Das Ende der Gefühlsachterbahn?

Foto: Andreas Leiner

Das erste Saisondrittel des 1. FC Kaiserslautern hatte Potenzial für Kreislaufzusammenbrüche. Eine besinnliche Winterpause ist dennoch mehr als wahrscheinlich. Ein erstes Fazit. In Kaiserslautern wird Fußball gelebt. Die Laternenmasten in der Stadt und im Umland sind mit Aufklebern der Fanclubs gepflastert, die Brücken mit ansehnlichen Graffiti der Ultragruppierungen besprüht und viele Arbeitnehmer der Region dürften sich nach dem Bundesligawochenende am Montagmorgen an der Kaffeemaschine treffen, um über das letzte Spiel des 1. FC Kaiserslautern zu diskutieren. Die Fans lieben ihren Betze. Sie feiern, wenn die Ergebnisse stimmen oder wenn ein Spieler im Zweikampf seinen Gegenspieler mit einer gefühlvollen Grätsche vom Ball trennt. Genauso leiden sie, wenn der FCK verliert oder der Mannschaft mangelnder Kampfgeist attestiert werden muss.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Diese Emotionalität sorgte in der Vergangenheit in guten Phasen für Euphorie, in schlechten für Unruhe, die sich – begünstigt durch negative Presse- und Berichterstattung – in Wut und Verzweiflung entlud. Doch die vergangene Saison scheint die Fans der Roten Teufel in weiten Teilen bescheidener gemacht zu haben, als sie es nach den negativen Entwicklungen der letzten zehn Jahre ohnehin schon waren. Zu schmerzhaft sind für viele die Erinnerungen an den letztjährigen Abstiegskampf oder an den Treppenwitz von Thomas Hengen, dass Stagnation Rückschritt sei. Was dieser Aussage folgte, muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Der ungewöhnliche Pfälzer Burgfrieden Anders ist es nicht zu erklären, dass es seit der Vorbereitung auf die neue Saison ruhig geworden ist in der Pfalz. Auch wenn Markus Anfang nicht der Wunschtrainer eines Großteils der Fans war, auch wenn bis zum Deadline Day heftig diskutiert wurde, ob man Ache halten müsse, ob man genug dafür tue, ob man nicht die Pokal-Millionen investieren müsse, um ihm ein Angebot zu machen, das er nicht ablehnen könne – das hypernervöse Umfeld in Lautern blieb grundsätzlich ruhig und ließ Mannschaft und Trainer bis heute arbeiten. Ein Blick auf den ungebrochen hohen Zuschauerzuspruch auf dem Betze und die spürbar gute Stimmung in der Mannschaft genügt für diese Einschätzung. Selbst die Ergebnisdelle, die der FCK im September mit den Horrorauftritten gegen Hannover, Regensburg und Elversberg (für viele schon das Sandhausen des Saarlandes) durchmachen musste, wurde zwar von den Fans mit Unmut quittiert, aber nicht einmal die Lokalpresse brach den Stab über Trainer, Kaderplaner oder Geschäftsführer. Diese Ruhe trug nicht unwesentlich dazu bei, dass nach der Wende gegen Paderborn sehr gute Spiele gegen Stuttgart im Pokal und gegen Magdeburg und Nürnberg in der Liga folgten. Diese Gelassenheit gibt den Männern in Rot, die in der vergangenen Saison mit weitgehend unverändertem Kader noch im Abstiegskampf zitterten, Sicherheit. Diese Ruhe braucht man, wenn man eine Mannschaft entwickeln will. „Hoch und Weit“ ist Vergangenheit Auch hier muss der Blick zunächst auf die vergangenen Jahre gerichtet werden. Da spielten die Lautrer seit grauen Drittligazeiten einen Fußball, der zwar durchaus effektiv war, aber in weiten Teilen den Fußball-Gourmet nur selten zum Zungenschnalzen animierte. Unter Antwerpen und Schuster wurde der Kader zu einer mit schnellen Schienenspielern gespickten Struktur geformt, die aus einer kompakten Defensive heraus mit langen Bällen in die Tiefe auf die Flügel schnell operieren sollte. Diese DNA der Mannschaft ist auch unter Markus Anfang noch zu bewundern, wenngleich der aktuelle Coach der Roten Teufel eine neue Philosophie mit auf den Betzenberg gebracht hat, die immer mehr Einzug in das Spiel des FCK zu halten scheint. Ballbesitzwerte von unter 50 Prozent gehören der Vergangenheit an, häufig wird tief und unter Einbeziehung des Torhüters aufgebaut, um den Gegner zu locken und Räume für ein schnelles Passspiel in die gegnerische Hälfte zu schaffen. Die Umsetzung dieser Idee sorgte vor allem zu Beginn der Runde bei dem einen oder anderen FCK-Fan für Herzrhythmusstörungen, denn Passschärfe und -qualität sind für eine solche Spieleröffnung essentiell. Für die Innenverteidiger war beides eher eine grobe Richtlinie als ein verinnerlichter Automatismus. Mittlerweile scheint die Betze-Defensive aber verstanden zu haben, worauf es ankommt, so dass man die letzten Spiele vor der Länderspielpause auch ohne Baldrian verfolgt werden konnten. In der Ruhe liegt die Kraft Markus Anfang denkt nicht in Positionen und Spielsystemen. Vor den Spielen von Journalisten nach der heutigen Grundformation gefragt, antwortet er gebetsmühlenartig, dass er dazu nichts sagen könne. In seiner Vorstellung bewegen sich seine Spieler in einem vorgegebenen Rahmen, sollen aber eigenverantwortlich auf die Spielsituation reagieren, flexibel Räume bespielen oder abdecken und sich nicht dogmatisch auf eine bestimmte Position auf dem Feld festlegen. So fand sich Philipp Klement in der ersten Pokalrunde in Ingolstadt plötzlich als Rechtsaußen wieder, und die nominellen Außenverteidiger wechselten zwischen der Sechser- und der Außenverteidigerposition, wenn sie nicht ohnehin aus alter Gewohnheit auf der Außenbahn agierten. Typische Allrounder wie die Allzweckwaffe Daniel Hanslik oder der Innenverteidiger in der Haut eines defensiven Mittelfeldspielers Boris Tomiak hatten mit dieser Interpretation von Anfang an weniger Probleme als beispielsweise die Außenverteidiger. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Spätestens seit der Umstellung von Vierer- auf Dreier-/Fünferkette scheinen aber alle Spieler mit der ihnen zugestandenen und von ihnen geforderten kreativen Auslebung ihrer Position auf dem Feld zurechtzukommen. Auch hier scheint sich die Ruhe im und um den Verein positiv auszuwirken. Anfang will gewinnen und nicht auf Unentschieden spielen Neu ist auch der Anspruch, in Spielen mit offenem Ausgang auf Sieg zu spielen. Wurde in der letzten Saison oft versucht, das Ergebnis über die Zeit zu bringen, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen, hat der Trainer der Mannschaft den Willen eingeimpft, drei Punkte zu holen. Da hüpft natürlich das Herz der alten Bolzplatzrecken, die auf den Hartplätzen der Region nie aufgegeben hätten. Sie können gar nicht genug Stürmer haben, die bei einem Unentschieden kurz vor Schluss auf den Platz geschickt werden, um die Entscheidung zugunsten des FCK zu erzwingen. Gegen die Hertha in einem der vielen Abendspiele wurde dieser Anspruch erstmals deutlich: Der Mut, den die Männer in Rot beim 3:3 in der Schlussphase des Gala-Spiels bewiesen hatten, wurde schließlich mit dem Gegentor zum 3:4-Endstand bitter bestraft. Da half auch der Nimbus der Unbesiegbarkeit

