René Klingenburg: „Der FCK ist wie ein Virus, wie eine Sucht“

René Klingenburg bei seiner persönlichen Verabschiedung vom Betze (Foto: Andreas Leiner)

René Klingenburg spielt nicht mehr für den FCK. Nach seinem persönlichen Abschied haben wir den Mittelfeldspieler zu einem abschließenden Interview eingeladen. René Klingenburg schien nach einer turbulent verlaufenden Karriere beim 1. FC Kaiserslautern endlich bei seinem Traumverein angekommen zu sein. Von seinem Förderer Marco Antwerpen in die Pfalz gelockt, startete der Mittelfeldspieler bei den Roten Teufel richtig durch und wurde zum festen Bestandteil der Aufstiegsmannschaft. Als Führungsspieler wurde er verpflichtet und als Leader war er einer derjenigen, die stets vorangingen. Mit der Freistellung von Marco Antwerpen geriet aber auch der Lauf des mittlerweile 29-Jährigen ins Stocken. Vom flexiblen Alleskönner, der vom Innenverteidiger bis zur Sturmspitze nichts ausließ, wurde er zum Pendler zwischen Ersatzbank und Tribüne. Für Treffpunkt Betze nahm sich Klinge die Zeit, um über seinen vorzeitigen Abschied aus der Pfalz, die sportliche Nicht-Berücksichtigung durch Dirk Schuster und seine Eindrücke vom FCK zu sprechen. „Ich kann Kaiserslautern mit erhobenem Haupt verlassen“ Treffpunkt Betze: René, längst nicht alle Spieler, die den Betzenberg verlassen, werden persönlich verabschiedet. Wie hast du die Minuten vor dem Heimspiel gegen Sandhausen vor der Westkurve erlebt? René Klingenburg: Grundsätzlich war das natürlich eine tolle Sache, dass ich mich von den Fans noch einmal verabschieden durfte. Im Vorfeld hatte ich allerdings ein etwas komisches Gefühl bei dem Gedanken daran. Schließlich habe ich ja nur ein Jahr wirklich hier gespielt, in der Zeit habe ich aber alles für den Verein gegeben. Thomas Hengen und Enis Hajri konnten sich gut in meine Lage hineinversetzen und legten mir nahe, diesen Abschied in der Form mitzunehmen. Im Nachgang betrachtet bin ich froh, es letztlich auch getan zu haben. Wir haben uns hier in Kaiserslautern sehr wohl gefühlt. Meine Tochter wurde hier geboren, für meinen Sohn ist es die Heimat, wir haben direkt neben dem Fritz-Walter-Stadion gewohnt. Ich habe den FCK als meinen Verein betrachtet, bei dem ich gern sechs, sieben Jahre geblieben wäre, um meine Spuren zu hinterlassen. Zudem hatte ich zu den Fans immer ein tolles Verhältnis, weshalb der Moment, in dem ich mich vor der Westkurve verabschiedete und ich mich noch einmal bei den Anhängern bedanken konnte, sehr emotional für mich war. Treffpunkt Betze: Wie wichtig war es dir, auch nach den letzten Monaten, Kaiserslautern auf diese Weise zu verlassen? Und mit welchem bleibenden Gefühl verlässt du den FCK letztlich? René Klingenburg: Es ist ja noch nicht lange her, da hätte der FCK, bei allem Respekt, fast in Pirmasens gespielt. Ich bin hierhergekommen, um mit dem Verein aufzusteigen. Ich wusste von meinen Stationen vorher, wie man dritte Liga spielt und wie man Erfolg hat. Ich glaube, ich kann Kaiserslautern mit erhobenem Haupt verlassen. Ich bin sehr stolz auf das, was wir hier erreicht haben und dass ich meinen Teil zu dem Erfolg beitragen konnte. Gleichzeitig bin ich aber auch traurig, nun von hier wegzugehen, weil ich gern länger in Kaiserslautern geblieben wäre. Treffpunkt Betze: Du hast mehrfach von deiner besonderen Beziehung zur