Die Wiederauferstehung der Roten Teufel

Am 24. Mai 2022 versetzten Daniel Hanslik und Philipp Hercher die rot-weiße Fußballwelt in pure Ekstase. Ein geschichtsträchtiger und unvergesslicher Abend. Wir blicken noch einmal zurück. Ganz Fußballdeutschland freute sich auf dieses traditionsreiche Duell. Nachdem der Hamburger SV vor heimischer Kulisse im Relegations-Rückspiel Hertha BSC unterlag, stand nur einen Tag später das letzte Spiel der Saison 2021/22 an. Nach einem packenden, aber ereignislosen 0:0 Unentschieden im Hinspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und der SG Dynamo Dresden mussten die Männer in Rot im Rückspiel unter Beweis stellen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ein irres Jahr mit einem traurigen Abgang Doch das der FCK überhaupt ein Wörtchen im Aufstiegsrennen mitzureden hatte, war nach dem Saisonstart alles andere als selbstverständlich. Nach dem Last-Minute Klassenerhalt im Jahr zuvor durften Marco Antwerpen und Frank Döpper die Mannschaft in die neue Spielzeit 2021/2022 führen. Doch bereits nach sieben Spieltagen befand sich das Team wieder im Tabellenkeller – mit der Konsequenz, dass die ersten bereits am Trainerstuhl sägten. Erst der gefühlte 0:0 Sieg in doppelter Unterzahl gegen den SV Waldhof Mannheim leitete die Kehrtwende und die unvorstellbare Aufholjagd ein. Doch die Fassade der scheinbar heilen FCK-Welt begann kurz vor Saisonende zu bröckeln. Die Pfälzer verloren die letzten drei Partien, verspielten Rang zwei und Ante musste seine Koffer packen. Den Aufstieg über die Relegation sollte nun Trainer-Routinier Dirk Schuster schaffen, doch ihm und seinem Team blieb nicht viel Zeit. Showdown in Dresden – Erinnerungen an 2013 Dabei war den Lautrern der umstrittene Relegationsmodus bestens bekannt. Im Jahr 2013 unterlagen die Roten Teufel als Zweitligist in beiden Spielen gegen die schon damals prominent besetzte TSG Hoffenheim und verpassten somit den Aufstieg in die Bundesliga. Nach dem unspektakulären 0:0 Unentschieden im Hinspiel hieß es nur vier Tage später: Do or die. Aufstieg oder ein weiteres Jahr dritte Liga. FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf sprach von einer unzumutbaren körperlichen Anspannung im Vorfeld des wohl wichtigsten Spiels seit vielen Jahren. Jedem war klar, was für den Verein und die ganze Region auf dem Spiel stand. Würde man den Aufstieg verspielen, wäre vor allem der von Geschäftsführer Sport Thomas Hengen eingeleitete Trainerwechsel in die Kritik geraten – und auch Dirk Schuster hätte nach nur zwei Spielen seinen Kredit verloren. Apropos Dirk Schuster: Eines hatte der Trainerfuchs seinem Kollegen Guerino Capretti voraus, nämlich Erfahrung im Aufstiegskampf. Um die Geschlossenheit innerhalb der Mannschaft zu stärken, bekam jeder Spieler ein Armbändchen, versehen mit einem Inuit und den Initialen eines Teamkollegen. Ein Trick, den Schuster bereits erfolgreich beim SV Darmstadt anwandte. Schlechtes Omen: Drei ehemalige Lautrer auf Seiten der Hausherren Im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion pushten die rund 3000 mitgereisten FCK-Fans mit einer wunderschönen Choreographie ihre Mannschaft ans Limit, im heimischen Fritz-Walter-Stadion fieberten rund 8000 Fans vor zwei großen Videowänden auf der Nordtribüne mit. Die Roten Teufel starteten in einem 4-2-3-1 mit Mike Wunderlich als kreativen Spielmacher und Terrence Boyd als Sturmtank in der Spitze. Die Dresdner agierten mit Chris Löwe, Brandon Borrello und nach einer halben Stunde auch mit Oliver Batista Meier. Drei Spieler, die ihrem ehemaligen Arbeitgeber nur zu gerne in die Suppe spucken wollten. Schnell übertrug sich die großartige Stimmung von den Rängen auf beide Teams, von einem vorsichtigen Abtasten war von Beginn an nichts zu erkennen. Beide Mannschaften marschierten mutig nach vorne, am Ende von Halbzeit eins hatte Dynamo ein leichtes Chancenplus. