Thomas Riedl: „Die Fans sind zu Recht unzufrieden”

Teil IV unserer Woche der Freundschaft: Diesmal im Gespräch, eine echte Lautrer Legende. Wir trafen Thomas Riedl zu einem Gespräch, welches wir so schnell nicht vergessen werden. Er gehört zu den Lautrer Legenden von 1998, machte für die Pfälzer insgesamt 178 Spiele und erzielte dabei neun Tore. Von 1999 – 2001 war er aber auch für die Münchner Löwen am Ball. Bis heute ist er dort für sein Siegtor im Derby gegen den großen FC Bayern unvergessen. Wer könnte also besser zu unserer „Woche der Freundschaft“ passen als Thomas Riedl. Wir konnten den heute 42- jährigen Thomas im Vorfeld der Partie zum Gespräch treffen. Dabei gab er uns spannende Einblicke in das Leben als Roter Teufel und als Löwe. Zudem sprachen wir mit ihm über die Erwartungshaltung innerhalb eines Traditionsverein und darüber, wie es sich anfühlt, die Bayern zu besiegen. Treffpunkt Betze: Hallo Thomas, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir schauen in dieser Woche ja auch darauf, was beide Vereine und die Regionen auszeichnet. Von daher drei nicht ganz ernstgemeinte Fragen zu Beginn unseres Gesprächs. Pälzisch oder Bayrisch? Thomas Riedl: Pfälzisch. Bayerisch nur ein Hauch (lacht). Wobei beides schöne Dialekte sind. Auf den Volksfesten, das Ur-Bayerische, da wurde es dann aber eng, das war nicht zu verstehen. Treffpunkt Betze: Pälzer Saumagen oder Weißwürste mit Brezen und Senf? Thomas Riedl: Schwierig. Dann doch eher die Weißwürste, Saumagen ist nicht so meins. Aber so Weißwürste zum Frühstück, das ist etwas Feines. Zur Löwen Zeit gab’s übrigens immer sonntags nach dem Spiel oder wenn wir trainiert haben im „Stüberl“ Weißwurstfrühstück, mit Weißbier und Brezeln, das war lecker. Treffpunkt Betze: Pälzer Schorle oder eine gute Maß Bier? Thomas Riedl: Ich bin nicht so der Biertrinker. Von daher, lieber e gude Dubbeshoppe. Treffpunkt Betze: Wenn du dir die Drittliga-Tabelle anschaust, den FCK auf Platz 10 und die Münchner Löwen auf Platz 12 wiederfindest, was geht dir dann durch den Kopf? Thomas Riedl: Es ist natürlich traurig das zu sehen. Wir sind sicherlich mit großen Erwartungen in die Saison gestartet und es ist auf die Dauer sicher kein Zustand, dass so große Vereine wie 1860 München und der FCK in der 3. Liga verharren. Es ist wirklich schade, wie die Hinrunde gelaufen ist. Besonders für die Fans. Aber wir hoffen natürlich, wie fast jedes Jahr (lacht), dass es in der Rückrunde wieder bergauf geht. Es ist klar, dass ein anderer Wind wehen muss, eine andere Spielleistung gezeigt werden muss. Die Fans sind zu Recht unzufrieden. Treffpunkt Betze: Du bist in Lautern geboren, du lebst hier. Als Spieler hast du in 178 Spielen wahrlich andere Zeiten erlebt. Schmerzt das besonders, den FCK so zu sehen? Thomas Riedl: Natürlich. Wenn du siehst, wie viele Zuschauer immer noch ins Stadion kommen, die den Verein und ich meine speziell den Verein, unabhängig von handelnden Personen, im Herzen tragen, dann tut das einfach weh. Die Liebe für den FCK ist bei allen tief im Herzen verankert. Das macht uns hier in der Pfalz ja auch so aus und verbindet uns mit dem Club. Es ist sehr schade, dass es handelnde Personen geschafft haben, die Leute aus dem Stadion zu treiben. Das tut einem, der mit FCK im Blut aufgewachsen ist, unheimlich weh. “Beide Clubs gehen den gleichen Leidensweg” Treffpunkt Betze: Um die 2000er Jahre herum hast du sowohl mit dem FCK als auch mit 1860 München in der Bundesliga gespielt. Wir führen dieses Interview ja im Rahmen unserer „Woche der Freundschaft“. Beide Vereine verbindet ja eine lange Fanfreundschaft. Wie intensiv hast du als Spieler, aber auch als Pfälzer von dieser Freundschaft etwas mitbekommen? Thomas Riedl: Früher wurde es mehr gelebt. Gerade als ich in München gespielt habe, hatte ich fast jedes Wochenende Besuch von FCK Fans. Früher war das ganz normal, dass man auch zu den Spielen runter gefahren ist. Ich finde auch, dass die Fanfreundschaft zu 1860 München super passt. Beides sind große Traditionsvereine, sie sind in positiven wie in negativen Zeiten ähnliche Wege gegangen und sind beides einfach super sympathische Vereine. Die Fangemeinschaft auch untereinander ist sehr stark. Gerade bei 1860 damals, als wir die Derbysiege gefeiert haben, hat man gesehen, wie viele Münchner wirklich 1860 Fans sind. Leider gehen beide Clubs gerade den gleichen Leidensweg, sind in dieser Hinsicht sicher auch ein wenig Konkurrenz. Aber es wäre natürlich umso schöner, wenn beide Mannschaften oben stehen würden. Im Moment müssen wir aber leider kleinere Brötchen backen und Schritt für Schritt denken. Treffpunkt Betze: Gibt es besondere Duelle zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem TSV 1860 München, an die du dich erinnerst? Thomas Riedl: Mein erstes Bundesligaspiel war gegen 1860, mit Trainer Werner Lorant noch. Das bleibt natürlich immer im Gedächtnis (lacht). Und die Rückkehr nach Kaiserslautern in meinem ersten Jahr, wo ich super toll empfangen wurde. Da sieht man dann, ob man etwas Positives oder Negatives hinterlassen hat. Damals haben wir 1:1 Unentschieden gespielt und es ging für beide Vereine um die Qualifikation zur Champions League. Das Gefühl dort im Stadion einzulaufen, für mich als Lautrer war das immer geil, aber in dem Spiel natürlich etwas ganz Besonderes. Treffpunkt Betze: Wir haben es bereits angesprochen, du selbst bist waschechter Lautrer. Seit einigen Tagen sitzt eben so einer auf der Lautrer Trainerbank. Wie ist deine Meinung zu Sascha Hildmann? Kann er den FCK wieder in die Erfolgsspur führen? Thomas Riedl: Ich wünsche ihm mehr Glück, als dem letzten Pfälzer, der ja abgestiegen ist und wo es sich als komplette Fehlinvestition herausgestellt hat. Man weiß aber im Endeffekt nie vorher, ob Mannschaft und Trainer zusammenpassen. Es gibt nun einmal wenige Trainer vom Format eines „Guardiola“. Von daher, kann es passen. Wir wünschen dem Sascha natürlich viel Glück. Ich glaube auch, dass die Mannschaft Potential hat. Ich trainiere ja auch eine Jugendmannschaft und sage immer, wenn du an den richtigen Schrauben drehen kannst, ein Gefühl für die Jungs bekommst, dann kann er auch sicher etwas aus der Mannschaft herausholen. Wir drücken ihm und der Mannschaft natürlich die Daumen, denn auf Dauer macht es keinen Spaß weit fahren zu müssen, um Bundesligafußball sehen zu können. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Ich finde es