Südwestderby aufm Betze: Ein Kampfspiel zur richtigen Zeit?

Das Südwestderby gegen den Karlsruher SC ist der Auftakt zu richtungsweisenden Wochen. Friedhelm Funkel muss bei seinem Heimdebüt personell umstellen. Am 23. Spieltag empfangen die Roten Teufel vor ausverkauftem Haus den Lokalrivalen aus Karlsruhe. Beim Heimdebüt von Friedhelm Funkel geht es also um viel mehr als nur drei Punkte. Vor dem Spiel wird auf dem ausverkauften Betzenberg dem kürzlich verstorbenen Andreas Brehme mit einem Trauerflor und einer Schweigeminute die gebührende Ehre erwiesen. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Karlsruher SC: Gestärktes Zentrum und viele Flanken Die Karlsruher rangieren derzeit mit 29 Punkten auf dem elften Tabellenplatz. Um sich endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden, wäre ein Dreier im Südwest-Derby umso wichtiger. Der KSC befindet sich derzeit in guter Form und musste sich in den letzten zehn Spielen nur einmal geschlagen geben. Der 0:1-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig folgte am vergangenen Wochenende ein 2:2 bei Fortuna Düsseldorf. Mit Christian Eichner steht ein echtes Karlsruher Urgestein an der Seitenlinie des KSC. Als Spieler durchlief er sämtliche Jugendmannschaften der Badener und feierte anschließend seinen Durchbruch als Profifußballer. Vereinsübergreifend kann Eichner auf insgesamt 220 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga zurückblicken. Nach seiner aktiven Karriere war der 41-Jährige als Co-Trainer der U17 sowie der Profimannschaft tätig. Von 2016 bis 2020 assistierte Eichner Alois Schwartz, Marc-Patrick Meister sowie Mirko Slomka. Taktisch agiert der KSC meist in einem 4-4-2 mit Raute. Durch ihr technisch starkes Zentrum überladen sie das Mittelfeld und erzeugen so viel Durchschlagskraft. Dabei sind auch Flanken von allen Positionen ein probates Mittel von Christian Eichner. Durch die nominell gute Besetzung im Zentrum hat der KSC meist eine gute Strafraumbesetzung und findet häufig einen Abnehmer. Gemessen an der Anzahl der begangenen Fouls ist der KSC mit 199 das fairste Team der Liga. Mit Sihlaroglu, Öztürk, Shaughnessy und Rossmann haben die Karlsruher derzeit drei Ausfälle zu beklagen. Auch Stindl fehlte in Düsseldorf wegen Wadenproblemen. Zivzivadze musste das Mannschaftstraining wegen Rückenproblemen abbrechen. Ob ein Einsatz der beiden am Wochenende gefährdet ist, scheint unklar. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Wer ersetzt Puchacz? Beim Gastspiel in Nürnberg sah Tymoteusz Puchacz kurz vor Schluss seine fünfte Gelbe Karte. Damit fehlt der polnische Nationalspieler im Südwest-Derby gelbgesperrt. Da auch Linksverteidiger Hendrick Zuck mit einem Kreuzbandriss bis zum Saisonende ausfällt, muss sich Friedhelm Funkel etwas einfallen lassen. Die naheliegendsten Alternativen auf der Linksverteidiger-Position heißen Jean Zimmer oder Frank Ronstadt. Ob Ronstadt nach seiner Oberschenkelblessur schon eine Option ist, bleibt abzuwarten. Weitere Alternativen wären Kenny Prince Redondo oder einer der Innenverteidiger wie Jan Elvedi oder Almamy Touré. Neben den genannten Puchacz (Gelbsperre) und Zuck (Kreuzbandriss) wird auch Philipp Hercher (Hüftverletzung) weiterhin nicht zur Verfügung stehen. Die entscheidenden Wochen stehen vor der Tür Das Derby gegen den Karlsruher SC bildet den Auftakt zu den entscheidenden Wochen. Schließlich folgen auf Karlsruhe mit Rostock (17.) und Osnabrück (18.) zwei direkte Duelle im Kampf um den Klassenerhalt. Eine verbesserte Ausgangsposition und das nötige Selbstvertrauen sind für diese Spiele Gold wert. Für alle Daheimgebliebenen gibt es das Spiel wie gewohnt auf Sky oder bei OneFootball im Einzelstream.
