Elversberg jagt den FCK: Wer verteidigt die Spitzenplätze?

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Nach dem überzeugenden Sieg gegen Regensburg eröffnen die Pfälzer den Spieltag gegen einen direkten Konkurrenten. Allerdings droht ein wichtiger Leistungsträger auszufallen. Der Mehrkampf um die Tabellenspitze ist eröffnet. Am Freitagabend um 18.30 Uhr empfängt der 1. FC Kaiserslautern mit der SV Elversberg den nächsten direkten Verfolger. Ein Verein, der sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt hat und längst nicht mehr nur der kleine Underdog aus dem Saarland ist.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp SV Elversberg: Mehr als nur ein Überraschungsteam Die Saarländer, die nur drei Punkte hinter dem FCK liegen, wollen ihre starke Serie von fünf Spielen ohne Niederlage (drei Siege und zwei Unentschieden) fortsetzen. Die SVE zählt nach Greuther Fürth zu den formstärksten Teams der Liga und beeindruckte zuletzt vor allem mit einer enorm stabilen Defensive. In den letzten vier Spielen blieb die SVE ohne Gegentor, saisonübergreifend behielt sie bereits zehnmal ihre weiße Weste – Ligabestwert. Nun hat die Mannschaft von Trainer Horst Steffen die Chance, sich weiter nach oben zu orientieren und den FCK in der Tabelle zu überholen. Doch auch oder gerade in der Offensive überzeugt Elversberg: Nach dem torlosen Unentschieden gegen den SSV Ulm meldete sich das Team am vergangenen Sonntag mit einem eindrucksvollen 4:0-Heimsieg gegen Hertha BSC zurück. Mit 44 Toren gehört sie zu den treffsichersten Mannschaften der Liga. Besonders hervorzuheben ist der von der TSG Hoffenheim ausgeliehene Fisnik Asllani, der mit zwölf Saisontoren gemeinsam mit Ragnar Ache auf Platz vier der Zweitliga-Torschützenliste liegt. Bemerkenswert ist auch, dass keine andere Mannschaft der Liga häufiger aus der Distanz trifft als die SVE. Das unterstreicht die spielerische Klasse der Mannschaft. Horst Steffen setzt auf eine technisch versierte, passorientierte Spielweise mit vielen kurzen Pässen und weitgehendem Verzicht auf lange Bälle oder Flanken. Doch es gibt auch Schwächen: Besonders in der Luft hat Elversberg Probleme. Kein anderes Team lässt mehr gegnerische Kopfbälle zu. Dies könnte dem FCK eine vielversprechende Möglichkeit bieten, das Spiel für sich zu entscheiden. Personell ist der Einsatz von Younes Ebnoutalib noch fraglich, während Maximilian Rohr nach abgesessener Gelbsperre wieder zur Verfügung steht. Yokota & Gyamerah fehlen – Krahl & Alidou fraglich Flügelflitzer Daisuke Yokota muss wegen einer Risswunde am Spann weiterhin pausieren. Auch Jan Gyamerah steht wegen anhaltender Oberschenkelprobleme nicht zur Verfügung. Ob Stammkeeper Julian Krahl auflaufen kann, ist noch offen. Der 25-Jährige laboriert derzeit an Hüftproblemen, für ihn könnte Neuzugang Simon Simoni zwischen die Pfosten rücken und sein Debüt im FCK-Dress feiern. Auch hinter dem Einsatz von Faride Alidou steht aufgrund von Knieproblemen noch ein Fragezeichen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass Cheftrainer Markus Anfang im Vergleich zum Spiel gegen Regensburg nur wenige Veränderungen vornehmen wird. Voraussichtliche Aufstellung: Krahl (Simoni) – Elvedi, Sirch, Bauer – Zimmer, Kaloc, Breithaupt, Kleinhansl – Ritter – Hanslik, Ache Heimvorteil als Schlüssel zum Sieg? In den bisherigen drei Aufeinandertreffen konnte sich jeweils das Heimteam durchsetzen. Die letzten beiden Duelle entschied Elversberg mit einem 1:0-Sieg im Hinspiel und einem 2:1-Erfolg in der vergangenen Saison für sich. Die bisher einzige Begegnung auf dem Betzenberg ging allerdings an den FCK: Nach einem 1:2-Rückstand drehten die Roten Teufel die Partie noch und gewannen mit 3:2. Auch für FCK-Trainer Markus Anfang war Elversberg bislang ein schwieriger Gegner. In drei Spielen als Cheftrainer gelang ihm nur ein Unentschieden gegen die Saarländer. Für alle Daheimgebliebenen gibt es das Spiel wie gewohnt im Livestream auf Sky oder OneFootball. Quelle: Treffpunkt Betze

