“Vertrauen und Nachhaltigkeit im Handeln schaffen”

Aufsichtsratswahl: Valentin Helou kandidiert nach 2017 zum zweiten Mal. Für ihn sind es vor allem fünf konkrete Herausforderungen, für die es kurz- und mittelfristig nachhaltige Lösungen braucht. Nur noch drei Tage bis zur Jahreshauptversammlung und der damit verbundenen Neuwahl des Aufsichtsrates für die kommenden drei Jahre. Heute stellen wir euch Valentin Helou vor. Der Projektentwickler kandidiert nach 2017 zum zweiten Mal für den Aufsichtsrat. Im Gespräch mit Treffpunkt Betze spricht der 43-jährige über seine persönliche Bindung zum FCK, seinen ‘5-Punkte-Plan” und die Notwendigkeit, Fans und Mitglieder stärker am Verein partizipieren zu lassen. Treffpunkt Betze: Was sollten die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern über Sie wissen? Welche Kompetenzen bringen Sie ein, die den FCK in seiner gegenwärtigen Situation wirksam unterstützen? Valentin Helou: Ich habe dies ja bereits in anderen Interviews zum Ausdruck gebracht. Eigentlich geht es hier um den FCK und nicht so sehr um mich. Im heutigen Zeitalter sind wir Menschen ja so transparent, dass alles über meine Vita im Internet lesbar ist und wahrscheinlich die Mitglieder auch schon gelesen haben. Als ich in der Saison 1990/1991 gegen Werder Bremen mein erstes Spiel des FCK besucht habe, haben mich der Fußball und die Atmosphäre begeistert. Aber was mich wirklich mitgerissen hat, war das Gefühl ein Teil einer unglaublichen Kraft zu sein. Jedes Spiel, welches ich mehr besucht hatte, machte mich zum Teil einer Familie. Man kannte die Menschen, die um einen im Block 7 standen, man feierte zusammen. Und als es mich dann irgendwann auf die Nordtribüne verschlagen hatte, ging es mir genauso. Richtig heftig wurde diese Erfahrung als ich in den USA lebte und teilweise eben auch Monate oder auch mal ein Jahr nicht auf dem Betze war. Wenn ich jedoch zurückgekommen bin, war ich noch genau der Teil der Familie, der ich vorher war. Aufsichtsrat wollte ich damals nie werden. Irgendwie war zwar immer alles etwas chaotisch bei uns, aber es führte ja zu sportlichen Erfolg und die Party ging weiter. Nur das, was ich nun seit dem Ende der Ära Kuntz erlebe, ist für mich nicht mehr diese Familie. Ich bin müde von diesen Querelen und dieser unendlichen Saga, die manche als Standortnachteil oder Abwärtsstrudel bezeichnet haben. Zum Teil kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, was bei meinem FCK da nun passiert. “Es braucht keinen erneuten Neuanfang” Mein beruflicher Werdegang hat mich über Firmenberatung nun in die Projektentwicklerbranche gebracht. Natürlich gibt es in beiden Branchen Erfahrungen, die mir helfen werden eine Position im Aufsichtsrat auszuführen. So habe ich nun bereits über 10 Jahre Erfahrung im Akquirieren und Managen von internationalen Großinvestoren in der Projektentwicklung. Auch hilft mir meine Erfahrung im sogenannten Turnaround Management, also der Restrukturierung von Firmen, die ich mir in den USA angeeignet habe. Allerdings ist der FCK sicher eine ganz neue Erfahrung, die mit einer hohen Lernkurve versehen ist. Wenn ich mir das Feld der neun Bewerber anschaue, so bin ich wirklich froh, dass die Mitgliedschaft des FCK eine gute Wahl an qualifizierten Kandidaten hat. Ich wünsche uns allen, dass wir in dieser kritischen Zeit die Kandidaten wählen, welche in den Augen der Mitglieder dem FCK am besten helfen können. Diese Wahl zeigt hoffentlich, dass wir gelernt haben einen