Miroslav Kadlec: „Die Westtribüne ist einzigartig“

Drei Fragen, drei Antworten: Ex-FCK-Profi Miroslav Kadlec über seine schönsten Erfahrungen im Trikot der Roten Teufel, seine berufliche Laufbahn und die Bedeutung der Fans. Er war einer der gefürchtetsten Standardschützen der Bundesliga in den 90er Jahren, zweifacher Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger mit dem FCK, WM-Viertelfinalteilnehmer 1990 und Vize-Europameister 1996 mit Tschechien. Wenn sich ein ehemaliger FCK-Spieler in die Herzen der Fans gespielt hat, dann ist es auf jeden Fall Miroslav Kadlec. Heute arbeitet er als Spielerberater in seiner Heimat und blickt immer wieder gerne auf seine Zeit als Roter Teufel zurück. „Ich freue mich, Teil der erfolgreichen Zeit gewesen zu sein“ Treffpunkt Betze: Hallo Miroslav, du bist einer der erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des 1. FC Kaiserslautern. Insgesamt konntest du zwischen 1990 und 1998 zwei Meisterschaften, einen DFB-Pokalsieg, einen Supercup-Sieg und eine Zweitliga-Meisterschaft mit den Roten Teufeln feiern. Welcher dieser Erfolge ist dir am meisten in Erinnerung geblieben und was macht ihn so besonders? Miroslav Kadlec: Natürlich freue ich mich sehr, Teil dieser erfolgreichen Zeit in der Geschichte des FCK gewesen zu sein. Jeder Erfolg war etwas Besonderes für den Verein und die gesamte Region, doch der Aufstieg und der anschließende Durchmarsch zum Deutschen Meister 1998 ist etwas so Außergewöhnliches, dass man es einfach nicht vergisst. Das war ein historischer Moment. Nicht nur für die FCK-Familie, sondern für ganz Deutschland! Und jedes Mal, wenn ich Deutschland besuche und dabei ist es egal wo, erinnern sich viele Menschen daran und gratulieren mir. Auch deshalb ist der 1. FC Kaiserslautern einfach unsterblich. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. „Ich wollte endlich sesshaft werden“ Treffpunkt Betze: Dich hat es nach deiner Karriere nie in das Trainergeschäft gezogen, du bist stattdessen Spielerberater geworden. Hat es dich nie gereizt, deine Erfahrungen als Coach an jüngere Spieler weiterzugeben? Miroslav Kadlec: Nach meiner Karriere habe ich überlegt, welchen Weg ich einschlagen soll. Wenn ich Trainer geworden wäre, hätte ich natürlich den Anspruch gehabt, so hoch wie möglich zu arbeiten. Und das hätte wieder bedeutet, in Hotels zu wohnen und vielleicht Jahr für Jahr umzuziehen. Ich war 19 Jahre lang Profispieler und wollte nach meiner Karriere endlich sesshaft werden. Der Weg ins Spielermanagement hat mir das ermöglicht, das hat für mich einfach perfekt gepasst. „Die Faszination wird von Generation zu Generation weitergegeben“ Treffpunkt Betze: Dem FCK und seinen Fans eilt der Ruf voraus, gerade am Lautrer Betzenberg für die Gegner durchaus furchteinflößend zu sein. Hast du das in deiner Zeit auch so erlebt? Und worin siehst du diesen Mythos begründet? Miroslav Kadlec: Die Atmosphäre auf dem Betzenberg ist berühmt und vor allem die Westtribüne ist einzigartig. Die Stimmung in diesem Stadion kann einen tragen und beflügelt die Mannschaft in kritischen Situationen. Ich glaube, dass die Fans ihre Faszination für diesen Verein von Generation zu Generation weitergeben. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der wir fast zwei Jahre lang zu Hause nicht verloren haben. Für unsere Gegner war es sehr schwer, bei uns zu punkten. Die Fans waren immer unser zwölfter Mann – und ich glaube, das sind sie auch heute noch für ihre Mannschaft. Mein erstes Spiel auf dem Betzenberg wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es war der zweite Spieltag und wir hatten Eintracht Frankfurt zu Gast. Ich habe nach einer Viertelstunde mein erstes Bundesligator geschossen, übrigens per Freistoß (lacht), und zum ersten Mal gespürt, was es heißt, in Kaiserslautern zu spielen. Quelle: Treffpunkt Betze
