Thomas Hengen: „Hinterfrage meine Entscheidungen immer“

Im zweiten Teil unseres Interviews beantwortet Thomas Hengen eine der meistgestellten Fragen der letzten Wochen. Und es geht um die neue Spielidee und die Entwicklung im NLZ. Im ersten Teil unseres ausführlichen Interviews mit Thomas Hengen sprachen wir mit dem FCK-Geschäftsführer über die strategische Ausrichtung des Vereins, die Verwendung der Pokaleinnahmen und wichtige Einnahmequellen der Zukunft. Im zweiten Teil spricht der 50-Jährige über die Entlassung von Dirk Schuster, die wirtschaftliche Stabilität des FCK und die positive Entwicklung im NLZ. Außerdem gibt er Einblicke in die Vertragsgestaltung des Leihgeschäfts mit Gent über Daisuke Yokota. Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Spielphilosophie: „Es geht darum, flexibel zu sein“ Treffpunkt Betze: Nach einer sensationellen Hinrunde in der ersten Zweitliga-Saison folgte eine Veränderung im Spielstil. Vom reaktiven Umschaltspiel hin zu einem spielerischen und ballbesitzorientierten Ansatz. Dieser Versuch endete mit der Entlassung von Schuster und einem sehr kurzen Experiment mit Dimitrios Grammozis. Welche Notwendigkeiten und Beweggründe stehen Ihrerseits hinter der Entwicklung einer Spielweise, die auch Markus Anfang heute zu implementieren versucht? Thomas Hengen: Es geht darum, mehrere Ideen, Pläne und flexible Lösungen dafür zu haben. Es spricht nichts dagegen, defensiven oder Umschaltfußball zu spielen, aber es geht darum, flexibel zu sein. Letztes Jahr in Düsseldorf haben wir nach einer halben Stunde 3:0 geführt und konnten dann nicht mehr umschalten, weil wir kaum noch aus der Defensive rausgekommen sind. Da hätten wir mehr in den Ballbesitz gehen müssen, um das Spiel zu beruhigen. Das haben wir jetzt im letzten Spiel in Düsseldorf anders gemacht und gezeigt, dass wir auch nach einem Rückstand weiter Fußball spielen und die Räume nutzen können. In der ersten Halbzeit haben wir ein bisschen mehr auf Umschaltspiel gesetzt, in der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen mehr Fußball gespielt. Das sind die Dinge, die dich für den Gegner schwer ausrechenbar machen, und das musst du in dieser anspruchsvollen zweiten Liga, in der die Hälfte der Mannschaften um den Aufstieg spielt, auch sein. Bei den Entscheidungen, die wir treffen, geht es immer darum, den Verein in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Wir müssen auf allen Ebenen versuchen, mit der Zeit zu gehen und das nächste Level zu erreichen. Es geht überhaupt nicht darum, eine Spielweise zu verteufeln. Als gelernter Abwehrspieler ist mir ein 1:0 immer lieber als ein 4:3. Es geht um die Gesamtentwicklung der Mannschaft und ihre Flexibilität. Treffpunkt Betze: Sie haben nach der Entlassung von Dirk Schuster einen Satz geäußert, der im Gedächtnis geblieben ist: “Stagnation ist Rückschritt”. In der Folge geriet der FCK sogar in den Abstiegskampf und manch einer wünschte sich diese Stagnation unter Schuster zurück. Hatten Sie im Abstiegskampf der vergangenen Saison an irgendeiner Stelle den Eindruck, mit Schusters Entlassung einen Fehler gemacht zu haben? Thomas Hengen: Das ist die Fansicht und die ist auch völlig in Ordnung. Da gehe ich voll mit, weil für unsere Fans natürlich die Ergebnisse im Vordergrund stehen. Die Aussage, die ich getroffen hatte, zielte aber nicht auf Ergebnisse ab. Es ging um die Art der Spielgestaltung, der Flexibilität und die Art der Trainingsgestaltung und moderner Trainingsmethodik. Nach jedem Spiel werden verschiedene Statistiken aufgezeigt, die man aber auch selbst im Blick haben muss. Das war nicht immer in allen Bereichen gegeben, mittlerweile ist das anders. Wir wissen, welche Laufwerte beispielsweise erreicht werden können, weil entsprechende Prüfungen gemacht werden. Meine Aufgabe ist es, immer das große Ganze zu sehen. Wie entwickelt sich der einzelne Spieler? Wie entwickeln wir uns als Team? Wie entwickeln wir unseren Fußball weiter? Es nützt natürlich nichts, wenn man nur gut spielt und nicht gewinnt. Das wissen wir alle. Aber das eine bedingt nicht das andere. Es kann beides sein, das wäre der Idealfall. Wir wollen dahin kommen, dass wir nicht zufällig ein Spiel gewinnen, sondern dass man schon klar sieht, wo die Reise hingeht und warum und wieso wir was machen. Und was ganz wichtig ist, bei allen Entscheidungen geht es nie gegen jemanden persönlich, es geht immer nur um die Sache. „Man kann schlecht spielen, aber man kann nicht schlecht kämpfen“ Treffpunkt Betze: Erst die defensiv orientierte Spielweise von Friedhelm Funkel, die der von Schuster sehr ähnlich war, brachte den Erfolg im Abstiegskampf. Auch unter Markus Anfang hatte die Mannschaft, wenn sie offensiv ausgerichtet war, große Probleme in der Defensive. Wie bewerten Sie den Kader an dieser Stelle? Ist es Ihnen gelungen, für diese Spielweise, für die auch Markus Anfang steht, den richtigen Kader zusammenzustellen? Thomas Hengen: Auf jeden Fall. Sonst wären wir nicht in der Lage gewesen, verschiedene Systeme zu spielen. Aber wenn dir mit Kenny (Anm. d. Red.: Kenny Prince Redondo) und Aaron (Anm. d. Red.: Aaron Opoku) gleichzeitig der linke und der rechte Flügel ausfallen, dann ist man als Trainer gezwungen, Anpassungen vorzunehmen. Außerdem war schon zu Beginn der Saison klar, dass wir den Kader um mindestens einen weiteren Flügelspieler ergänzen wollten, was uns mit der Verpflichtung von Dai (Anm. d. Red.: Daisuke Yokota) auch gelungen ist. Aber auch er kam erst am letzten Tag des Transferfensters zu uns und brauchte noch etwas Eingewöhnungszeit. Mit ihm ist uns nochmal ein echtes Upgrade gelungen. Wir haben einen flexiblen Spieler dazugewonnen, der sowohl auf dem Flügel als auch zentral hinter den Spitzen spielen kann. Es ist immer schwieriger, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen als aus Umschaltmomenten. Das ist ein Problem, das auch die ganz großen Vereine haben. Bestes Beispiel ist das letzte Spitzenspiel in der Bundesliga zwischen Leverkusen und Stuttgart (Anm. d. Red.: Endstand 0:0). Der VfB stand sehr tief und verteidigte so gut, dass es selbst für Bayer schwer war, durchzukommen. Ähnlich war es für uns in Regensburg, die hinten massiv standen und ihr Tor verteidigen konnten. Das Niveau zu erreichen, dann solche Spiele zu dominieren und den eigenen Stil durchzusetzen, das wäre schon top. Aber so weit sind wir noch nicht und man braucht ja auch Ziele im Leben (lacht). // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Treffpunkt Betze: Nach der 0:1-Niederlage in Elversberg forderten Sie die Mannschaft bereits zum