Torhüterlegende Ronnie Hellström verstorben

Hammarby und der FCK trauern: Ronnie Hellström hat den Kampf gegen den Krebs verloren und ist im Alter von 72 Jahren verstorben. “Ronnie Hellström hat uns verlassen”, heißt es auf der Vereins-Website des Hammarby IF. Hellström erkrankte bereits im Jahr 2020 unheilbar an Krebs – nach längerer Erkrankung ist er nach Angaben seines Heimatsclubs im Kreise seiner Familie eingeschlafen. Ronnie Hellström wurde 72 Jahre alt. Zu Ehren Hellströms veröffentlichen wir heute noch einmal unsere Gedanken und Erinnerungen an den Sportler und Menschen Hellström. Foto: Hammarby IF / Twitter Ronald Carl Hellström wurde am 21. Februar 1949 im schwedischen Malmö geboren. Bereits in jungen Jahren begeisterte er sich für den Fußballsport – kein Wunder, schließlich galt auch schon sein Vater als exzellenter Torhüter, der selbst lange das Trikot mit der Nummer 1 beim Erstligisten Malmö FF trug. Doch Hellströms persönliche Torhüter-Karriere begann zunächst mit einer Enttäuschung, als er bei einem Probetraining im Jahre 1960 als ‘zu klein’ eingestuft wurde. Dies wiederum hielt ihn jedoch nicht davon ab, in den 70er Jahren zu den weltbesten Torhüter zu gehören. Vergangene Woche gab Ronnie Hellström bekannt, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Die ersten Symptome seien vor einem Jahr aufgetreten, äußerte der heute 72-jährige gegenüber der schwedischen Boulevardzeitung ‘Expressen’. Hellström begegnet nach einer Aussage nun “jedem Tag nach dem anderen und einer Behandlung nach der nächsten“. Diese Nachricht hat viele Menschen und Fans im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern zu tiefst bestürzt. Gewidmet sind die folgenden Zeilen, Erinnerungen und Gedanken dem Torhüter und dem Menschen Ronnie Hellström. 1970 in Mexiko: Beinahe ein Fehlstart Ronnie Hellströms Profi-Laufbahn begann im Jahre 1966 beim Stockholmer Club Hammarby IF. Vier Jahre später spielte er im Alter von 21 seine erste Weltmeisterschaft. In einem früheren Interview mit dem 11Freunde-Magazin beschrieb Hellström diese Erfahrung als “ziemlich großes Ding”, welches allerdings beinahe schneller endete als es anfing. Da sich Schwedens damaliger Nationaltrainer nicht festlegen wollte, erfuhr Hellström erst 24 Stunden vor Beginn des Spiels gegen Italien von seinem Einsatz. “Das war nicht optimal für einen jungen Tor­wart. Ich war nervös, dann kam ein ein­fa­cher Ball auf mich zu, und ich habe ihn rein­ge­lassen“. Die anschließende Medienschelte war für den jungen Hellström nur schwer zu verdauen und führte ihn in den letzten beiden Vorrundenspielen gar auf die Tribüne. “Ich wollte aber nicht der Idiot sein und habe mich zurück­ge­kämpft“. Eine Eigenschaft, die viele Stürmer in den nachfolgenden Jahren zur Weißglut treiben sollte. Hellström peppelte sich in der U21 auf und kam nur wenige Monate später wieder zurück. Es war eine Erfahrung, die möglicherweise maßgeblich für seine spätere Laufbahn war. Nach Niederlagen gilt es nun mal, Stärke zu zeigen. Erst der FCK, dann die WM 1974 Im selben Jahr, in dem die schwedische Pop Band ABBA mit ihrem Song “Waterloo” an die Chartspitze stürmte und sich in die Ohren aller musikbegeisterten Menschen sang, erreichte Ronnie Hellström bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland, bei der er mit seinem Heimatland Schweden WM-Fünfter wurde, den größten Bekanntheitsgrad. Hellström brachte gegnerische Mannschaften mit seinen Paraden, blitzschnellen Reaktionen und seiner