Philipp Hercher im Interview: „Absolut geisteskrank!“

Philipp Hercher war Lauterns bester Scorer in der Aufstiegssaison. Im Gespräch mit Treffpunkt Betze spricht er über unglaubliche Erlebnisse und die neue Zweitliga-Saison. Seit 2019 schnürt Philipp Hercher seine Schuhe für den 1. FC Kaiserslautern. Rund lief es für ihn in dieser Zeit nicht immer. Unter seinem Förderer Sascha Hildmann war er zunächst gesetzt – Boris Schommers und Jeff Saibene überzeugte der ehemalige Großaspacher nur bedingt. Unter Marco Antwerpen startete er jedoch richtig durch. Hercher spielte sich in der Mannschaft fest, avancierte zu einem der besten Flügelspieler der dritten Liga und wurde von der Treffpunkt Betze Community folgerichtig zum Spieler der Saison 2021/22 gewählt. Eine Nachricht, die unsere Redaktion ‘Hecke’ natürlich persönlich überbringen wollte. Zwischen zwei Trainingseinheiten nahm sich der sympathische “Kilometerfresser” Zeit für ein gemeinsames Gespräch über besondere Spiele, den Aufstieg in Liga zwei, seine Vertragsverlängerung und die neuen Herausforderungen im Fußball-Unterhaus. Treffpunkt Betze: Hallo Philipp, rund 3.800 Leser und Leserinnen unseres Magazins haben sich an unserer großen Jahresumfrage beteiligt. Mit einer überragenden Mehrheit von 1.420 Stimmen wurdest du zum “Spieler der Saison” gekürt. Welche Bedeutung haben eine solche Auszeichnung und ein solches Feedback der Fans für dich? Philipp Hercher: Das ehrt mich natürlich extrem. Man bekommt das als Spieler auch mit, dass die Fans hinter einem stehen und die Leistung, die man bringt, honorieren. Ich versuche in jedem Spiel immer alles reinzuhauen. Mal klappt es mehr, mal klappt es weniger. Dieses Jahr hat es für mich und für die Mannschaft relativ oft gut geklappt. Ich freue mich persönlich über meine Leistung und dass ich der Mannschaft, dem Verein und den Fans damit auch etwas zurückgeben konnte. Dann noch eine solche Auszeichnung zu erhalten, ist dann natürlich super. Vielen Dank dafür! Treffpunkt Betze: 34 Drittliga-Partien hast du in der letzten Saison bestritten: Ist eines davon für dich in besonderer Erinnerung geblieben? Philipp Hercher: Es gab schon so einige geile Spiele. Besonders die Derbys gegen Saarbrücken. Das Hinspiel, bei dem es zum ersten Mal wieder zu einem vollen Stadion kam, war überragend. Aber auch das Rückspiel hier vor fast 50.000 Zuschauern war super. Wie wir das Ding in Unterzahl dann noch gezogen haben, bleibt ein unvergessener Moment. Wenn ich darüber rede, habe ich immer noch ein Gänsehaut-Feeling. „Ich fühle mich hier einfach pudelwohl“ Treffpunkt Betze: Deine 16 Scorerpunkte sind anderen Vereinen und Sportdirektoren sicherlich nicht verborgen geblieben. Trotzdem hast du deinen Vertrag in Lautern verlängert. Warum? Philipp Hercher: Ich fühle mich hier einfach pudelwohl und die Fans geben mir auch etwas zurück. Für mich als Spieler ist es immer wichtig, dass die Leistung honoriert wird. Natürlich gab es auch Zeiten hier in Kaiserslautern, da lief es weder für mich noch für den Verein sonderlich gut. Aber im Endeffekt weiß ich, was ich am FCK habe und der Verein weiß, was er an mir hat. Deswegen war der FCK immer mein erster Ansprechpartner, wenn es um meine Zukunft ging. Ich hätte auch den einfacheren Weg wählen und im Winter bei irgendeinem Zweitligisten unterschreiben können. Aber ich kam 2019 mit