem „Betze“ wieder.


Quelle: Die Rheinpfalz