Offiziell: Terrence Boyd verlässt den FCK

Foto: Andreas Leiner

Was sich seit Tagen angebahnt hat, ist nun offiziell: Stürmer Terrence Boyd verlässt die Roten Teufel nach zwei Jahren und schließt sich dem Erzrivalen Waldhof Mannheim an. Terrence Boyd hatte bereits am vergangenen Freitag das FCK-Trainingslager im türkischen Belek verlassen, um Verhandlungen über einen zeitnahen Wechsel zu führen. Nach tagelangen Gerüchten in den sozialen Medien hat der 1. FC Kaiserslautern am heutigen Mittwochabend Vollzug gemeldet. Boyd verlässt den FCK mit sofortiger Wirkung und schließt sich dem Drittligisten und Erzrivalen SV Waldhof Mannheim an. Danke für zwei wundervolle Jahre Der 32-Jährige ließ es sich nur wenige Minuten nach der offziellen Verkündung nicht nehmen, sich persönlich von den FCK-Fans zu verabschieden: “Vielen Dank für 2 wundervolle Jahre @Rote_Teufel. Was wir gemeinsam geschafft haben wird für immer in Erinnerung bleiben! Abschiede sind nie einfach… doch muss man das Geschäft an sich akzeptieren. So eine Entscheidung trifft man nicht leichtfertig und wenn man nicht drin steckt, kann man es nur schwer begreifen. Das verstehe ich. Als Familienvater ist es aber meine oberste Priorität meine Kinder aufwachsen zu sehen und sie nicht immer wieder aus ihrem Umfeld zu reißen. Aus diesen und weiteren Gründen hab ich die Entscheidung getroffen, in der Region zu bleiben.” Ein schmerzhafter Abgang eines Aufstiegshelden Terrence Boyd schlug bei den Roten Teufeln von Anfang an ein. In insgesamt 67 Einsätzen erzielte der gebürtige Bremer 25 Tore und bereitete fünf weitere vor. Boyd galt lange Zeit als Lebensversicherung auf und neben dem Platz. In der vergangenen Sommerpause warf ihn zunächst eine Knieverletzung zurück und spätestens mit dem Transfer von Ragnar Ache musste sich Boyd mit der für ihn ungewohnten Reservistenrolle begnügen. Zudem verpflichtete Thomas Hengen mit Filip Stojilkovic, Dickson Abiama und Ba-Muaka Simakala drei weitere Offensivspieler. Boyds Einsatzchancen wurden dadurch immer geringer. Quelle: Treffpunkt Betze