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Hanslik trifft und plötzlich lebt der Traum vom Aufstieg Die zweite Hälfte begann vergleichsweise harmlos und es dauerte rund zwanzig Minuten bis zur ersten Chance. Nach einem Eckball von der rechten Seite setzte sich Hüne Terrence Boyd im Duell gegen Sollbauer durch und köpfte aufs rechte Eck, doch SGD-Keeper Kevin Broll verhinderte mit einer Glanztat den Einschlag. Doch nur wenige Augenblicke später rollte der FCK-Express erneut in Richtung des gegnerischen Tores. Marlon Ritter schlug einen gekonnten Außenrisspass auf Mike Wunderlich, der mit all seiner Erfahrung Gegenspieler Sollbauer mit einem Kurzpass auf Daniel Hanslik täuschte. Hanslik konnte sich den Ball dadurch unbedrängt zurechtlegen und abziehen. Kevin Broll touchierte den Ball zwar noch mit seiner rechten Hand, konnte den Führungstreffer aber nicht mehr verhindern. Im Gästeblock und in der kompletten Pfalz gab es kein Halten mehr. Dynamo Dresden wurde plötzlich Gast im eigenen Stadion. Aus Sicht des FCK sollte sich die verbleibende Spielzeit jedoch wie eine Ewigkeit anfühlen. Dresden haut nochmal alles rein Mit der Unterstützung ihrer schwarz-gelben Wand legten die Hausherren nochmal mehrere Gänge zu und kamen dem Ausgleich verdächtig nahe. Doch dem Druck der Dresdner zum Trotz brachten die Roten Teufel irgendwo einen Fuß dazwischen oder Matheo Raab, der stark parierende Schlussmann war zur Stelle. Freistöße und Eckbälle segelten kreuz und quer durch den Lautrer Strafraum – jedoch ohne Erfolg, der durchaus verdient gewesen wäre. Die schwächste Offensive der zweiten Bundesliga biss sich die Zähne an der besten Defensive der dritten Liga aus. In der 80. Minute versiebte erst der freistehende Boyd die Vorentscheidung auf klägliche Art und Weise, ehe Matheo Raab mit der wohl bisher wichtigsten und besten Parade seiner Karriere einen Schuss von Dresdens Vlachodimos abwehrte. Die Entscheidung „Stehle auf Hercheeeeeeeeer. 2:0. Die Entscheidung“, tönte es Minuten später aus dem TV-Gerät. Ein genial ausgespielter Angriff gegen inzwischen müde Hausherren sorgte für die Entscheidung kurz vor Abpfiff der Partie. Da war allen klar: DER FCK IST WIEDER DA! Doch während die Roten Teufel noch jubelten, flogen Raketen und Bengalos aus dem gelben Fanblock auf den Rasen. Schiedsrichter Daniel Siebert blieb nichts anderes übrig, als die längst entschiedene Partie zu unterbrechen. Währenddessen stürmten in Kaiserslautern euphorisierte Fans den Platz des Fritz-Walter-Stadions, teilweise sogar nur in Unterwäsche. Als dann Minuten später doch noch der Schlusspfiff ertönte, war die Rückkehr des 1. FC Kaiserslautern in die zweite Bundesliga perfekt. Spieler und Verantwortliche lagen sich in den Armen, Kapitän Jean Zimmer schwenkte eine riesige Fahne mit dem Schriftzug Hasemann unvergessen – in Erinnerung an den verstorbenen Vorsänger der Westkurve. Die über Jahre vorherrschende Lücke zwischen Mannschaft und Fans war mit diesem historischen Tag endgültig geschlossen worden. Quelle: Treffpunkt Betze
Gelingt dem FCK ein versöhnlicher Saisonabschluss?