Stadt und den Menschen gesprochen. Was war hier anders als beispielsweise bei deinen vorherigen Stationen? René Klingenburg: Ich bin ja eigentlich ein Schalker Junge. Wenn ich die Menschen hier mit denen im Pott vergleiche, ist das ein sehr ähnlicher Menschenschlag. Was ich in Kaiserslautern immer gut fand, es wurde die Leistung auf dem Platz beurteilt. Nicht, ob du vielleicht auch mal einen Pfeil im Kopf hast und ein bisschen verrückt bist. Ich musste mich hier nie verstellen, was ich übrigens auch nie tun würde. Ich konnte immer ehrlich sein, immer authentisch bleiben und immer so sein, wie ich einfach bin. Du musst hier alles für den Verein raushauen und dann wirst du akzeptiert. Kaiserslautern hat dieses Flair, dass der FCK über allem steht. Allein schon deshalb, weil das Stadion auch über der Stadt thront und du es von überall siehst. Ich habe hier unheimlich gern gespielt. „Wir waren alle komplett sprachlos“ Treffpunkt Betze: Trotz der sportlichen Nicht-Berücksichtigung bist du beim FCK geblieben. Kann man sagen, dass der Einbruch in euer Haus, der sich während eures Besuchs des Heimspiels gegen Fürth ereignet hat, das Fass zum Überlaufen gebracht hat und du dich deswegen entschieden hast, deinen Vertrag aufzulösen? René Klingenburg: Meine Frau und ich stehen immer ganz eng zusammen. Wenn man gefestigt ist und mit beiden Beinen im Leben steht, hält man alles aus. Aber das war ein sehr einschneidendes Erlebnis für uns, das einen Neuanfang zwingend notwendig gemacht hat. Es ist unbeschreiblich, wie es in unserem Haus ausgesehen hat. Die Typen, die das zu verantworten haben, sind kurz bevor wir nach Hause kamen, erst raus aus dem Haus. Terrence Boyd war mit seiner Frau bei uns, wir waren alle komplett sprachlos. Es ist nicht nur der finanzielle Schaden, der dich trifft. Eine solche Geschichte macht etwas mit dir und plötzlich siehst du viele Dinge anders. Für meine Frau wäre es ein Albtraum, in diesem Haus zu bleiben. Stell dir mal vor, ich wäre bei einem Auswärtsspiel oder im Trainingslager mit dem Wissen, dass meine Frau und meine Kinder allein in dem Haus sind, von dem irgendwelche Typen vielleicht denken, da könnten wir nochmal einsteigen und noch mehr holen. Ich hätte keine ruhige Minute mehr. Aber es gibt nun mal leider einen gewissen Prozentsatz an Menschen, die irgendwie komplett am Leben vorbeigehen. Treffpunkt Betze: Durch deine Vertragsauflösung fehlt dir nun natürlich die Möglichkeit, am Mannschaftstraining teilzunehmen. Als vertragsloser Spieler, der sich im Sommer gern wieder einem Verein anschließen würde, ist dein körperlicher Zustand aber vermutlich auch ein Stück weit dein Kapital. Wie hältst du dich aktuell fit? René Klingenburg: Aus dem Mannschaftstraining war ich ja eigentlich schon seit der Winterpause raus. Ich trainiere individuell und zusätzlich arbeite ich auch mit einem Personalcoach auf dem Platz. Grundsätzlich ist es aber so, dass ein Berufsfußballspieler eine gute Zeit ohne Mannschaftstraining klarkommt. Wenn ich im Sommer irgendwo einsteige, beginnt eine lange Vorbereitungsphase, in der ich ganz schnell wieder an mein Topniveau herankommen werde. Bis dahin werde ich das Fußballspielen schon nicht verlernen. Da mache ich mir keine Sorgen. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? 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