Thomas Hengen Masterclass

Foto: Imago / Werner Schmitt

Seit März ’21 leitet Thomas Hengen die Geschicke des FCK. Seine aktuelle Transferpolitik scheint riskant. Wir blicken zurück auf drei Jahre seiner Transferentscheidungen. Der Wirbel um den Transfer von Terrence Boyd ist nicht der erste “Skandal“, für den Thomas Hengen auf dem Betzenberg sorgt. Denn mit der Entlassung von Publikumsliebling Marco Antwerpen kurz vor der Relegation traf er damals schon eine sehr unpopuläre Entscheidung. Nun folgt mit dem Verkauf von Terrence Boyd, der sich sehr schnell zu einer Identifikationsfigur entwickelte, eine zweite, die viele Fans nicht nachvollziehen können. Geht er? Bleibt er? Will er wirklich nur zu Waldhof Mannheim? Noch hängt alles in der Schwebe. Doch bislang hatte Thomas Hengen mit seinen Transfer-Entscheidungen doch immer ein goldenes Händchen bewiesen, oder? Schauen wir also mal, was sich seit dem 01. März 2021 auf dem Betzenberg getan hat. Willkommen zur Don Hengen Masterclass! Raus aus der Dritten Liga Im Sommer 2021 war der 1. FC Kaiserslautern dem Absturz in den Amateurbereich so knapp entgangen wie nie zuvor. Die Insolvenz und die Amtszeit von Jeff Saibene hätten fast alles gekostet. Doch Marco Antwerpen und die drei Leihgeschäfte mit Felix Götze, Marvin Senger und Jean Zimmer retteten den FCK vor dem Abstieg in die Regionalliga. Umso wichtiger war es, diese Leistungsträger in der folgenden Saison zu halten, die schließlich mit dem Aufstieg der Roten Teufel in die Zweite Liga endete. Marvin Senger und Felix Götze konnten von Hengen für eine weitere Saison ausgeliehen werden. Und mit Fortuna Düsseldorf einigte sich der 1. FC Kaiserslautern sogar auf einen vollständigen Wechsel. Ein Ruck ging durch Mannschaft und Fans, auch wenn keiner der drei am Ende unumstrittener Stammspieler war. Marvin Senger schaffte es nur selten in den Kader, während Götze und Zimmer, von Verletzungen gebeutelt, zusammen nur auf 39 von 76 möglichen Einsätzen kamen. Jung und gut Im gleichen Transferfenster wurden unter anderem Boris Tomiak und Julian Nihues verpflichtet. Beide kamen ablösefrei von den zweiten Mannschaften von Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach. Low Risk – High Reward. Beide zeigten fantastische Leistungen, steigerten ihren Marktwert und blieben in der zweiten Liga. Tomiak verlängerte im Winter ’22 sogar seinen Vertrag zusammen mit anderen Leistungsträgern wie Kevin Kraus und Marlon Ritter. Hengen ist es gelungen, einen Kern zu formen, der länger als eine Saison zusammenbleibt. Etwas, das Anhänger des 1. FC Kaiserslautern seit über einem Jahrzehnt vermisst haben. Angriff ist die beste Verteidigung Nach einem schwierigen Saisonstart befand sich der FCK im Winter 2021/22 im Aufstiegsmodus. Dem ebenfalls zu Saisonbeginn verpflichteten Daniel Hanslik traute Hengen allerdings nicht zu, den Sturm alleine zu führen. Hanslik wurde in der Hinrunde häufig von Rene Klingenburg und Muhammed Kiprit unterstützt, doch Hengen wollte mehr: einen Stoßstürmer, einen Leader, kurz: einen wie Terrence Boyd. 250.000 Euro gingen nach Halle und Terrence Boyd in die Pfalz. Ein Wagnis, das sich am Ende auszahlen sollte, denn Boyd schoss den FCK nicht nur in dieser Saison ins Unterhaus, sondern hielt den Verein ein Jahr später mit 13 Toren in der zweiten Liga. Wie das Kapitel um Boyd beim FCK enden wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Doch Hengens mutiger Transfer erwies sich als Glücksgriff. Viele Tore, ein Betze-Tattoo und ein Mettbrötchen machten Boyd in der Pfalz zur Legende. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn er für Mannheim auf Torejagd geht. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Die T-Frage Als Matheo Raab nicht zu halten war, wunderten sich zunächst viele, warum man erst Julian Krahl und dann Andreas Luthe verpflichtete, nur um Luthe spielen zu lassen und Krahl zum dritten Torhüter zu machen. Rund eineinhalb Jahre später hat Krahl Luthe überflügelt und steht nun – wenn auch nicht ganz unangefochten – im Tor der Roten Teufel. Hengen holt immer wieder Spieler, die Anfang 20 sind, und spickt den Kader zusätzlich mit viel Erfahrung. Bisher ist diese Balance aufgegangen und Spieler wie Terrence Boyd, Mike Wunderlich oder eben Andras Luthe konnten sich schnell integrieren und umso schneller gute Leistungen zeigen. Kritisch wird es dann nur, wenn es zu einer Wachablösung kommt. Bei Mike Wunderlich lief es für alle Seiten perfekt, der Mittelfeldspieler bekam sogar ein eigens für ihn veranstaltetes Abschiedsspiel. Bei Luthe und Boyd ist es schwieriger. Denn nach Boyd wird im Sommer wohl auch Luthe gehen. Die Fehlgriffe Doch bei all der Lobhudelei müssen auch die Fehlgriffe betrachtet werden. Topverdiener wie Phillip Klement, die auf der Bank sitzen oder Spieler wie Ben Zollinski und Lex-Tyger Lobinger, die schlicht und einfach nicht gut genug für die Zweite Liga sind. Letzterer bekommt jetzt die Chance sich beim VFL Osnabrück zu beweisen und für die nächste Saison beim Betze zu empfehlen. Sollte ihm das nicht gelingen, wird für ihn wohl der Gang in die Dritte Liga anstehen. Denn Hengen hängt an keinen Spielern und stellt seit jeher das Wohl des Vereins über etwaige Einzelschicksale, die Chemie in der Mannschaft oder irgendwelche Befindlichkeiten. So wurde ein Nicolas de Préville, der in der Rückrunde der Saison 22/23 die Rolle des Lückenfüllers im Sturm sehr gut ausfüllte, wegen mangelnder Fitness und zu hoher Gehaltsvorstellungen nicht weiter verpflichtet. Talent und Traumtor gegen Heidenheim hin oder her. Denn ein schlechter Spieler ist erst dann ein Fehlgriff, wenn er das Gehalt eines potenziell besseren Spielers frisst. Es wird seriös Apropos: fressen und gefressen werden. Das Geschäft eines Teammanagers, Kaderplaners und Geschäftsführers kann im Haifischbecken Bundesliga nicht nur ein dreckiges, sondern auch verdammt anstrengend sein. Deshalb hat Thomas Hengen im ersten Quartal 2023 einen Teil seiner Aufgaben abgegeben und stattdessen Saskia Bugera und Enis Hajri als kaufmännische und technische Direktoren eingestellt. Macht und Einfluss abgeben, wo andere in der Vergangenheit die Ellenbogen ausfuhren und auf ihr eigenes Wohl bedacht waren. Der Verein steht immer im Vordergrund und Grabenkämpfe werden – sofern sie existieren – intern ausgetragen. Gleiches gilt für Gerüchte über Neuverpflichtungen und Abgänge. Wo früher die Boulevardpresse über Transfers berichtete, von denen selbst der Verein noch nichts wusste, muss sie heute Gerüchte erfinden, da sich sehr viele Gerüchte um Spieler- und Trainerverpflichtungen als das