Vor ausverkauftem Haus hofft der FCK auf einen anständigen Saisonabschluss und wittert die Chance auf Platz sieben. Der Gegner heißt diesmal Fortuna Düsseldorf. Nach der 0:2-Derbyniederlage in Karlsruhe scheint die Stimmung beim 1. FC Kaiserslautern etwas gedämpft. Obwohl die Mannschaft die mit Abstand beste spielerische Leistung der vergangenen Wochen zeigte, verpassten es die Pfälzer mehrmals, den Führungstreffer zu erzielen. Die Mannschaft wurde für ihre mangelnde Effizienz bestraft und stand sich am Ende selbst im Weg. So zog der KSC nicht nur nach Punkten gleich, sondern aufgrund der besseren Tordifferenz sogar an Lautern vorbei. Diesen Platz können die Roten Teufel nun im letzten Spiel der Saison zurückerobern. Fortuna Düsseldorf: Auch im dritten Anlauf bleibt der Aufstieg verwehrt Die Fortuna zählt unbestritten zu den Topteams dieser Liga. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 2020 gelang den Düsseldorfern auch im dritten Anlauf nicht die Rückkehr in die erste Liga. Mit dem 3:3 in Hannover sind auch die theoretischen Chancen auf den Relegationsplatz endgültig verspielt. Sportlich geht es für beide Vereine also um nichts mehr, dennoch ist ein positiver Saisonabschluss für beide von großer Bedeutung. Hinzu kommt, dass eine bessere Platzierung in der Abschlusstabelle auch zu höheren TV-Einnahmen führt. Qualitativ ist der Düsseldorfer Kader eine echte Hausnummer. Laut transfermarkt.de ist es sogar der zweitwertvollste Kader der 2. Bundesliga. Dass diese Werte aber nicht unbedingt aussagekräftig sind, beweist der FCK. Die Roten Teufel belegen in dieser Kategorie nämlich den letzten Platz. Unter Trainer Daniel Thioune wird bei der Fortuna viel Wert auf einen spielerischen Ansatz gelegt. Das unterstreichen auch die Statistiken, denn mit einem Ballbesitzanteil von 52,7 Prozent und einer Passquote von 83,4 Prozent weisen die Düsseldorfer überdurchschnittliche Werte auf. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Mit 54 geschossenen Toren stellen sie zudem die viertbeste Offensive der Liga, in der vor allem David Kownacki eine wichtige Rolle spielt. Der 26-Jährige ist mit 12 Treffern der unangefochtene Top-Torjäger der Gäste. Seinen auslaufenden Vertrag in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wird er allerdings nicht verlängern. Kownacki wechselt in die Bundesliga zum SV Werder Bremen. Die Fortuna ist auch dank ihm enorm effizient und hat viele Punkte gesammelt. Vor allem wenn sie in Führung gehen, sind sie nur schwer zu bezwingen. So verlor die Fortuna erst ein einziges Spiel nach eigener Führung. Interessant auch: Die Düsseldorfer bekamen mit neun Elfmetern die meisten Strafstöße zugesprochen – sechs davon landeten im Tor. Daniel Thioune muss auf dem Betzenberg neben dem gelbgesperrten Abwehrchef Andre Hoffmann auch auf die verletzten Jorrit Hendirx (Unterarmbruch) und Ao Tanaka (Innenbandriss) verzichten. Hält Schuster an der Systemumstellung fest? In Karlsruhe agierten die Roten Teufel in einem 3-4-1-2-System. Eine Umstellung, die durchaus überraschte, sich aber als voller Erfolg erwies. Lautern zeigte sich vor allem spielerisch verbessert und hatte das Geschehen über weite Strecken im Griff. Schuster setzte zudem etwas überraschend auf vier frische Spieler. Für Bormuth, Zuck, Opoku und Hercher kamen Bünning, Durm, Hanslik und Lobinger in die Partie. Vor allem Bünning und Durm konnten auf sich aufmerksam machen und sich für weitere Einsätze in der Startelf empfehlen. Robin Bormuth (muskuläre Probleme), Kevin Kraus (Sprunggelenksverletzung) und Marlon Ritter (Muskelfaserriss) mussten in Karlsruhe verletzungsbedingt passen. Ob die drei genannten beim Saisonfinale dabei sein werden, ist fraglich. Alles für den siebten Platz Sollte der FCK am Ende der Saison auf dem siebten Platz landen, würde dies die schlechte Rückrunde zwar ein wenig kaschieren, wäre aber gleichzeitig auch der krönende Abschluss einer insgesamt mehr als zufriedenstellenden Saison. Ein Endergebnis, mit dem vor der Saison niemand gerechnet hätte. Doch selbst im schlimmsten Fall wäre durch das direkte Aufeinandertreffen von Hannover 96 und Holstein Kiel ein zweistelliger Tabellenplatz nicht mehr möglich. Im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion sollen noch einmal alle Kräfte gebündelt werden, um die Saison mit einem positiven Ergebnis abzuschließen und entspannt in die Sommerpause zu gehen. Für alle Daheimgebliebenen gibt es das Spiel wie gewohnt auf Sky oder bei OneFootball im Einzelstream. Quelle: Treffpunkt Betze