dem Ziel „Aufstieg“ aus Großaspach nach Lautern und deshalb will ich jetzt auch mit dem FCK in der zweiten Liga spielen. Ich freue mich darauf, die kommenden Jahre für Kaiserslautern und nicht irgendwo anders zu spielen. Ich will hier weiterhin etwas aufbauen, fühle mich hier wohl und von daher gab es da für mich keinen Grund den Verein zu verlassen. Treffpunkt Betze: Du trägst das Trikot der Roten Teufel nun seit drei Jahren, von Saison zu Saison steigert sich deine Leistung kontinuierlich. Siehst Du in der häufig praktizierten Dreier-/ bzw. Fünferkette inkl. deiner Schienenposition einen Hauptgrund für deinen deutlichen Leistungssprung in der letzten Saison? Philipp Hercher: Ja, es liegt zum Teil wohl auch daran, aber auch an der Tatsache, dass man sich hier in Kaiserslautern erst einmal etwas eingewöhnen muss. Man muss lernen, dass die Resonanz der Fans nach schlechten Spielen nicht immer so positiv ist, so wie in den letzten Wochen. Dennoch bin ich in meiner ersten Saison hier ganz gut reingekommen. Ich habe da zwar eher Linksverteidiger in der Viererkette gespielt, mich auf der Position aber trotzdem sehr wohl gefühlt. Zu Beginn der folgenden Saison lief es für mich persönlich dann nicht so gut, kam dann aber für Dominik Schad, der sich im Spiel gegen Ingolstadt leider so schwer verletzt hatte, wieder zurück in die Mannschaft. Ab dem Zeitpunkt sind meine Leistungen kontinuierlich besser geworden. Aber natürlich liegt mir die Dreierkette sehr gut und die Rolle des Schienenspielers macht mir extrem viel Spaß. So kann ich auch meine Offensivqualitäten einbringen und der Mannschaft weiterhelfen. Insgesamt kann man also schon sagen, dass mir die Systemumstellung etwas geholfen hat, ich bin aber auch offen für alles. Ich möchte der Mannschaft einfach mit meinen Stärken helfen. Ob das dann hinten oder vorne, links oder rechts ist, das muss immer der Trainer entscheiden. „Wir wussten, dass ganz Deutschland auf uns schaut“ Treffpunkt Betze: Wir kommen nicht umhin, wenigstens kurz auf das Ende der vergangenen Saison einzugehen, schließlich kam es binnen weniger Tage zu gleich mehreren großen Ereignissen. Da war zunächst die überraschende Entlassung von Marco Antwerpen und Frank Döpper, die für reichlich Unruhe und Aufsehen gesorgt hatte. Wie hast du persönlich diese Phase nach den drei Niederlagen und der Entlassung erlebt? Hattest du Bedenken, dass es mit dem Aufstieg aus genau diesem Grund nicht klappen könnte? Philipp Hercher: Für uns kam das zunächst auch sehr überraschend. Wir mussten das als Mannschaft erstmal so zwei, drei Tage verarbeiten. Wir hatten mit Marco Antwerpen und Frank Döpper ja auch sehr, sehr gute Zeiten. Die beiden hatten uns ein Jahr zuvor vor dem Abstieg bewahrt und dann haben wir es gemeinsam geschafft, auf dem dritten Platz zu landen. Wir haben in der Mannschaft viele Gespräche untereinander geführt und uns bewusst gemacht, dass wir immer noch in einer komfortablen Situation sind. Den zweiten Platz haben wir, so ehrlich muss man sein, am Ende verspielt. Natürlich ist man sich darüber im Klaren, dass man den direkten Aufstieg aus der Hand gegeben hat, aber trotzdem waren wir immer noch Dritter mit einer Riesenchance, den Aufstieg noch zu packen. Wir wussten, dass in diesen beiden Spielen ganz Deutschland auf uns schaut und wollten jetzt einfach die Relegation gegen Dynamo