Thomas Hengen: „Starten jedes Jahr mit einem Minus“

FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen im Gespräch mit Treffpunkt Betze über die Entwicklung des Vereins, den neuen Pachtvertrag mit der Stadt und Kritik am neuen Hauptsponsor. Der 1. FC Kaiserslautern blickt auf ereignisreiche Jahre zurück: Aufstieg aus der dritten Liga, zweimaliger Klassenerhalt und eine sensationelle Finalteilnahme im DFB-Pokal. Hinter dieser Erfolgsgeschichte steht mit Thomas Hengen ein Mann, der ruhig und besonnen die Geschäfte führt und bei Transfers oft ein goldenes Händchen bewies. Auch wenn zuletzt nicht alle Entscheidungen bei Fans auf hundertprozentige Zustimmung stießen, ist die positive Entwicklung der Roten Teufel eng mit seiner Person verbunden. Treffpunkt Betze hat mit dem Geschäftsführer in der Länderspielpause ein ausführliches Gespräch geführt. Im heutigen ersten Teil spricht Thomas Hengen unter anderem über die strategische Ausrichtung des Vereins, die Verwendung der Pokaleinnahmen und wichtige Einnahmequellen der Zukunft.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp „Zuspruch unserer Fans ist einfach Wahnsinn“ Treffpunkt Betze: Hallo Herr Hengen. Die schwierigen Zeiten in der dritten Liga scheint der FCK hinter sich gelassen zu haben. Wo steht der 1. FC Kaiserslautern heute mit Blick auf seine Gesamtstrategie? Also sportlich, finanziell und infrastrukturell? Thomas Hengen: Ich glaube, man kann sagen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Man muss solche Dinge aber immer ganzheitlich betrachten und nicht nur den Spielbetrieb in der Zweiten Liga im Fokus haben. Auch in unserer Arbeit am NLZ und im finanziellen Bereich sind wir sehr gut unterwegs und die positiven Entwicklungen sind sichtbar. Natürlich hatten wir durch den DFB-Pokalwettbewerb und das Erreichen des Finales ein außergewöhnlich gutes Jahr, aber unabhängig davon ist es uns in der letzten und auch in dieser Saison erneut gelungen, die Zuschauerzahlen zu steigern, die aktuell noch besser sind als beispielsweise im Aufstiegsjahr. Der Zuspruch unserer Fans ist einfach Wahnsinn. Das schlägt sich dann auch im Merchandising nieder, wo wir ebenfalls sehr, sehr gute Zahlen schreiben, aber dazu werden wir im Rahmen der Jahreshauptversammlung (Anm. .d. Red.: Die Veranstaltung findet am 27. November 2024 statt) mehr sagen. Das geht aber auch mit steigendem Aufwand und steigenden Kosten einher, und unsere Aufgabe ist es, das auszubalancieren. Wir haben die Verwaltung angepasst, mit der Weitsicht, die in einem vom sportlichen Erfolg abhängigen Unternehmen möglich ist. Gerade diese Bereiche waren nach dem Abstieg 2018 und nach der Planinsolvenz sehr knapp bemessen und hier gilt es, wieder gesunde Strukturen zu schaffen. Natürlich liegt unser Augenmerk auch auf dem sportlichen Bereich. Denn von einer erfolgreichen Mannschaft profitieren alle Abteilungen, sei es Merchandising, sei es Ticketing, sei es der Nachwuchs. Treffpunkt Betze: Und an welchen Stellen trägt der FCK spürbare Altlasten – vielleicht sogar noch aus Drittligazeiten? Oder anders gefragt: Wo muss sich der Verein noch verbessern, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben? Thomas Hengen: Altlasten wären für mich gleichbedeutend mit einer Belastung. Die haben wir in der Form nicht. Aber was in den letzten Jahren etwas gelitten hat und woran wir arbeiten, um einen Schritt nach vorne zu machen, ist unser Nachwuchs. Wir versuchen, uns in diesem Bereich sukzessive zu optimieren und der Erfolg gibt uns derzeit auch Recht. Die U17 und die U19 geben ein gutes Bild ab, unsere zweite Mannschaft ist in dieser Saison noch einmal auf einem anderen Niveau als im Vorjahr, all das stimmt uns optimistisch. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen und nachlassen. Treffpunkt Betze: Sie haben im Sommer gemeinsam mit dem Beirat auf eine genehmigte Kapitalerhöhung von bis zu 7,5 Millionen Euro verzichtet. Das heißt ja auch, die höheren Zuschauer- und Pokaleinnahmen reichten aus, um den laufenden Betrieb und seine Weiterentwicklung zu sichern. Wofür wurden diese Mehreinnahmen verwendet? Thomas Hengen: Die Mehreinnahmen werden vollständig in den Konzern, der wir ja sind, investiert und nach Bedarf verteilt. Sei es im administrativen Bereich, im Jugendbereich oder im Profibereich. Dort haben wir zum Beispiel das Budget um eine Million erhöht, denn um in der Liga mithalten zu können, muss man immer mehr Geld in die Hand nehmen. Wenn man sieht, welche Vereine mit welchen Budgets zu unseren Konkurrenten gehören, ist das fast selbstverständlich. Aber das ist für uns auch gar nicht erstrebenswert, mit solchen Vereinen mithalten zu können. Man muss immer auf seine eigenen Möglichkeiten schauen und seine eigene Geschichte schreiben. Man darf nie vergessen, wo man herkommt. Es ist noch nicht lange her, da standen wir kurz vor der vierten Liga, das muss man sich immer wieder vor Augen führen. Wir müssen mit den Anforderungen wachsen, aber auch immer wieder auf die Bremse treten und schauen, welche Prioritäten gesetzt werden müssen. Was ist wirklich notwendig und was ist Luxus? Hier versuchen wir uns mit Weitblick so vernünftig wie möglich aufzustellen. Was muss, muss – und Luxus steht hinten an. „Wir haben in der Liga einen Wettbewerbsnachteil“ Treffpunkt Betze: Es ist bekannt, dass der FCK einen sehr hohen finanziellen Aufwand für das Fritz-Walter-Stadion betreibt. Man kann fast schon von einem direkten Wettbewerbsnachteil sprechen. Wie steht es hierbei um den neuen Pachtvertrag? Gibt es schon Erkenntnisse, wie der FCK davon profitieren kann? Thomas Hengen: Es ist absolut so, dass wir in der Liga einen Wettbewerbsnachteil haben. Man startet jedes Jahr mit einem nicht unerheblichen Minus, das dann immer wieder aufgeholt werden muss. Wir sind derzeit in guten Gesprächen mit der Stadt über den neuen Pacht- und Betreibervertrag. An anderen Bundesligastandorten zahlen die Vereine nur für die Nutzung des Stadions an den Spieltagen, bei uns geht es um die Pacht für das ganze Jahr. Die Stadt Kaiserslautern und der FCK werden also zu einer Art Zweckgemeinschaft, für die im neuen Vertrag Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten festgelegt werden. Finanziell wird sich für uns nicht viel ändern. Das Stadion ist und bleibt ein enormer Kostenfaktor und zudem ein Sanierungsfall, da in den letzten Jahren nur in die Substanzerhaltung und nicht in die Renovierung investiert werden konnte. Aber natürlich muss das Stadion auch immer wieder modernisiert und instandgesetzt werden, um mit der Zeit zu gehen. Die Westkurve ist zum Beispiel sichtlich in die Jahre gekommen, die Sitze sind veraltet, die Betonsicherheit muss gewährleistet sein, die Wasserleitungen sind veraltet und müssen erneuert werden, diese Aufzählung könnte ich noch weiter fortführen. Der neue Vertrag soll eine Sicherheit für beide Seiten bringen, von der