Weg auch konsequent weiter zu beschreiten und ich hoffe, dass der sich im Moment im Amt befindliche Aufsichtsrat zum Großteil in der neuen Zusammensetzung wiederfindet. Weiterbringen kann uns nur eine schrittweise Entwicklung und nicht ein erneuter Neuanfang. Treffpunkt Betze: Das Insolvenzverfahren ist abgeschlossen, die Aktiengesellschaft ist zwar schuldenfrei, der e.V. jedoch mit mehreren Millionen Euro verschuldet. Welche Weichen gilt es aus Ihrer Sicht in den kommenden 12 bis 24 Monaten unbedingt zu stellen? Welche strukturellen Herausforderungen gehen damit einher? Und welche Ideen und Lösungen werden Sie diesbezüglich einbringen? Valentin Helou: Grundsätzlich beschränkt sich Ihre Frage auf die nächsten zwei Jahre und beschäftigt sich erst einmal nicht mit der langfristigen Vision für den FCK. Deswegen möchte ich mich auch tatsächlich auf die kurz- und mittelfristigen Notwendigkeiten beschränken. Der FCK ist in der Situation, dass er sich gerade in der Phase nach Abschluss der notwendigen Sofortmaßnahmen befindet, welche uns überhaupt erst überlebensfähig gemacht haben. Nach der Ausgliederung, den sportlichen Misserfolgen, einer höchst tumultartigen Investorensuche und dem Insolvenzverfahren der KGaA stehen wir scheinbar in einem Zustand des Neustarts da. Allerdings ist das eine recht trügerische Situation, denn wir sind weiterhin von Altlasten bedroht. Hier steht erst einmal ein Verein als Muttergesellschaft, welcher hohe Belastungen hat. Auch scheint der Verein weiterhin in sich zerrissen. Es gibt keine klaren Leitbilder mehr, für die der FCK überhaupt noch steht. Auch bei der Ausgliederung wurden sicherlich Strukturen gewählt, welche nun optimiert werden müssen. Grundsätzlich besteht das größte Problem allerdings darin, dass wir weiterhin organisch nicht profitabel wirtschaften können und unsere Ausgaben nicht im Vergleich zu den sportlichen Erträgen stehen. “5-Punkte-Plan”: Finanzen, Fans, Strukturen, Stadion, Stimmung Meine Überzeugung ist es, dass wenn wir über Leitbilder, Zerrissenheit oder grundsätzlich die Basis des FCK sprechen, dass hier die nun gewählte Struktur sicher ein ganz bedeutendes Problem darstellt. Wissen Sie, mit der Rolle des Aufsichtsratsmitgliedes ist man gar nicht in der Position die notwendigen Dinge anfassen zu dürfen. Diese anstehende Wahl ist eine Wahl zum Aufsichtsrat des Vereins, welcher eigentlich der Gesellschafter des Organs ist, in dem sich die eigentlich relevanten wirtschaftlichen Prozesse abspielen. In der KGaA gibt es einen Verwaltungsrat, der die eigentlich wichtigen Prozesse im Moment beaufsichtigt und berät. Auch beschäftigt sich dieser mit der langfristigen Weichenstellung, die sicher notwendig ist. Nun ist ein Aufsichtsratsmitglied nicht zwingend auch im Verwaltungsrat. Ich will hier nicht in alle Details gehen, allerdings kann man durch diese Ausführungen sehen welche Probleme und Konfliktpotentiale in der jetzigen Struktur liegen. Lassen Sie mich aber nicht zu weit vorgreifen. In meinen Augen muss das folgende grundsätzlich nun angegangen werden: 1. Die Finanzen des e.V. müssen langfristig strukturiert werden Uns allen ist bewusst, dass der e.V. hohe Verbindlichkeiten hat. Diese kommen aus der Betzeanleihe II und den Verbindlichkeiten gegenüber Quattrex. Die Gesamthöhe der Verbindlichkeiten ist mit ca. 6,5 Millionen Euro beziffert und kann vom e.V. so nicht bedient werden. Dies bringt den e.V. in eine sehr brenzlige Situation und bedroht im Generellen alles,