Der Anfang-Fußball: Weniger Veränderung als gedacht?

Foto: Andreas Leiner

Mutiger und attraktiver Fußball mit vielen offensiv denkenden Spielern, dafür steht Markus Anfang. Doch bis sein System greift, wird es wohl noch etwas dauern. Als der 1. FC Kaiserslautern Markus Anfang als neuen Cheftrainer präsentierte, freuten sich viele auf einen aktiven, ballbesitzorientierten und attraktiven Spielstil. Doch wie viel davon war in den ersten Saisonspielen schon zu sehen? Braucht seine Philosophie noch Zeit, um Früchte zu tragen? Eine taktisch-datenbasierte Analyse.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Mutiger Fußball bei jeder seiner Stationen Markus Anfang hat als Spieler und Trainer bereits viel erlebt. In seiner noch aktiven Zeit lief er für vier unterschiedliche Vereine insgesamt 79 Mal in der Bundesliga auf. Das Trikot des FC trug der bekennende Kölner nie, stattdessen machte er seine ersten Schritte in der höchsten deutschen Spielklasse beim Lokalrivalen aus Düsseldorf. Schon damals deutete sich an, dass Anfang die Polarisierung nicht scheut. Später als Trainer fiel er nicht selten durch seine klare Kante und generell sein selbstbewusstes Auftreten auf – was er bis heute auf seine Mannschaften zu übertragen weiß. Wenn Anfang nicht noch offensiver im 3-4-1-2 agiert, scheint taktisch das 4-3-3 seit jeher seine bevorzugte Formation zu sein. Als Trainer des 1. FC Köln trieb er diesen Mut teilweise auf die Spitze, als er die Schienenpositionen mit Offensivspielern wie Florian Kainz oder Christian Clemens besetzte und zusätzlich Außenverteidiger wie Benno Schmitz oder Jonas Hector in die Dreierkette beorderte. Wie mutig Anfang denkt, zeigte sich beim FCK erstmals am vierten Spieltag gegen Hertha BSC, als er beim Stand von 3:3 zwei neue Stürmer einwechselte und bedingungslos auf Sieg spielte – und die dadurch entstehenden Lücken in der ohnehin löchrigen Defensive billigend in Kauf nahm. Anfang steht also für den attraktiven Offensivfußball, den sein Chef Thomas Hengen schon lange auf dem Betze implementieren wollte. Ein ausführlicherer Blick auf die bisherigen Auftritte zeigt aber: Bisher ist ihm das kaum gelungen. Ungewohnte Freiheiten für das Team Spätestens beim Pokalspiel in Ingolstadt zeigte sich, dass Anfangs 4-3-3 oft nur in der Formation gegen den Ball eins ist. Mit dem Ball wird häufig ein Dreieraufbau mit den beiden Innenverteidigern und dem einschiebenden Linksverteidiger Erik Wekesser praktiziert. Der Rechtsverteidiger, an diesem Tag Almamy Touré, machte das Spiel dagegen auf der rechten Seite breit und verschaffte dem Team durch seine relativ hohe Positionierung mehr Freiräume. Diese im modernen Fußball nicht unübliche Auslegung der Formation zeigt, was Anfang seit Amtsantritt immer wieder predigt: Es geht ihm nicht um zu haltende Positionen, sondern um zu besetzende Räume auf dem Spielfeld. Den Spielern wird zwar vorgegeben, in welchen Zonen und Bereichen sie sich aufhalten sollen, nicht aber, wer in welche Zone zu laufen hat. Diese Herangehensweise verlangt den Spielern zwar einiges an kognitiver Kapazität ab und war unter Anfangs Vorgänger Friedhelm Funkel undenkbar, lässt aber gleichzeitig mehr Raum für Kreativität und Überraschungsmomente. Dies kann es den Gegnern erschweren, sich auf die Roten Teufel einzustellen. Allerdings erfordert diese Art des Fußballs auch viel Kommunikation auf dem Feld, was bei der schon von einigen Trainern bemängelten, chronisch zu ruhigen Art und Weise der Mannschaft zu schwerwiegenden Fehlern führen kann. Zudem ist es wichtig zu sehen, dass die Spieler auch nicht ausnahmslos in allem frei sind, was sie tun: Gerade bei der Konterabsicherung sind klare Vorgaben über die zu besetzenden defensiven Räume unerlässlich. Unter dem Strich war die 1. Pokalrunde bei den Schanzern bis zum Platzverweis von Jan Gyamerah wohl ein Spiel, in dem der von Anfang gewünschte Fußball zu sehen war: Der FCK erspielte sich durch stringente Ballzirkulation und hohes Tempo regelmäßig gute Torchancen, und auf Ballverluste folgten schnelle und hohe Ballgewinne durch intensives kollektives Gegenpressing. In der ersten Halbzeit kam Anfangs Mannschaft auf einen Ballbesitzwert von 55 Prozent, in der starken Viertelstunde vor dem Pausentee waren es sogar 66 Prozent. Dass dies allerdings nicht immer möglich ist, zeigte die Partie gegen die Hertha, als gegen einen deutlich stärkeren Gegner nur 41 Prozent erreicht wurden. Ballbesitz sollte kein Selbstzweck sein und ist kein Indikator für die Qualität des eigenen Spiels. Er ist aber oft einer von mehreren Faktoren, die die Spielweise einer Mannschaft widerspiegeln. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Probleme im Aufbau, Glanzlichter im letzten Drittel Der Spielaufbau aus der Defensive ist in der Innenverteidigung bisher eher vorsichtig, nur wenig progressiv und phasenweise fehleranfällig, wie zuletzt bei Julian Krahl, als er von den Berliner Stürmern mit hohem Tempo angelaufen wurde. Effizienter für den FCK sind daher häufig lange Bälle, die der Stürmer entweder festmacht oder, falls dies nicht gelingt, kollektiver Druck bei zweiten Bällen, um den Ball in der gegnerischen Hälfte zurückzuerobern. Ein leidiges Thema bleibt die Besetzung der Sechserposition. Der an sich spielstarke Gyamerah wurde dort zuletzt regelmäßig eingesetzt, obwohl der gelernte Außenverteidiger diese Position in seiner Karriere nur äußerst selten gespielt hat. Phasenweise fehlten ihm in gegnerischen Pressingsituationen etwas Resistenz und Ballsicherheit,was zu Ballverlusten in gefährlichen Zonen und taktischen Fouls führte. Eine Reihe weiter vorne sollen Kapitän Marlon Ritter und sein Nebenmann (je nach Spiel Kaloc, Raschl oder Klement) für kreative Momente und generell für die Ballverteilung sorgen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei Aaron Opoku zu, der mit seiner Geschwindigkeit, seiner Technik und seinem Mut im Dribbling Qualitäten aufweist, die – abgesehen von Neuzugang Daisuke Yokota – kein anderer Spieler in dieser Form mitbringt. Der junge Japaner könnte von seinem Skill-Profil her das optimale Pendant zu Opoku auf der rechten Seite werden. Zuletzt wurde dort der äußerst langsame und undynamische Klement aufgeboten, was zeigt, dass Anfang dort gerne einen inversen Linksfuß spielen lässt, damit Rechtsverteidiger Touré situativ hinterlaufen kann. Unabhängig davon, ob Ragnar Ache, Daniel Hanslik oder Jannik Mause aufläuft, die Anweisungen an den Stürmer im 4-3-3 scheinen klar zu sein: Teils kommen die Angreifer den Mittelfeldspielern entgegen, teils bieten sie Läufe hinter die Kette an oder besetzen schlicht die Box bei Flankensituationen. Jedoch halten sie konsequent ihre Position im Zentrum des Spielfelds und versuchen, dort immer anspielbar zu sein. Teils erschreckende Passivität gegen

