Der FCK ist der Aufsteiger des Spieltags

Foto: Andreas Leiner

Der 1. FC Kaiserslautern steigt auf – zumindest in den Kreis der heißesten Aufstiegsaspiranten nach einem Spieltag, der aus Pfälzer Sicht nicht besser hätte laufen können. Die vergangene Woche lieferte wieder einmal das, was man vom FCK seit vielen Jahren kennt – man mutierte zu “Chaoslautern”. Welchen Anteil die Medien, die Investoren oder die Vereinsführung daran haben, dass Markus Anfang vor einer Woche erst mit Schalke in Verbindung gebracht wurde, um zwei Tage später tatsächlich direkt freigestellt zu werden, soll nicht Gegenstand dieses Kommentars sein. Im Mittelpunkt soll das stehen, was der neue Trainer und Pfälzer Bub Torsten Lieberknecht mit seiner Mannschaft auf den Platz gebracht hat. Bei bestem Frühlingswetter und vor ausverkauftem Haus gewannen die Lauterer gleich dreifach: gegen erschreckend schwache Schalker, gegen den VAR und ein Stück weit auch gegen die eigene Angst.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Neu gemischte Karten Wenn ein neuer Trainer kommt, bekommen Spieler, die bisher weniger zum Zug gekommen sind, neue Chancen. So setzte Lieberknecht zu Beginn auf Frank Ronstadt als Rechtsverteidiger, der seine Sache recht ordentlich machte. Filip Kaloc, der zuletzt nicht immer in der Startelf gestanden hatte, zahlte das Vertrauen des Trainers mit einer sehr soliden Leistung zurück. Das gilt auch für einen, der zuletzt gar nicht in der Startelf stand: Tobias Raschl wurde kurz vor Beginn der Schlussviertelstunde eingewechselt und machte eine sehr ordentliche Partie. Dass Mika Haas sogar noch ein paar Minuten mehr spielen durfte, ist wohl als Fingerzeig an alle im Kader zu verstehen, dass für einen erfolgreichen Saisonabschluss alle gebraucht werden. Der Trainer wies in seiner ersten Pressekonferenz darauf hin, dass er kein Team im Abstiegskampf übernommen habe, sondern eine Mannschaft aus der erweiterten Tabellenspitze, die durchaus kicken könne. Deshalb wolle er vor allem auf der psychologischen Ebene ansetzen und den Jungs Selbstvertrauen und Leichtigkeit zurückgeben. Und wenn alle Spieler das Gefühl haben, eine realistische Einsatzchance zu haben, so wie es sich im Spiel gegen Schalke angedeutet hat,dann sollte sich das positiv auf den Konkurrenzkampf und die Stimmung auswirken. Taktische Feinheiten Betrachtet man die taktischen Veränderungen, so fällt vor allem auf, dass Julian Krahl seine Abstöße nicht mehr zwingend kurz ausführen muss. Nicht nur Markus Anfang, sondern auch viele andere Trainer in den Profiligen wollen mit dieser Form der Ausführung den Gegner locken, um die erste Pressinglinie des Gegners schnell zu überspielen. Das ist toll, wenn es klappt, führt aber zu kritischen Situationen in der Abwehr und zu einem Raunen im Stadion, wenn es nicht funktioniert. Im Spiel gegen die Gelsenkirchener blieben solche brenzligen Szenen aus, was der Mannschaft Sicherheit gegeben haben dürfte. Zudem hat sich Lieberknecht in der Pressekonferenz die Verbesserung der Strafraumbesetzung ins Pflichtenheft geschrieben. Und auch wenn der Gegner heute über weite Strecken kein guter Gradmesser war, wirkten die Lautrer bemühter, mit mehr Spielern als nur Ragnar Ache im Strafraum zu sein. Ein Indiz dafür sind die 115 gelaufenen Kilometer – rund 10 mehr als in der Vorwoche gegen Braunschweig und zwei mehr als der Gegner. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Keine offenen Fragen mehr Ragnar Ache hatte im Spiel gegen Schalke mehrere hochkarätige Einschussmöglichkeiten innerhalb und außerhalb des gegnerischen Sechzehners. Doch das Tor schien wie vernagelt: Entweder stand S04-Keeper Justin Heekeren im Weg oder es fehlte die letzte Präzision. Die Statistiker zählten, wie bei Stürmern seines Kalibers üblich, schon wieder die Minuten, die er ohne Torerfolg geblieben war. Zuletzt hatte er sich Ende März in die Torschützenliste eingetragen. Doch in der 72. Minute schien der Knoten endlich geplatzt zu sein, als er den Ball nach schönem Zuspiel von Raschl im Schalker Tor unterbrachte. Nur der VAR, in den letzten Wochen sicherlich nicht der größte Fan der Pfälzer, hatte etwas dagegen und entschied auf Abseits. Dass er fünf Minuten später die ungleich schwierigere Chance regelkonform zum 2:1 verwandelte, dürfte in vielerlei Hinsicht als Brustlöser zu werten sein. Die Frage nach den Außenverteidigern beantwortete Lieberknecht überraschend. Mit Frank Ronstadt und Jean Zimmer spielten zumindest zwei ihrer Zunft auf dem rechten Flügel. Dass in der Zeit, in der Ronstadt nicht mehr und Zimmer noch nicht auf dem Platz stand, mit Kenny Redondo und Mika Haas zwei Spieler auf den defensiven Außenbahnen standen, die sicherlich nicht als erste, zweite oder gar dritte Wahl für diese Positionen eingeplant waren, dürfte ein weiteres Argument für Kritiker der Kaderplanung sein. Der Psycho-Boost im Schneckenrennen Für alle, die es vergessen oder verpasst haben, hier der alljährliche Marketing-Claim der berichtenden Medien: Es ist die stärkste 2. Liga aller Zeiten. Man ist schnell geneigt, diese These zu verneinen, weil die aktuelle Tabellenspitze so wenig Punkte gesammelt hat und die halbe Liga drei Spieltage vor Schluss noch berechtigt von Aufstieg und Relegation träumen kann. Dafür spricht, dass in diesem Jahr tatsächlich jeder jeden schlagen kann und die Karten Wochenende für Wochenende neu gemischt werden. Ein Traum für die Wettanbieter, ein Albtraum für die Wettkunden. Doch was ist noch drin für die Jungs vom Betzenberg? Bei einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz und sogar “nur” fünf Punkten auf Tabellenführer Köln, gegen den man bekanntlich am letzten Spieltag auch noch spielt, sollte noch einiges möglich sein. Nächste Woche geht es zum Derby gegen die ungeliebten “Gelbfießler” aus Karlsruhe. Die haben zwar am Wochenende in Hamburg einen Coup gelandet, aber das sollte den FCK nicht weiter beeindrucken. Lässt man sich auf die Emotionen des Pfalz-Baden-Duells ein und kann Lieberknecht das Defensivverhalten seiner Mannschaft noch verbessern, sind drei Punkte gegen den KSC nicht undenkbar. Und wer weiß, welche Kräfte ein Derbysieg auf der Zielgeraden des Schneckenrennens um den Aufstieg freisetzen kann. Quelle: Treffpunkt Betze