Terrence Boyd: Eine Heldenreise mit tragischem Ende

Terrence Boyd verlässt den FCK und wechselt ausgerechnet zum Rivalen nach Mannheim. Ein Transfer, der schmerzt und einige Fans enttäuscht. Warum man dem Ex-Lautrer dennoch danken sollte. Die Verpflichtung des gebürtigen Bremers mit amerikanischen Wurzeln in der Wintertransferphase 2022 galt als absoluter Toptransfer. Seit Jahren spielte der Mittelstürmer beim Halleschen FC auf hohem Niveau und traf zuverlässig, weshalb man sich im Kampf um den erhofften Aufstieg viel von Terrence Boyd versprach und daher eine stattliche Ablösesumme von rund 250.000 Euro an den Ligakonkurrenten überwies. Bereits in seinem zweiten Spiel für den FCK gelang ihm sein erster Treffer, sieben weitere Tore verhalfen den Lautrern über die Relegation zur Rückkehr in die zweite Liga. Der “schlafende Riese“, wie der Stürmer den FCK nannte, war endlich erwacht, und ohne Boyds starken Einstand wäre dies wohl kaum gelungen. In den knapp zwei Jahren, die Boyd in der Pfalz verbrachte, avancierte er schnell zum absoluten Publikumsliebling einer ganzen Region. Statt mit Neymar- oder Haaland-Trikots stolzierten selbst die kleinsten Fußballfans aus der Pfalz mit einem Boyd-Trikot umher. Nun mag die Zeit des ehemaligen US-Nationalspielers mit dem Wechsel nach Mannheim ein für viele Fans äußerst frustrierendes Ende gefunden haben, doch viele unvergessliche Momente werden für immer bleiben. „Zwei Kaffee und ein Mettbrötchen“ Es ist der 05. März 2022. Der FCK steht vor dem entscheidenden Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück, der ebenfalls um den Aufstieg kämpft. Ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel, könnte man sagen, schließlich kann man sich im Aufstiegsrennen keinen Punktverlust leisten. Mit von der Partie ist überraschenderweise auch Torjäger Terrence Boyd, der die letzten beiden Spiele wegen einer Corona-Erkrankung verpasst hatte. Erst am Morgen des Spieltags konnte Boyd nach einem negativen Test aus der Quarantäne freigetestet werden, eigentlich hatte er die Hoffnung auf einen Einsatz an der Bremer Brücke schon aufgegeben. Doch „zwei Kaffee und ein Mettbrötchen” später stand der bullige Stürmer nach der schwereren Verletzung von Ersatzmann Klingenburg plötzlich auf dem Platz und erzielte nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung per Direktabnahme nach Traumflanke von Daniel Hanslik den 1:0-Siegtreffer. Ein Treffer, der am Ende der Saison drei ganz wichtige Punkte bedeutete, eines der außergewöhnlichsten Interviews der FCK-Geschichte nach sich zog und Boyd zum absoluten Publikumsliebling in der Pfalz machte. Entgegen allen Widerständen Ein weiterer unvergesslicher Boyd-Moment ereignete sich vor ausverkauftem Haus im Derby gegen Saarbrücken. Daniel Hanslik drückte nach 17 Minuten den Abpraller eines von Terrence Boyd mehr als kläglich verschossenen Elfmeters über die Linie, der FCK hatte an diesem 34. Spieltag eigentlich spätestens mit dem Führungstreffer alles im Griff. Als dann Kevin Kraus kurz vor der Pause völlig zu Recht mit glatt Rot vom Platz gestellt wurde, drohten die wichtigen Punkte plötzlich doch noch aus den Händen zu gleiten. Der postwendende Ausgleichstreffer der Saarbrücker wenige Minuten nach Wiederanpfiff ließ das Fritz-Walter-Stadion kurzzeitig verstummen. Bis zur 