Wenn der Fußballgott wieder zum Teufel wird

Die Stimmung beim FCK hat sich binnen weniger Tage um 180 Grad gedreht. Das ist Chance und Risiko zugleich. Doch der Betze hat seinen Konkurrenten nun Entscheidendes voraus. Fußball an sich ist schon eine merkwürdige Angelegenheit. Oftmals als schönste Nebensache der Welt tituliert, ist er doch bei Weitem so viel mehr. Fast nirgendwo in Fußball-Deutschland wird dies so deutlich wie in Kaiserslautern. Fast nirgendwo sonst ist das persönliche Wohlergehen so eng mit dem der heiß geliebten Roten Teufel verknüpft. Fans geben ihren letzten Cent aus, reisen nach Rostock, Hamburg oder wie am vergangenen Wochenende nach Kiel. Sie opfern die Zeit mit der Familie – für einen Verein, der für viele wie kein zweiter selbst Familie bedeutet. Und wie in jeder Familie ist eine solche Beziehung selten sorgenfrei. Die Emotionen kochen auch gerne einmal schnell hoch. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Noch vor zehn Tagen schien das Schicksal des Fritz-Walter-Klubs nach dem 1:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden besiegelt, der Abstieg wohl nicht mehr zu verhindern. Zu schlecht war wieder einmal die Leistung in der zweiten Halbzeit, in der die Lautrer zum gefühlten tausendsten Mal eine Führung aus der Hand gaben. Tabellarisch schien zwar noch alles möglich. Klar, der FCK verharrte auf einem Abstiegsplatz, aber nur zwei Zähler hinter den Hessen. Was aber allenthalben fehlte – das wurde an diesem Nachmittag überdeutlich – war der Glaube. Das veranlasste Trainer Friedhelm Funkel zu einem flammenden Appell: „Hier ist im Moment eine Weltuntergangsstimmung, wenn ich in die Gesichter der Leute schaue. Aber wir sind heute nicht abgestiegen. Wir haben noch vier Spiele. Und ich bin der Erste, der vorneweg geht.“ Zwischen Weltuntergang und Partystimmung: Der ganz normale FCK-Wahnsinn Zehn Tage später sieht die Welt in Kaiserslautern schon wieder völlig anders aus. Die Pfälzer schlugen zum Erstaunen der meisten Beobachter die Spitzenmannschaft Holstein Kiel mit 3:1, gaben eine Führung nicht aus der Hand, sondern bauten sie sogar aus. Und dank der Niederlage von Wehen einen Tag später, sprangen die Männer in Rot sogar auf einen Nichtabstiegsplatz. „Diesen Sieg hat uns niemand zugetraut. Vor allem niemand in Kaiserslautern“, erinnerte Funkel an die von ihm beschriebene Stimmung nur wenige Tage zuvor. Und tatsächlich: Plötzlich sieht man in Kaiserslautern wieder Zuversicht in den Augen der Menschen. „Mutige Kleidung. Das wird doch eh nichts mehr“, schallte es mir noch am Montag nach dem Wiesbaden-Heimspiel an der Supermarktkasse entgegen, als ich mit meiner FCK-Jacke bewaffnet bezahlen wollte. Mutig? Nein, in Lautern ist das eine Lebenseinstellung. „Jetzt erst recht“, entgegnete ich. Beim FCK gibt man schließlich nicht auf. Und selbst wenn es schief gehen sollte: Die rot-weißen Farben würde ich auch gegen Verl oder Sandhausen wieder tragen. Selbstverständlich käme mir nie etwas anderes in den Sinn. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Nur eine Woche ist seitdem vergangen. Zu spüren ist von dieser Stimmung aber fast nichts mehr. Nach dem Sieg in Kiel spazierte ich durch den Lautrer Volkspark und sah dabei ein FCK-Trikot nach dem anderen an mir vorbei stolzieren. Wo sich kurz zuvor schon mit potenziellen Drittliga-Gegnern beschäftigt wurde, begannen plötzlich Rechenspiele, wie der Klassenerhalt schon vor dem letzten Spieltag eingetütet werden könnte. Zu Tode betrübt und himmelhochjauchzend. Das ist eben Kaiserslautern. Und genau das macht diesen Verein auch so verdammt liebenswert. „The trend is your friend“: Funkels Erfahrung und Umstellungen könnten entscheidend sein Es birgt zugleich aber auch eine Gefahr. Die Gefahr, sich zu schnell, zu sicher zu fühlen. Doch die Roten Teufel haben neben ihren Fans einen großen Trumpf: Trainer Friedhelm Funkel. Der drückte nach dem Heimsieg, wohl wissend um die Achterbahnmentalität eines Traditionsvereins, auf die Euphoriebremse. „Es war ein sehr, sehr wichtiger Sieg für uns. Mehr nicht. Wir haben noch drei Spiele und unsere Situation ist weiterhin kritisch. Wir müssen aus den nächsten Spielen mindestens zwei Siege holen, um in der Liga zu bleiben.“ Aus Kiel können die Roten Teufel neben den drei Punkten zudem einige Erkenntnisse mitnehmen: Auch eine Halbzeitführung kann am Ende zum Sieg führen, wenn man weiter engagiert und zielstrebig nach vorne spielt. Die Umstellung auf Dreierkette hat dem Lautrer Spiel sichtlich gut getan und es stabilisiert. Und Spieler wie Daniel Hanslik oder Ben Zolinski blühen plötzlich wieder auf. Fußball ist eben eine merkwürdige Angelegenheit. Und nicht zu vergessen: Während die Konkurrenz aus Rostock, Braunschweig und Wiesbaden schwächelt, kann gerade beim FCK eine positive Grundstimmung im Schlussspurt enorm beflügeln. So kam der BTSV am vergangenen Wochenende mit 0:4 gegen den HSV unter die Räder und verdarb sich dabei sein Torverhältnis. Und Wehen entließ nach dem 3:5 gegen Fürth kurzerhand Aufstiegstrainer Markus Kauczinski. Die Funkel-Elf muss nun den Schwung aus Kiel mitnehmen, ohne dabei gegen einen Gegner auf Augenhöhe in alte Fehlermuster zu verfallen. Gelingt das, dann wird auch der Funke vom Platz auf die Ränge überspringen. Und dann ist gegen Magdeburg, Hertha und Braunschweig alles möglich. Oder wie es Norbert Thines sagen würde: „Ich weiß auch, was Pfälzer, wenn sie zusammenhalten, bewegen können.“ Noch dreimal alles geben. Zammehalle, Drinn bleiwe! Quelle: Treffpunkt Betze
Roundhouse-Kick: Liebe kennt keine Liga

Heute im Roundhouse-Kick: Ein Jean für alle Fälle, eine nachhaltige Protestaktion, Magic Mike würde nicht ‘nein’ sagen, Klozillas Ende und begründete Ängste eines FCK-Fans. Hashtag der Woche: #lebenszeichen. Es geht doch. Mit einem völlig überraschenden Auswärtscoup haben sich die Roten Teufel wieder in die Pole Position im Kampf um den Klassenerhalt gebracht. Durch den Sprung auf Platz 15 hat es die Mannschaft von Friedhelm Funkel nun wieder selbst in der Hand, am Ende der Saison über dem Strich zu stehen. Die fast schon standesgemäße Halbzeitführung konnte in Kiel endlich einmal über die Zeit gebracht werden und sollte der Mannschaft nun den nötigen Auftrieb geben, um das Saisonziel in den verbleibenden drei Spielen in trockene Tücher zu bringen. Die Ergebnisse der Konkurrenz spielen dem FCK natürlich in die Karten, aber danach fragt nun wirklich keiner mehr, wenn es am Ende reichen sollte. Was sonst noch wichtig war rund um den Betzenberg und in der vergangenen Woche – hier in unserem Wochenrückblick. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp 1. Einmal Lautrer, immer Lautrer Über seine persönliche Zukunft lässt FCK-Spielführer Jean Zimmer keinerlei Spekulationen aufkommen. Obwohl der FCK mitten im Abstiegskampf steckt und es noch überhaupt nicht absehbar ist, in welcher Liga die Roten Teufel ab Sommer spielen werden, legt sich das Lautrer Ur-Gestein schon fest. Natürlich hofft er, gemeinsam mit dem Team die Klasse halten zu können, aber selbst wenn das Vorhaben scheitern sollte, bleibt der Capt’n an Bord. Frei nach dem Motto „Egal ob Mannheim oder Karlsruhe, Hauptsache Kaiserslautern“ sind das starke Worte in unruhigen Zeiten. Der Mann liebt und „atmet“ seinen FCK – schade, dass er oft so schlecht wegkommt. FCK-Kapitän Jean Zimmer: “Ich bin nächstes Jahr hier, egal welche Liga” 2. Der Betze gibt Gummi Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das Heimspiel gegen Paderborn nicht nur schlecht. Die 1:2-Niederlage Mitte Februar wurde von Fanprotesten gegen die DFL begleitet, bei denen die FCK-Fans tausende Flummis auf das Spielfeld warfen. Nachdem alle Bälle eingesammelt waren, beschloss der FCK kurzerhand, die Flummis nicht zu entsorgen, sondern an Kindertagesstätten in der Umgebung zu spenden. Die Aktion sollte Kinder glücklich machen und spätestens nach der Übergabe der Bälle durch die Spieler der Roten Teufel war dieses Ziel erreicht. Das nennt man wohl einen rundum gelungenen Protest. FCK spendet unzählige Protest-Flummis an Kitas // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. 3. Wo die Liebe hinfällt Mike Wunderlich hat seine Liebeserklärung an den 1. FC Kaiserslautern erneuert. Der ehemalige FCK-Spieler gestand in einem Interview, dass die kurze Zeit in der Pfalz für ihn fußballerisch die schönste und der Aufstieg mit den Roten Teufeln der Höhepunkt seiner Karriere gewesen sei. Nachdem er von Dirk Schuster mehr oder weniger vor die Tür gesetzt wurde, kehrte „Iron Mike“ noch einmal für ein halbes Jahr zu seinem Heimatverein Viktoria Köln zurück, doch dieses Kapitel hat er mit seiner aktiven Karriere vorerst abgeschlossen. Heute trainiert er den Oberligisten SV Bergisch Gladbach und hat immer noch ein Auge auf das Geschehen in der Pfalz. Vielleicht kreuzen sich die Wege ja noch einmal. „Ich fühlte mich allein gelassen“ 4. Toilettenstreit auf der Reeperbahn Beim FC St. Pauli ist es guter Brauch, dass beim Einlaufen der Gastmannschaft auch deren Vereinshymne gespielt wird. Das klappt nicht immer reibungslos, wie zum Beispiel 2019, als der KSC mit dem Betzelied begrüßt wurde! Manchmal wird die Tradition aber auch genutzt, um mahnend den Zeigefinger zu heben. So geschehen am vergangenen Freitag. Nachdem das letzte Gastspiel von Hansa Rostock mit zertrümmerten Sanitäranlagen und Randalen der Kogge-Fans geendet hatte, ließen die Hamburger die Nasszellen nun verschlossen. Stattdessen standen den Rostockern 40 Dixi-Klos zur Verfügung – und statt ihrer Hymne lauschen zu dürfen, wurde ihnen die Aktion von Thommy Molotow musikalisch erklärt. Eine Aktion, die zumindest aufhorchen lässt! „Für Hansa-Fans nur Dixi-Klos“Pauli lässt provokanten Song im Stadion laufen 5. Social-Media-Kommentar der Woche FB-User Dennis nach Beendigung der ersten Spielhälfte in Kiel: „Ich habe Angst vor der zweiten Halbzeit!“ Quelle: Treffpunkt Betze