Lieberknecht schwärmt : “Besonderer Tag für die Region”

Foto: Andreas Leiner

Mit dem gelungenen Einstand von Torsten Lieberknecht hat der 1. FC Kaiserslautern ein Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen gesetzt. Die Spieler und der Cheftrainer mit den Stimmen zum Spiel. Die Fans im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion bekamen in der ersten Halbzeit der Partie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Schalke 04 keinen fußballerischen Leckerbissen geboten. Das Spiel beider Mannschaften war von wenig Tempo und kaum gefährlichen Torraumszenen geprägt. Umso überraschender war der Führungstreffer von Daisuke Yokota kurz vor der Halbzeit. Nach der Pause hatte Daniel Hanslik bereits nach zehn Sekunden das 2:0 auf dem Fuß, scheiterte aber an Justin Heekeren. Auch Ragnar Ache vergab seine Großchancen kläglich. Die Roten Teufel verpassten es mehrfach auf 2:0 zu erhöhen, im Gegenzug erzielte Moussa Sylla den bis dahin nicht unverdienten Ausgleich. Rund 15 Minuten vor dem Ende gelang Ragnar Ache der Treffer zum 2:1-Endstand. Mika Haas, Frank Ronstadt, Tobias Raschl, Ragnar Ache und Torsten Lieberknecht mit ihren Stimmen zum Spiel.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp Mika Haas: War keine einfache Zeit “Es war zuletzt keine einfach Zeit für mich, deswegen bin ich umso glücklicher, dass ich heute mein Betze-Debüt geben konnte und meine harte Arbeit belohnt wurde. Da ich am Samstag nicht im Kader der U21 stand, konnte ich mir fast denken, dass ich heute dabei bin – am Samstagabend bekam ich dann die Bestätigung. Ich muss sagen, dass man als Spieler die Atmosphäre nicht so wirklich wahrnimmt, weil man selbst so im Tunnel ist. Wenn man dann aber einen Zweikampf oder ein Kopfballduell gewinnt, hört man, wie das Stadion auflebt. Natürlich ist es schade, dass ich weniger bei der U21 bin, weil da meine ganzen Freunde sind, aber irgendwann muss man den Schritt machen und wenn ich diesen nun gehen kann, ist es umso besser.” Frank Ronstadt: Die Stimmung ist gut “Ich bin glücklich und dankbar. Unter der Woche hat jeder Gas gegeben und anhand dessen hat sich der Trainer für eine Aufstellung entschieden. Jeder musste sich reinhängen und ich glaube, dass das auch jeder gemacht hat. Das zeichnet uns als Team einfach aus. Die Stimmung in der Mannschaft ist immer gut und wir sind füreinander da. Wir halten auch im Training die Intensität sehr hoch. Dadurch haben wir keine Probleme mit der Ausdauer, was es uns im Spiel einfacher macht. Der Trainer hat uns gesagt, dass wir selbstbewusst und frei aufspielen sollen. Wir hatten unsere Abläufe drin und wussten, was wir zu tun hatten. Vor allem Lockerheit und Freiheit sind sehr wichtig. “ Tobias Raschl: Ein geiles Gefühl “Ich bin erleichtert und einfach froh, dass ich mal wieder auf dem Platz stehen konnte und wir dann noch das Spiel gewonnen haben. Es ist einfach ein geiles Gefühl, vor allem da die letzten Monate für mich persönlich eine schwierige Zeit waren. Für mich ist es auch zweitrangig, ob ich heute ein Tor vorbereitet oder nicht, Hauptsache wir nehmen die drei Punkte mit. Ich sollte Gas geben und neue Impulse ins Spiel bringen. Das erhofft man sich natürlich immer von den Jungs, die man reinbringt. Der Trainer hat uns im Vorfeld auch so darauf vorbereitet, dass alle das Gefühl haben, dass sie gebraucht werden und wichtig sind. Er hat unter der Woche mit uns allen viele Gespräche geführt und eine positive Stimmung in die Kabine gebracht. Er hat auch mit mir persönlich geredet und gesagt, dass er mir eine neue Chance geben möchte.” Ragnar Ache: Letzten Wochen liefen katastrophal “Vor meinem Tor hatte ich auch schon ein paar Chancen und ich dachte mir, dass das nicht wahr sein kann, weil die letzten Wochen für mich auch katastrophal liefen. Aus dem Spiel heraus habe ich in letzter Zeit eigentlich keine Tore gemacht. Dann mache ich das Tor und höre, dass es aufgrund von Abseits nicht zählt. Das tat natürlich weh und war sehr frustrierend. Ich habe versucht weiterzumachen und am Ende doch noch das Tor gemacht. Wir haben heute den ersten Schritt gemacht und müssen jetzt so weitermachen. Am Ende des Tages müssen wir auf uns selbst schauen und unsere Spiele gewinnen. Wenn wir nicht gewinnen, hilft uns das auch nicht weiter. Der Trainerwechsel kam schon sehr überraschend. Wir hatten in den letzten Spielen keine gute Leistung gezeigt, aber unterm Strich doch eine gute Saison gespielt. Für mich ist das jetzt schon der fünfte Trainer in zwei Jahren, das erlebt man auch nicht allzu oft. Es war eine sehr turbulente Woche.” Torsten Lieberknecht: Sieg war nicht unverdient “Das Spiel heute war ein wilder Ritt. Wir wollten eine Negativserie beenden und ein paar Details verändern. Da wir viele Torchancen hatten, war der Sieg auch meiner Meinung nach nicht unverdient. Ich wollte der Mannschaft und auch denen, die nicht dabei waren, das Gefühl geben, dass sie weiterhin dranbleiben sollen. Den Kader haben wir nach den Trainingseindrücken zusammengestellt. Mit der unfassbaren Pfalz-Choreo und dem Sieg war das heute ein besonderer Tag für die Region.” Quelle: Treffpunkt Betze