57. Spielminute. Matheo Raab schickte mit einem langen Ball Terrence Boyd auf die Reise, der sich mit unglaublicher Leidenschaft und Raffinesse gegen zwei Gegenspieler durchsetzte und den Ball gekonnt zur 2:1-Führung einschob. Ein Treffer, der den Betze in ein Tollhaus verwandelte und am Ende einer leidenschaftlichen zweiten Halbzeit in Unterzahl tatsächlich zum 2:1-Derbysieg reichte. Der Treffer des bulligen Stürmers war ein Paradebeispiel für die vielzitierte Betze-DNA, die der Torjäger wie kaum ein anderer Spieler der vergangenen Jahre verkörperte. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Ein schnelllebiges Geschäft Im ersten Jahr nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga konnte der FCK frühzeitig den Klassenerhalt sichern und eine sensationelle Hinrunde, die bereits erste Träume vom Durchmarsch ins Oberhaus weckte, machte eine äußerst bescheidene Rückrunde erträglich. Mit 13 Toren und drei Vorlagen hatte Boyd maßgeblichen Anteil an der insgesamt erfolgreichen Saison der Mannschaft von Dirk Schuster. Das honorierten unter anderem die Leserinnen und Leser von Treffpunkt Betze und wählten ihn mit großem Abstand zum Spieler des Jahres. Als wir dem Publikumsliebling im Sommer im Rahmen eines Interviews die entsprechende Trophäe überreichten, wirkte der Stürmer sichtlich zufrieden und man ahnte noch nicht, wie sich die Rolle des bis dahin unangefochtenen Stammspielers verändern würde. Denn mit der Verpflichtung von Torjäger Ragnar Ache verlor Boyd seinen Stammplatz und kam nur noch als Joker oder Ersatz für den verletzten Ache zum Einsatz. Dabei erzielte Boyd in der Liga nur magere zwei Tore, wirkte nicht mehr so leichtfüßig und agierte oft unglücklich. Hier zeigt sich die Schnelllebigkeit des Fußballs. Schien im Sommer noch alles perfekt, trennen sich nun die Wege des FCK und seines Publikumslieblings. Spieler kommen und Spieler gehen, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Auch wenn es noch so weh tut. Schon mit der Bekanntgabe der Ausleihe von Darmstadts Stürmer Filip Stojilkovic, spätestens aber mit der Doppelverpflichtung von Leihspieler Simakala und dem wohl langfristig an den Verein gebundenen Ex-Fürther Dickson Abiama zeichnete sich ab, dass die Wege von Terrence Boyd und dem 1. FC Kaiserslautern spätestens mit Vertragsende 2024 enden würden. Mit einem Abgang in diesem Winter konnte Geschäftsführer Thomas Hengen immerhin noch eine kleine Ablösesumme für Boyd kassieren, die Budget für weitere notwendige Neuverpflichtungen in die Kassen spült. Und auch für Boyd selbst macht ein vorzeitiger Abgang durchaus Sinn, schließlich war er nach den Verpflichtungen weiterer Offensivspieler bestenfalls noch als Stürmer Nummer drei eingeplant und kann bei seinem neuen Verein nun eine wichtigere Rolle als im vergangenen halben Jahr einnehmen. Ehre wem Ehre gebührt Natürlich ist es total frustrierend, wenn ein so beliebter Spieler zum verhassten Erzrivalen wechselt. Und natürlich will auch ich mich auch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass unser Terrence Boyd, dem wir sogar einen Fangesang gewidmet haben und der ein “Lautre”-Tattoo auf dem Arm trägt, künftig für den Waldhof spielt. Aber so ist das Geschäft. Boyd hat in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er mit seiner Familie nicht mehr aus der Nähe von Heidelberg wegziehen und nicht getrennt von seiner Familie in eine andere Region wechseln möchte. Und nüchtern betrachtet gibt es dann nun mal (leider!) wenig Alternativen zu Mannheim. Negative Emotionen aufgrund des Wechsels zum Waldhof sind verständlich. Aber die