Fabian Schönheim: “Ich wollte etwas zurückgeben!”

Gestern wurde Fabian Schönheim für seine lebenslange Mitgliedschaft geehrt. Im Interview mit Treffpunkt Betze spricht er über seine Beweggründe und seine besondere Verbindung zum FCK. Abseits des Fußballplatzes gab es gestern eine ganz besondere Ehrung: Lauterns ehemaliger Spieler Fabian Schönheim wurde für seine lebenslange Mitgliedschaft geehrt. Treffpunkt Betze sprach mit ihm über die Beweggründe für seine Mitgliedschaft, seine Verbundenheit zum FCK und die besondere Beziehung zu Harald Layenberger. Fußball ist ein reines Geschäft geworden. Im Mittelpunkt stehen Geld, Lifestyle und die neuste Instagram-Story. Fans und Vereine sind allenfalls noch Beiwerk. Das sind weit verbreitete Vorurteile über die heutige Spielergeneration. Mehr als das: Auf einen Großteil trifft das mittlerweile leider zu. Umso außergewöhnlicher ist es, wenn man noch auf Spieler trifft, die ihre Wurzeln nicht vergessen haben, die auch zehn Jahre nach ihrem Weggang noch den alten Verein, seine Fans und den Saisonverlauf verfolgen, gar mit dem Klub mitfiebern. Einer dieser ‘Sonderfälle’ ist Fabian Schönheim. In Kirn bei Bad Kreuznach geboren wechselte er 2001 zum FCK und durchlief dort die Jugendmannschaften. In der Saison 2005/2006 schlug für ihn dann die große Stunde: Von heute auf morgen fand sich Schönheim im Profi-Kader wieder. Abstiegskampf statt Schulbank. Die Idole seiner Jugend waren plötzlich seine Gegenspieler. Doch der Traum beim FCK endete jäh. Erst geschah der Abstieg aus der Bundesliga, dann wurde er aussortiert. Über Wehen-Wiesbaden und Mainz 05 landete Schönheim schließlich bei Union Berlin. Ein Verein, der ihn prägen sollte. Nach mehr als sieben Jahren und nach schweren Verletzungen folgte in diesem Sommer der Abschied von den Eisernen. Die Bindung zu „seinem“ FCK hat er trotzdem nie verloren und so hat er sich entschlossen, lebenslanges Mitglied der Roten Teufel zu werden. Gestern fand am Rande des Spiels gegen Waldhof Mannheim die Ehrung statt. Treffpunkt Betze sprach mit Fabian und merkte schnell: Er ist ein Typ, den man im heutigen Fußball nur noch selten findet. Treffpunkt Betze: Hallo Fabian. Wie geht es dir gesundheitlich? Mehrere Knie-OPs haben dich ja lange außer Gefecht gesetzt. Fabian Schönheim: Hallo auch an euch. Aktuell befinde ich mich immer noch in der Reha, da ich mich Anfang August noch einmal einer Arthroskopie unterziehen musste. Die abschwellenden Maßnahmen sind nun aber abgeschlossen, sodass wir jetzt wieder mit Aufbautraining beginnen können. Ansonsten geht’s mir aber sehr gut, danke. Treffpunkt Betze: Dein Vertrag bei Union Berlin ist ausgelaufen. Wie sieht derzeit dein Alltag aus, wo hältst du dich fit, steht möglicherweise dein Comeback bevor? Fabian Schönheim: Wie schon kurz angedeutet bin ich aktuell immer noch in der Reha in Landau und absolviere dort jeden Tag mein Programm. Die erste Zeit nach der OP waren es vermehrt Lymphdrainagen und abschwellende Maßnahmen, aber nachdem nun vor gut einer Woche die Fäden gezogen wurden, kann ich jetzt mit leichtem Training beginnen – sprich Fahrrad fahren und Stabilisierungsübungen für das Knie. Aber auch Krafttraining für den Oberkörper. Und nebenbei organisiere ich in meinem Alltag noch meinen Umzug nach Kaiserslautern. Treffpunkt Betze: Das hören natürlich alle in der Pfalz sehr gerne! Dass du mit dem FCK immer noch verbunden bist, das zeigt sich nicht nur durch deinen Umzug, sondern auch durch deine lebenslange Mitgliedschaft, die du mit dem Klub abgeschlossen hast. Hierfür wurdest du gestern vor dem Derby gegen Waldhof Mannheim ausgezeichnet. Was hat dich dazu bewogen lebenslanges Mitglied zu werden? Fabian Schönheim: Naja, ich bin noch so ein Mensch, dem alten Werte wichtig sind. Ich war schon immer der Meinung, dass man irgendwann auch etwas zurückgeben sollte, egal wie klein oder groß die Geste dann ist. Und dazu zählt für mich eben auch der Verein, der mich groß und zum Fußballprofi gemacht hat. Als ich von der Möglichkeit der lebenslangen Mitgliedschaft gelesen habe, habe ich sie einfach abgeschlossen. Es ist zwar keine Summe, die den FCK jetzt groß nach vorne bringt, aber darum ging es auch nicht. Es geht mir vor allem um die Geste. Und das ich die Urkunde nun gegen Waldhof überreicht bekomme ist natürlich etwas Besonderes. Aber genau solch ein Spiel habe ich mir auch gewünscht. Es ist dafür der perfekte Rahmen, weil ich solche Derbys als Spieler einfach geliebt habe. Treffpunkt Betze: Union Berlin hat letztes Jahr mit dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga Historisches geschafft. Du warst aufgrund deiner Verletzungen zum Zuschauen verdammt. Wie hast du die Saison mit Union erlebt? Fabian Schönheim: Naja, ich muss schon sagen, dass die Saison schon hart für mich war. Das komplette Jahr nur zuschauen zu können ist als Sportler einfach nicht zufriedenstellend. Nichts desto trotz habe ich schnell gemerkt, dass mit dieser Mannschaft nun wirklich mal der große Wurf gelingen und der Traum vom Aufstieg verwirklicht werden kann. Da stellst du deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinten an und versuchst die Jungs in allem einfach zu unterstützen. Und so habe ich mich dann auch verhalten. Dass es dann am Ende wirklich mit dem Aufstieg in die Bundesliga geklappt hat ist natürlich unbeschreiblich. Ich habe so etwas wie an diesem Abend, dieser Nacht und den darauffolgenden Tagen noch nicht erlebt und werde es wohl auch nie wieder erleben. Das war unglaublich. Ich hatte einfach eine Dauer-Gänsehaut, weil gefühlt halb Berlin auf den Beinen war, die Stadt stand Kopf in rot und weiß. Schönheim und Layenberger mischten Union auf: “In meiner Brust schlagen zwei Herzen” Treffpunkt Betze: Wenn man dich auf Facebook und Instagram verfolgt hat, hat man genau sehen können wie sehr du trotz deiner Verletzung mitgefiebert hast. Was bedeutet der Verein Union Berlin für dich? Was war es für ein Gefühl, den Verein jetzt zu verlassen? Fabian Schönheim: Das ist eine schöne Frage. Wenn du sieben Jahre in der heutigen Zeit in einem Verein verbringst, dann ist das schon außergewöhnlich. Wenn es dann noch dazu so ein besonderer Verein ist, mit so wundervollen und einzigartigen Menschen in und um den Klub, dann entsteht eine Bindung die tiefer geht. Die Unioner haben mich mit so dermaßen offenen Armen empfangen, haben mir so viel Sympathie und Wertschätzung entgegengebracht, dass ich sagen kann, es schlagen heute zwei Herzen in meiner Brust – einmal für den FCK und einmal für Union Berlin. Und natürlich ist es