Aufruf: Support your local U21

Foto: 1. FC Kaiserslautern / fck.de

Am Freitag kommt es in der Oberliga zum Spitzenspiel zwischen Pirmasens und Kaiserslautern. Die beste Offensive trifft auf die beste Defensive. Eure Unterstützung ist gefragt. 13 Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage. Oder anders formuliert: 41 von 48 möglichen Punkten. Hinter dieser Bilanz, die sich wie die eines Aufstiegsaspiranten liest, verbirgt sich die Statistik der U21 des 1. FC Kaiserslautern. Nach der 0:3-Heimniederlage am ersten Spieltag gegen die TuS Koblenz schien bei der Lautrer U21 eigentlich alles wie immer. Doch seitdem haben die jungen Teufel einen wahren Lauf. In den folgenden 15 Spielen erzielte die Mannschaft von Alex Bugera 70 Tore. Shawn Blum (18 Tore) führt die Torjägerliste in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar an, Lauterns zweitbester Torschütze Yasin Zor liegt mit elf Treffern auf Rang drei.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Der Aufstieg ist möglich Mit einem Punkt Rückstand belegt der FCK derzeit den zweiten Tabellenplatz hinter Spitzenreiter FK Pirmasens. Punktgleich mit den Roten Teufeln liegt Schott Mainz auf Platz drei. Und obwohl die komplette Rückrunde noch aussteht, zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Lautrer ernsthafte Chancen auf die Rückkehr in die Regionalliga haben. In der Oberliga steigt nur der Erstplatzierte direkt auf, der Zweitplatzierte qualifiziert sich für die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation. Länderspielpause? Dann supporte ich halt die U21! Zum Abschluss der Hinrunde kommt es nun zum Spitzenspiel zwischen Pirmasens und Kaiserslautern. Und da die Profis des 1. FC Kaiserslautern ein spielfreies Wochenende haben, bietet es sich an, die U21 im Sportpark Husterhöhe lautstark zu unterstützen. Die Partie wird am Freitag, 15. November, um 19:00 Uhr angepfiffen. Für Gästefans stehen im Regelfall rund 1.000 Tickets in den Blöcken G und H zur Verfügung, die Tageskassen öffnen eine Stunde vor Spielbeginn. Also FCK-Fans: Greift zum Hörer, schreibt eine Whatsapp, postet Instagram-Stories, motiviert eure Freunde und macht euch gemeinsam auf den Weg nach Pirmasens. Im Falle eines Auswärtssiegs ziehen die Lautrer an Pirmasens vorbei und gehen mit zwei Punkten Vorsprung in die Rückrunde. Wenn das nicht Ansporn genug ist.