“Und wenn Piet da oben sagt: Das habt ihr gut gemacht!”

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Markus Anfang über fehlende Führungsspieler, den ständigen Kaderumbau, die Integration des eigenen Nachwuchses und sein Saisonziel. Im ersten Teil unseres ausführlichen Interviews mit FCK-Cheftrainer Markus Anfang sprachen wir mit dem 50-Jährigen über die den bisherigen Saisonverlauf, schwierige Statistiken und seine Spielidee. Im zweiten Teil spricht der gebürtige Kölner über Anpassungsschwierigkeiten seiner Spielern, seinen Umgang mit Kritik und seine Vorstellungen von einer gelungenen Spielzeit. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Markus Anfang: “Zu wenig Spieler, die Entscheidungen treffen” Treffpunkt Betze: Wenn man sich das Spiel in Elversberg anschaut, muss man feststellen, dass in der zweiten Halbzeit und vor allem nach dem 0:1 kein ernsthaftes Aufbäumen zu erkennen war und sich Ihre Mannschaft ihrem Schicksal gefühlt ergeben hat. Haben Sie eine Erklärung für diesen Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit? Markus Anfang: Leider spricht niemand mehr davon, dass wir eine sehr gute erste Halbzeit gespielt haben, alle reden nur noch über die zweite Halbzeit. Aber ein Spiel besteht immer aus zwei Hälften. Ich denke, wir hätten in der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen, was uns leider nicht gelungen ist. Und mit Anpfiff der zweiten Halbzeit haben wir 25 Minuten in unserem Spiel, wo wir keine Zweikämpfe führen, wo wir keine Intensität haben. Wo wir innerhalb von 20 Minuten all das, was wir in der ersten Halbzeit aufgebaut haben, einfach vermissen lassen. Da haben wir Elversberg ins Spiel geholt. Und dann sind wir nach dem Gegentor, wo wir eigentlich den Ball schon gewonnen hatten und ihn dann doch wieder hergegeben haben, in eine Schockstarre verfallen, aus der wir erst in der Schlussviertelstunde wieder aufgewacht sind. Wir haben dann zwar noch einmal alles versucht und nach vorne gespielt, aber trotz Chancen von Tobi Raschl oder Ragnar Ache ist uns kein Tor mehr gelungen. Es war aber kein grundsätzlich schlechtes Spiel von uns und es wäre deutlich mehr drin gewesen. Treffpunkt Betze: Fehlt es in solchen Momenten, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit, an Führungsspielern, die auf dem Platz das Heft in die Hand nehmen? Markus Anfang: Wir haben derzeit in der Tat zu wenig Spieler, die auf dem Platz Entscheidungen treffen und das Kommando übernehmen. Wir haben aber auch Spieler, die in diese Rolle hineinwachsen können. Allerdings man muss auch immer ein bisschen abwägen, aus welcher Situation die Spieler kommen, die dafür in Frage kommen. Jannis Heuer wäre für mich zum Beispiel so ein Kandidat. Er ist im Sommer von Paderborn nach Kaiserslautern gewechselt. Hier kommt er dann in eine neue Mannschaft, muss ein für ihn neues Spielsystem spielen, hatte in der letzten Saison relativ wenig Einsatzzeiten und soll dann gleich der Führungsspieler sein? Natürlich wäre es schön, wenn das klappen würde, aber leider klappt das nicht immer auf Anhieb, was aber auch völlig in Ordnung ist. Jannis ist jetzt nur ein Beispiel. Wir haben auch andere Spieler, die grundsätzlich das Potenzial haben, Führungsspieler zu werden, bei denen die Situation ähnlich ist. Ich weiß, dass man das nicht unbedingt hören will, aber auch da müssen wir den Jungs Zeit geben, in die Rolle hineinzuwachsen. Markus Anfang: “Sind immer wieder gezwungen, den Kader entsprechend umzubauen” Treffpunkt Betze: Eine zentrale Rolle im Fußball hat der so genannte Sechser. Die Stärken von Boris Tomiak liegen aus unserer Sicht in der Innenverteidigung, Ähnliches gilt für Jan Gyamerah, der sich in seiner Karriere vor allem auf der Rechtsverteidigerposition am wohlsten fühlte. Afeez Aremu ist noch nicht so weit, Luca Sirch anscheinend auch nicht. Kann es sein, dass der FCK den Abgang von Julian Niehues nicht gut genug kompensiert hat? Markus Anfang: Um es kurz zu machen: Ich denke, wir haben genügend Spieler im Kader, die diese Rolle ausfüllen können. Ich möchte aber auf die grundsätzliche Rolle des Sechsers etwas näher eingehen, weil es manchmal schwierig ist, die Interpretation der Rolle zu verstehen. Man spielt eine Grundordnung gegen den Ball und man spielt eine Grundordnung mit dem Ball. Wobei es mir nicht um die Grundordnung an sich geht, sondern um die Zahlenverhältnisse. Der Gegner spielt zum Beispiel mit vier Spielern im Zentrum, aber ich will nicht, dass sie ins Spielen kommen. Also kann ich nicht mit zwei zentralen Spielern spielen, weil ich dann zwei gegen vier stehe. Wenn ich aber mit drei spielen will, muss ich auch im Zentrum schon gut verschieben, um den Gegner unter Druck zu setzen. Also versuche ich mit vier Spielern zu spielen. Aber diese vier muss ich herstellen. Gegen den Ball spiele ich dann vielleicht ein 5-4-1 und habe dann eine andere Grundordnung, vielleicht mit einer Doppelsechs. Wenn der Gegner aber mit drei Spielern im Zentrum spielt, spiele ich auch mit drei und damit wieder in einer anderen Grundordnung. Was ich damit sagen will, ist, dass all diese Überlegungen eine große Rolle bei der Entscheidung spielen, wer die Position besetzen kann. Ich glaube, dass Bobo (Boris Tomiak, Anm. d. Red.) das gut kann, genauso wie zum Beispiel Kalli (Filip Kaloč, Anm. d. Red.) oder andere Spieler. Wenn man einen Sechser hat, der eine gewisse Ausstrahlung und Präsenz hat, dann ist die Rolle des Sechsers überhaupt nicht im Fokus. Da können wir uns natürlich noch verbessern, aber wie gesagt, wir haben genug Spieler, die in diese Rolle hineinwachsen können. Auch ein Julian Niehues kam als junger Spieler ohne große Vorerfahrung im Profibereich zum FCK und musste sich erst entwickeln. Treffpunkt Betze: Von der Startelf am darauffolgenden Spieltag auf die Tribüne. Bisher mussten Dickson Abiama nach dem Spiel in Münster und Philipp Klement nach dem Spiel in Hannover diese bittere Pille schlucken. Sind die Leistungen Ihrer Spieler so schwankend oder sind Ihre Entscheidungen so konsequent? Markus Anfang: Das hat nichts mit den Jungs an sich zu tun. Solche Entscheidungen basieren immer auf taktischen Überlegungen. Wir haben zum Beispiel vor dem Spiel in Elversberg überlegt, wie wir die Außenbahnen besetzen. Eine Option wäre Abi (Dickson Abiama, Anm. d. Red.) gewesen, weil er dort schon öfter ausgeholfen hat. Für die linke Seite haben wir uns dann für Wekesser, der die Linie hoch und runter marschieren sollte, entschieden und als Backup für ihn Flo Kleinhansl mitgenommen. Für die rechte Seite