Unersetzlich: Marlon Ritter in der Form seines Lebens

Kaum jemand verkörpert den FCK so sehr wie Marlon Ritter. Seine Offensivwerte gehören zur Ligaspitze. Und seine provokante Art bringt seine Gegner regelmäßig zur Weißglut. „Die haben keine Ideen, die kacken sich ein“, brüllt Marlon Ritter in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Viertelfinales im Kabinentrakt von Hertha BSC Berlin. Eine Szene, die viral geht. Nicht nur bei den eigenen, sondern auch bei den gegnerischen Fans. Marlon Ritter polarisiert, Marlon Ritter provoziert. Schon nach dem umstrittenen Spiel bei Fortuna Düsseldorf war in der Rheinischen Post von einem Spieler die Rede, der beim Gegner “unmöglich” sei. Doch das kann Marlon Ritter und dem FCK egal sein, denn eines beweisen solche Geschichten: Der Mittelfeldmotor geht voran. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp „Started from the bottom now we’re here“ Ritter kam 2020 vom SC Paderborn zu den Roten Teufeln und fand sich schnell im Abstiegskampf der 3. Liga wieder. Unter Boris Schommers, Jeff Saibene und Marco Antwerpen bestritt der Dauerbrenner 34 von 38 Spielen. Dass gleich drei verschiedene Trainer auf den damals 26-Jährigen setzten, zeigt, wie hoch seine individuelle Qualität eingeschätzt wurde. Die folgende Aufstiegssaison bestätigte Ritters Rolle auf dem Betzenberg, doch in der ersten Zweitliga-Saison des FCK bekam der gebürtige Essener auf seiner Position ordentlich Konkurrenz. Verständlich für einen Mittzwanziger, der zuvor noch nie oberhalb der 3. Liga Fuß fassen konnte. In der Regel entwickelt sich ein Fußballer – vor allem in der Offensive – bis zum 25. Lebensjahr, spielt dann seine besten Jahre und ist mit 30 reif für den Ruhestand. Marlon Ritter hat allen das Gegenteil bewiesen. Er bestätigte nicht nur seine Leistungen aus der Vorsaison, sondern war trotz des großen Umbruchs im Kader nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Doch die aktuelle Saison zeigt, dass Ritters Entwicklung auf und neben dem Platz keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Mit sechs Scorerpunkten in der Liga und vier weiteren im Pokal bestätigt er die Entscheidung, ihn auf die „Zehn“ zu ziehen. Vor allem der Pokal scheint dem 29-Jährigen zu liegen: So hielt sich die Nummer sieben der Roten Teufel in der ersten Runde noch zurück, schoss dann den 1. FC Köln quasi im Alleingang ab (zwei Vorlagen, ein Tor) und spielte auch gegen Nürnberg und Hertha BSC überragend, wo er einen weiteren Assist beisteuerte. Zudem führte Ritter den FCK seit der Verpflichtung von Dimitrios Grammozis viermal als Kapitän aufs Feld. Auch Friedhelm Funkel hob äußerst lobend die Entwicklung des Lautrer Führungsspieler hervor. Und das in diesen schwierigen Zeiten, schließlich kämpft der FCK bekanntlich um den Klassenerhalt. Doch was macht den „Faktor Ritter“ im Spiel aus? Ein Angriffskatalysator der Extraklasse Vergleicht man Ritter ligaintern mit Spielern auf der gleichen Position, fällt schnell auf, dass nur wenige so torgefährlich sind wie der 29-Jährige. 0,24 npxG pro 90 Minuten (erwartete Tore ohne Elfmeter) katapultieren die Nummer sieben der Lautrer in die Top 10 Prozent der Liga. Auch bei den Schüssen (2,32 p90) und den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum (2,18 p90) beeindruckt der Offensivmann. Besonders auffällig: Auch bei der Ballbeschleunigung gehört Marlon Ritter zur absoluten Elite der Liga. Die Daten bestätigen den optischen Eindruck: Landet der Ball beim Dauerbrenner, sollten bei jedem Gegner der Roten Teufel die Alarmglocken schrillen, denn dann wird der FCK unberechenbar. Mit seiner eigenen Torgefahr zieht Ritter die Gegner auf sich und hat gleichzeitig das Auge und die Übersicht, seine Mitspieler in Szene zu setzen. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Gerade im Spiel gegen den SC Paderborn war zu sehen, wie ideenlos die Pfälzer ohne ihren Spielmacher agierten. Neben seinen besonderen Fähigkeiten im laufenden Spiel ist Ritter ein elementarer Bestandteil der Standardstärke, die auf dem Betzenberg Einzug hält. Und auch wenn Aktionen wie die „Vorlage“ zum 1:0 gegen den FC Schalke statistisch nicht erfasst werden, war Marlon Ritter auch an diesem Treffer beteiligt – wie übrigens an fast jedem fünften Pflichtspieltor der Roten Teufel. Der Wechsel vom spielerischen Part auf der „Sechs“ zum alleinigen Freigeist auf der „Zehn“ zeigt Wirkung. Quo vadis, Ritter? In der aktuellen sportlichen Situation ist der Begriff „Hoffnungsträger“ für Spieler wie den ehemaligen Paderborner zutreffender denn je. Vergleicht man die Kader der Konkurrenz, würde sich jeder Verein im Tabellenkeller über den gebürtigen Essener mehr als glücklich schätzen. Und wie steht es um etwaige Kritikpunkte? Abgesehen von (externen) Meinungen, die sich meist gegen den Charakter des 29-Jährigen richten, der nicht selten Rudelbildungen auslöst oder zumindest daran beteiligt ist, fällt es schwer, hier Argumente zu finden. Denn Spieler wie MR7 kommen immer mit „Macken“, die aber auch zum Wesen des Spielers gehören. Natürlich funktionieren nicht alle Offensivideen Ritters und natürlich gewinnt ein 1,72 Meter großer und 73 Kilogramm schwerer Mittelfeldspieler nicht jeden Zweikampf. Unbestreitbar ist aber, dass Marlon Ritter die bisher beste Saison seiner Karriere spielt und immer noch steigerungsfähig scheint. Da stellt sich natürlich die Frage: Wo soll das alles enden? Zuletzt verglich FCK-Fan und Sänger Mark Forster Ritter mit Mittelfeldspieler Toni Kroos. Trotz des charmanten Vergleichs wird es der 29-Jährige wohl nicht mehr zur Europameisterschaft schaffen. Dennoch ist dem kreativen Kraftpaket noch einiges zuzutrauen – denn abschreiben, das hat Marlon Ritter gezeigt, darf man ihn nie. Quelle: Treffpunkt Betze