Dr. Markwart Herzog: “Der FCK hat eine jüdische Tradition“

Foto: Harald Langer

Drei Fragen, drei Antworten: Sporthistoriker Dr. Markwart Herzog über seinen Weg zum FCK, die jüdische Historie der Roten Teufel und den heutigen Umgang mit der Geschichte. Kaum jemand hat sich so tief in die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingegraben wie Dr. Markwart Herzog. Der promovierte Religionsphilosoph hat sich in seinem Buch “Der ‘Betze’ unterm Hakenkreuz“ intensiv mit den Roten Teufeln in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt. Im Interview mit Treffpunkt Betze spricht das Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur über seine Recherchen, neue Erkenntnisse und die Rolle Fritz Walters.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp “Die ‘Klopper vom Betzenberg‘ wurden jede Saison totgesagt” Treffpunkt Betze: Hallo Herr Dr. Herzog, erzählen Sie uns etwas über sich. Wie sind Sie zum FCK gekommen? Dr. Markwart Herzog: Mein Vater hasste Fußball. Wir durften früher eigentlich nicht Fußball spielen, mussten sogar die kurzen Hosen unter den normalen Klamotten tragen, um dann heimlich auf einem Acker kicken zu können. Später wurde ich gelegentlich von einem Freund der Familie ins lokale Stadion zum VfR Heilbronn mitgenommen, habe mich dann doch für den FCK entschieden. Wahrscheinlich, weil die ‘Klopper vom Betzenberg‘ jede Saison totgesagt wurden und doch immer wieder dem Schicksal ein Schnippchen schlugen. Mein erstes FCK-Spiel war im Stuttgarter Neckarstadion (Anm. d. Red.: am 31.05.1975), als der VfB unbedingt gewinnen musste, um nicht abzusteigen. Doch der FCK schaffte dank Hannes Riedl einen seiner seltenen Auswärtssiege und die Stuttgarter stiegen zwei Spieltage später ab. Ein weiteres Spiel ist das legendäre 2:0 gegen die Bayern in der Aufstiegssaison 2010/11. “Der FCK war antisemitischer Vorreiter” Treffpunkt Betze: In Ihrem Buch “Der ‘Betze’ unterm Hakenkreuz“ schreiben Sie über die Verstrickungen zwischen dem NS-Regime und den Roten Teufeln. Wie muss man sich den Betze in dieser Zeit vorstellen? Welche Personen prägten den FCK in dieser Zeit? Dr. Markwart Herzog: Der 1. FC Kaiserslautern verhielt sich wie viele andere Vereine opportunistisch. Am 9. April 1933 beschlossen 14 Vereine, die an der Endrunde zur süddeutschen Meisterschaft teilnahmen, darunter auch der FCK, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen. Der FCK war der erste Verein, der diesen Arierparagraphen einführte und damit eine Vorreiterrolle einnahm. Eine entscheidende Persönlichkeit war der damalige Vorstandsvorsitzende Ludwig Müller. Als Funktionär ging er den antisemitischen Weg der Gleichschaltung mit, um das Beste für den Verein herauszuholen. Als Privatmann pflegte er aber weiterhin Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitgliedern und nahm sie auch zu Auswärtsspielen mit. Das sind neuere Erkenntnisse, die mich gezwungen haben, Passagen meines Buches zu revidieren. Aber eines bleibt untrennbar: der FCK und seine jüdischen Akteure. Als Fritz Walter mit acht Jahren zum FCK kam, hatte der FCK einen jüdischen Schriftleiter, einen jüdischen Mannschaftsarzt, jüdische Sponsoren – eben eine jüdische Traditionslinie. Walter selbst verweigerte beispielsweise in Briefen stets den Hitlergruß. Wir sollten aufklären und das Thema öffentlich aufarbeiten Treffpunkt Betze: Was können wir als FCK-Gemeinschaft tun, um dieses jüdische Erbe im Verein zu bewahren? Dr. Marktwart Herzog: Ich war einmal in einer großen Berufsschule in Kaiserslautern eingeladen, um über den Nationalsozialismus zu sprechen. Die Veranstaltung war freiwillig und trotzdem war die Aula sehr gut besucht. Und obwohl am Ende meines Vortrags die Glocke läutete, blieben alle sitzen und beteiligten sich an einer spannenden Diskussion über den FCK und den Nationalsozialismus. Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Man kann und sollte das Thema konstruktiv aufgreifen und öffentlich verarbeiten. Stefan Kuntz hatte mich zum Beispiel gebeten, im Stadionmagazin über die jüdischen Mitglieder des Vereins aufzuklären und zu informieren. Das “Thema FCK im Nationalsozialismus” hat großes Potenzial. Quelle: Treffpunkt Betze