beherzten Strafraumbeherrschung zur Verzweiflung. In der schwedischen Nationalmannschaft absolvierte Hellström insgesamt 77 Länderspiele und wurde in den Jahren 1971 sowie 1978 zu Schwedens Fußballspieler des Jahres gewählt. Bis heute legendär und unvergessen sind seine Leistungen im WM-Spiel 1974 gegen Deutschland, welches die Schweden nach hartem Kampf mit 2:4 verloren. Aus Sicht des 1. FC Kaiserslautern war diese Weltmeisterschaft durchaus als ‘Glücksfall’ zu bezeichnen. Schließlich gelang es dem damaligen FCK-Präsidenten Willi Müller mit einem eigenhändig verfassten Vertrag Ronnie Hellström nur wenige Wochen vor Beginn der WM zu verpflichten. Bei Hellströms Buchvorstellung im Jahr 2019 berichtete Udo Sopp, wie dieses Meisterstück eigentlich gelang: “Willi Müller, der Schuhfabrikant aus Pirmasens war unser Präsident. Er war ja ein richtiger Pfennigsfuchser. Wir haben, nachdem Ronnie mit Schweden auf dem Betze gespielt hat und durch Roland Sandberg einiges erfahren hatte, einen Vertrag aufgesetzt und ich bin nach Schweden gefahren. Doch der Vertrag war nicht sonderlich hoch und Ronnie hatte auch ein Angebot aus Köln”. Nach der WM verdreifachte sich der Marktwert Hellströms, zahlreiche Trainer und Funktionäre aus- und inländischer Vereine wurden auf den jungen Torhüter – der mit seinem Schnauzbart und einem roten Torwartpullover gleich zwei Markenzeichen trug – aufmerksam. Ohne dieses frühzeitige Vertragsangebot wäre Hellström wohl nie in der Pfalz gelandet. “Hätte ich nach der WM unterschrieben, hätte ich sicher noch andere Angebote bekommen“, äußerte Hellström in einem Interview vor einigen Jahren. Doch für Ronnie Hellström kam nur Kaiserslautern in Frage. “Nach dem Länderspiel in Kaiserslautern bin ich mit Roland Sandberg nach Morlautern gefahren. Da sah ich schon, wo ich später wohnen sollte. Ich hatte hier alles was ich brauchte. Bis auf eine Waschmaschine. Doch auch die sollte ich noch bekommen”, scherzte Hellström noch vor einigen Jahren. Es war der Beginn einer wunderbaren Geschichte. 10 Jahre FCK: “Ronnie Hellström hat gehalten wie eine wilde Wuz” Aber letztlich ist der ‘fliegende Wikinger’ “beim FCK doch sehr glücklich geworden”. Für den 1. FC Kaiserslautern bestritt Hellström in zehn Jahren 266 Bundesliga-Spiele. Zwar blieb ihm mit den “Roten Teufeln” ein Titel versagt, doch erreichte er immerhin zweimal das DFB-Pokalfinale und stand einmal im Halbfinale des UEFA Cups. Dass es für ihn nie zu einem Titel reichte, störte Hellström im Nachgang seine Karriere nicht. “Das hat mir nicht viel ausgemacht. Für mich war es wichtig, jedes Wochenende in der Bundesliga gut zu sein. Das war mein Ziel. Lautern hat erst nach meiner Karriere Titel gesammelt. Ich habe das dem Klub sehr gegönnt“, beschreibt Hellström in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen im Jahr 2012. Es sagt eigentlich alles über den sensationellen Charakter des Schweden, dass er nicht etwa die WM 1974 oder 1978 als Höhepunkt seiner Karriere nennt. “Für mich steht mein Abschiedsspiel auf dem Betzenberg an aller erster Stelle. Das war das schönste Erlebnis meiner Karriere. Das werde ich nie vergessen”. Gemeinsam mit Roland Sandberg und später auch mit Benny Wendt verkörperte Hellström den schwedischen Siegeswillen, gepaart mit den so genannten Betze Tugenden – allein deswegen wehten in den 80er Jahren nicht gerade wenige Schwedenfahnen in der Lautrer Westkurve. Trotz lukrativer Angebote blieb Hellström in Kaiserslautern. “Mir gefällt die Gegend, mir