FCK-Kapitän Jean Zimmer: „Ich bin hier zuhause”

Jean Zimmer im Gespräch mit Treffpunkt Betze über den Umgang mit seiner Darm-Erkrankung, die turbulenten letzten Wochen und ein mögliches Karriereende beim FCK. Kaum ein Spieler verkörpert den FCK so sehr wie der gebürtige Bad-Dürkheimer, der schon als Kind bekennender Fan der Roten Teufel war. Seit seiner Rückkehr im Jahr 2021 führt das einstige Eigengewächs den 1. FC Kaiserslautern als Kapitän aufs Feld. Nach der öffentlichen Trainingseinheit am Mittwoch nahm sich der FCK-Kapitän Zeit für ein Interview. „Ein langer und anstrengender Weg“ Treffpunkt Betze: Hallo Jean. Wie steht es heute um deine Gesundheit? Beeinträchtigt dich deine Darm-Erkrankung noch auf irgendeine Art und Weise in deinem Leistungsvermögen? Jean Zimmer: Es gibt auf jeden Fall bessere und schlechtere Tage. Aber grundsätzlich habe ich alles wieder so im Griff, dass ich jeden Tag meine volle Leistung auf den Platz bringen kann. Es war ein langer und anstrengender Weg bis dahin, aber der ist jetzt vollbracht und darüber bin ich natürlich sehr froh. Treffpunkt Betze: Ihr habt ein paar wirklich wilde Tage hinter euch: Rund 139.000 verkaufte Tickets für die Heimspiele gegen Hamburg, Köln und Fürth – dazu noch das verrückte Spiel in Düsseldorf. Hast du all die Eindrücke sortieren und verarbeiten können? Oder ist der Fußball inzwischen so schnelllebig, dass dafür gar keine Zeit bleibt? Jean Zimmer: Ja, grundsätzlich blieb jetzt wenig Zeit, um alles verarbeiten zu können. Aber ich glaube, wenn man alle zwei Wochen hier auf dem Betze ein Heimspiel hat, dann sind die Eindrücke so groß, dass die angesprochene Woche natürlich durch die drei Heimspiele etwas Besonderes war, aber im Großen und Ganzen genießt man das mit fast 30 so, dass man das gar nicht groß verarbeiten muss. Treffpunkt Betze: Dass eine Mannschaft trotz einer 3:0-Führung auch mal 4:3 verlieren darf, steht außer Frage. Doch was ging dir durch den Kopf, als der HSV nur eine Woche später den 3:3-Ausgleich erzielte? Jean Zimmer: Nichts, das ist Fußball. Am Ende stand es zwar 3:3, aber wenn wir in der Schlussphase unsere Chancen nutzen und das vierte Tor machen, dann gewinnen wir hier zuhause gegen den HSV mit 4:3 und keiner fragt mehr danach. „Hoffen, dass es demnächst besser wird“ Treffpunkt Betze: Nach den drei Highlight-Spielen folgte eine Niederlage gegen Fürth. Von außen betrachtet wirkte die Mannschaft mental und körperlich müde. Würdest du diesem Eindruck zustimmen? Oder war Fürth an diesem Tag einfach die bessere und clevere Mannschaft? Jean Zimmer: Klar hatten wir alle eine sehr anstrengende Woche, aber wir hatten vor dem Spiel gegen Fürth einen Tag mehr Pause als zwischen Hamburg und Köln und gegen Köln konnten wir unsere Leistung auch auf den Platz bringen. Es sollte an dem Tag einfach nicht sein und dann kamen noch zwei, drei Kleinigkeiten dazu, unter anderem die Standardtore, die das Spiel entschieden haben. Und dann verliert man das Spiel. Das ist immerhin die zweite Liga und Fürth wird mir ein bisschen zu klein geredet. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Treffpunkt Betze: Du selbst bist, je nach System, Teil der vier bis fünf-köpfigen Verteidigungsreihe. 23 Gegentore in 12 Saisonspielen dürften euch nicht zufrieden stellen. Worin siehst du die Gründe für diese „Gegentorflut“, wie Dirk Schuster sie bezeichnete? Jean Zimmer: Grundsätzlich bin ich ein Teil der letzten Reihe, aber wir stehen zu elft auf dem Platz. Das heißt, wir verteidigen zu elft und greifen auch als Kollektiv an. Es ist ja nicht so, dass nur unsere Stürmer Tore schießen, sondern auch der Rest darf gerne mal ran. Wir arbeiten an unserer Defensivarbeit – das sind aktuell Kleinigkeiten, die in der 2. Bundesliga eben bestraft werden. Das, was uns in der 3. Liga stark gemacht hat, kriegen wir zurzeit nicht so auf den Platz, so dass wir zu Null spielen. Das ist uns bewusst, daran arbeiten wir und hoffen, dass es demnächst besser wird. „Okay bis gut, aber es kann noch besser werden” Treffpunkt Betze: Und wenn du auf deine eigene Leistungsentwicklung schaust: Wie zufrieden bist du mit deinen Auftritten in dieser Saison? Jean Zimmer: Ich habe in fast allen Spielen auf dem Platz gestanden, auch fast immer über die volle Distanz. Es hat mir natürlich auch sehr gut getan, dass ich die Vorbereitung voll mitmachen konnte. Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann. Ich glaube, wenn man sich auf irgendetwas ausruht oder zu 100 Prozent zufrieden ist, ist das nicht gerade vorteilhaft. Von daher bewerte ich meine eigene Leistung mit ‚okay bis gut‘, aber es kann noch besser werden. Treffpunkt Betze: Du wirst in wenigen Wochen 30 Jahre alt. Wenn Du dich beruflich noch einmal verändern wollen würdest, müsstest du dich allmählich mit diesen Gedanken beschäftigen. Kommt ein Vereinswechsel für dich “auf die alten Tage” in Frage oder möchtest du dein Karriereende beim FCK erleben? Jean Zimmer: Gut, ich werde 30, also alt ist fast schon eine Beleidigung (grinst). Aber darüber habe ich mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. Ich bin hier sehr zufrieden, ich bin hier zuhause und habe meine Familie um mich herum. Je nachdem, wie der Verein sich das vorstellt, wird man dann sehen, ob man sich zusammensetzt und den Vertrag verlängert oder ob es woanders weitergeht. So weit bin ich aber noch nicht, nicht mitten in der Saison. Quelle: Treffpunkt Betze