Mittwochstraining: Anfang bemängelt Abwehrverhalten

Foto: Andreas Leiner

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Hannover 96 aufgenommen. Im verregneten Mittwochstraining fehlen drei Spieler. Der Trainer sieht Steigerungsbedarf. Strömender Regen begleitete pünktlich um 10:00 Uhr 22 Feldspieler und drei Torhüter auf Platz 4 neben dem Fritz-Walter-Stadion, wo die erste öffentliche Trainingseinheit der Woche stattfand. Trotz Fritz-Walter-Wetter und herbstlichen 12 Grad Celsius hielt es rund zwei Dutzend Kiebitze nicht davon ab, ihre Roten Teufel vor der Auswärtsaufgabe am Samstag in bei Hannover 96 Platz (Anpfiff 13:00 Uhr) zu begutachten.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Drei Rote Teufel fehlen im Training Neben dem Langzeitverletzten Hendrick Zuck konnte Frank Ronstadt weiterhin nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Der 27-Jährige laboriert an Knieproblemen und verpasste die bisherigen Pflichtspiele. Auch ein Einsatz in Niedersachsen scheint damit unwahrscheinlich. Auch Jan Gyamerah, der bereits gestern die große Autogrammstunde auf dem Wurstmarkt in Bad Dürkheim krankheitsbedingt verpasste, fehlte. Er soll jedoch eventuell schon heute Mittag wieder auf dem Platz stehen. Der Dritte im Bunde, den man vergeblich suchte, war Almamy Touré. Der 28-jährige Verteidiger verletzte sich beim Aufwärmen vor dem Testspiel beim VfB Stuttgart (1:4). Anfang mahnt: „Ihr müsst am Mann verteidigen“ Die rund 80-minütige Trainingseinheit fand unter widrigen Bedingungen statt. Immer wieder rutschten die Akteure auf dem nassen Geläuf aus, gut herausgespielte Angriffe kamen nur selten zustande. Ausreden wollte das Trainerteam aber nicht gelten lassen. „Das kann am Wochenende genau so passieren“, rief Co-Trainer Florian Junge den Spielern zu. Diese teilten sich nach dem Aufwärmprogramm in zwei Gruppen auf, wo sie in ihrer jeweiligen Hälfte ein Trainingsspiel absolvierten. Dabei griff Trainer Anfang immer wieder ein, war zeitweise alles andere als zufrieden. „Wo verteidigst du? Nicht der Raum ist entscheidend, am Mann müsst ihr verteidigen“, ermahnte er seine Spieler. Das Verteidigungsverhalten in der Box war schon in der Länderspielpause ein großes Thema, wie Innenverteidiger Jan Elvedi im Gespräch mit Treffpunkt Betze verriet. Doch auch um die Körperhaltung ging es dem Coach: „Kopf hoch und Druck, Druck, Druck“ rief er seinen Mannen zu, ehe es durchnässt in die Katakomben des Stadions zurückging. Quelle: Treffpunkt Betze