Personalprobleme vor Wiesbaden: “Außergewöhnliche Situation”

In Wiesbaden wird der FCK von mindestens 3.500 Fans begleitet. Sorgen bereiten dem Trainerteam mehrere personelle Ausfälle. Ein Systemumstellung scheint daher wahrscheinlich. Am Sonntag (13:30 Uhr) kommt es zum Duell der punktgleichen Tabellennachbarn SV Wehen Wiesbaden und 1. FC Kaiserslautern. Betrachtet man die Bilanz der jüngeren Vergangenheit (1 Sieg, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen), so trifft der FCK in der BRIT-Arena auf eine Mannschaft, die den Roten Teufeln seit Jahren nicht liegt. Manch einer spricht sogar von einem “Angstgegner”. Hinzu kommt, dass der SVWW nach zuletzt drei Siegen in Folge mit viel Selbstvertrauen auftreten wird. Keine leichte Aufgabe für die personell geschwächten Pfälzer. Entsprechend erwartet der Lautrer Cheftrainer auch ein “intensives und hart umkämpftes Spiel, bei dem sich beide Mannschaften nichts schenken werden“. Wiesbaden wird den großen FCK ärgern wollen Dirk Schuster und seinen Roten Teufel treffen am Sonntag auf eine Mannschaft, die “extrem formstark” ist, dazu aber auch “sehr körperbetont und mit körperlicher Wucht, brutalst kopfballstark, mit Zweikampfhärte und viel Zug zum Tor” auftritt. Das Umschaltspiel der Hausherren bezeichnet der Cheftrainer als “Paradebeispiel“, hinzu kommt ein äußerst “diszipliniertes Defensivverhalten mit sehr engen Räumen, bei dem zuletzt sogar Leipzig im Pokal” Schwierigkeiten hatte, sich Chancen zu erspielen. “Sie werden uns alles abverlangen“, so Schuster im Rahmen der Spieltagspressekonferenz. Und natürlich wird Wehen Wiesbaden auch ein großes Interesse daran haben, den regionalen Nachbarn und aus der Historie heraus betrachtet “großen FCK” zu ärgern. Dem zu begegnen, wird keine einfache Aufgabe. Schuster verlangt von seiner Mannschaft, besonders im Defensivverbund und anders als zuletzt “hochkonzentrierter, frischer und geistig mehr auf Sendung” zu sein, und zwar “von der ersten bis zur letzten Minute“. Dabei ginge es vor allem darum, die Anzahl der individuellen Fehler abzustellen, die auch gegen Fürth zu beiden Gegentreffern führten. Verbesserungsbedarf sieht der 56-Jährige zudem im Spielaufbau und der Passqualität. Kraus’ Einsatz steht auf der Kippe Definitiv pausieren muss Innenverteidiger Boris Tomiak nach seiner Roten Karte im Spiel gegen Fürth. Fraglich ist zudem der Einsatz von Kevin Kraus. Der Innenverteidiger zog sich gegen Fürth nach einem Zusammenprall mit dem gegnerischen Torhüter eine leichte Gehirnerschütterung zu. “Kevin hatte drei Tage Ruhe verordnet bekommen. Wir hoffen, dass er grünes Licht gibt“. Die Entscheidung obliegt jedoch dem Spieler selbst und hängt davon ab, ob er sich einen Einsatz zutraut. Sollte Kraus ausfallen, wird eine Systemumstellung auf die 4er-Kette unumänglich sein. “Die Entscheidung dazu fällt am Samstag“, so Schuster. Zudem fällt Flügelspieler Aaron Opoku aus, der mit einer Reizung der Patellasehne zu kämpfen hat. Am Freitag soll entschieden werden, ob die Behandlung operativ oder konservativ erfolgen wird. Eine Bänderverletzung liegt jedoch definitiv nicht vor. Philipp Hercher, der zuletzt nicht mal mehr im Kader stand und nach Verletzungen auch “glücklos” wirkte, attestierte Schuster ein “ordentliches Trainingspensum, bei dem Hecke auch befreiter wirkte”. Ein Kaderplatz erscheint daher auch sehr wahrscheinlich. Quelle: Treffpunkt Betze