Mehr verloren als gewonnen?

Foto: Imago / Jan Hübner

Vom Fast-Absteiger zum souveränen Klassenerhalt: Eine erfolgreiche Saison, die sich jedoch nicht zwingend so anfühlt. Dafür gibt es drei Gründe, deren Aufarbeitung Mut machen dürfte. Torsten Lieberknecht sollte das Unmögliche möglich machen und mit einer zusammengeschusterten (like, wer ihn noch kennt) Truppe in vier Spielen zumindest die Relegation sichern. Am letzten Spieltag gab es nur noch den rechnerisch letzten Strohhalm, an den sich die Lautrer mit einem eigenen Sieg und Schützenhilfe hätten klammern können. Stellvertretend für den gesamten Saisonverlauf und das Gefühl, mit dem die FCK-Spieler ihre Fans in die Sommerpause entließen, stand schließlich das auch in der Höhe verdiente 0:4-Debakel gegen die Geißböcke. In Kaiserslautern, in der gesamten Pfalz und bei allen, die es mit den Roten Teufeln halten, lastet der siebte Platz in der Abschlusstabelle wie ein bleierner Schleier auf dem Gemüt. Ursächlich hierfür sind drei Problemkomplexe.  Betze-News direkt aufs Smartphone? Kein Problem mit unserem Whatsapp-Channel: https://bit.ly/betze_whatsapp 1. Der Wunsch nach Kontinuität Wer täglich arbeiten geht, kennt es: Irgendwann hat man sich mit seinem Vorgesetzten eingespielt. Man weiß, wie man miteinander umgehen muss, hat verstanden, wie der jeweils andere tickt, und spricht „dieselbe Sprache“. Geht der Chef dann, muss man sich umstellen. Es werden andere Dinge erwartet und nicht mehr alles funktioniert wie gewohnt. „Disruption“ ist der neudeutsche Ausdruck dafür und bedeutet, dass es gut sein kann, verkrustete Strukturen durch radikale Veränderungen aufzubrechen, um ungeahnte Potenziale zu erschließen. Die Spieler des 1. FC Kaiserslautern erleben solche disruptiven Situationen mindestens einmal pro Jahr, wenn nicht sogar öfter. Hendrick Zuck und Avdo Spahic sind die dienstältesten Spieler im Kader der Roten Teufel. Mit Torsten Lieberknecht erleben beide bereits den neunten Trainer innerhalb von sechs Jahren. Und jeder dieser Fußballlehrer brachte seine eigene Idee von Fußball mit, stellte die Teams jeweils darauf ein und ergänzte bzw. verschlankte den Kader nach seinen Wünschen. Die Folge: Die Mannschaft besteht heute aus einer Vielzahl von Spielern, deren Spielweisen nicht ohne Weiteres kompatibel sind. Vereine wie Elversberg oder Heidenheim im kleineren und Augsburg, Freiburg sowie Mainz im etwas größeren Rahmen machen vor, wie moderne Fußballclubs erfolgreich sein können, ohne dabei auf Millionenumsätze aus dem internationalen Geschäft angewiesen zu sein. Sie alle eint, dass sie als Verein oder Fußballunternehmen einer wirtschaftlichen und sportlichen Strategie folgen. Der FCK sollte sich ebenfalls überlegen, wofür er in mittel- und langfristiger Zukunft stehen will, und alle Entscheidungen – seien sie unternehmerischer oder personeller Art – diesen Überlegungen unterordnen. 2. Ein Kader ohne strategische Handschrift Es ist daher nicht verwunderlich, dass die aktuelle Mannschaft aus Spielern besteht, die in unterschiedlichen Spielkulturen sozialisiert wurden. Sie können daher nicht alle ihre Stärken in dasselbe System einbringen. Ein Beispiel gefällig? In der Sturmspitze funktionierte nach seiner Verpflichtung nur Ragnar Ache, da alle Trainer sein Potenzial erkannten und ihre Spielidee auf ihn ausrichteten. Die Versuche, ihn während seiner verletzungsbedingten Pausen adäquat zu ersetzen – sei es durch den Torschützenkönig aus der 3. Liga, Jannik Mause, das Talent Grant Ranos oder den hoch gehandelten Ex-Frankfurter Faride Alidou – scheiterten kläglich. Diese Stürmer sind in ihrer Anlage zu unterschiedlich und wirkten bei ihren Einsätzen in dieser Saison nicht selten wie Fremdkörper. Zudem konnte der FCK in der abgelaufenen Saison zwar auf einen großen Kader zurückgreifen, setzte aber nur in ganz wenigen Fällen durch Einwechslungen während des Spiels neue Impulse. Die Leistungs- und Qualitätsunterschiede waren zu groß, und die Spieler, die einander zu ersetzen versuchten, waren zu unterschiedlich. Es gab kaum einen Spielertausch während einer Partie, der nicht gleichbedeutend mit einer Anpassung des Systems war. Die in der ersten Hälfte der Rückrunde fast schon zur Tradition gewordene Einwechslung von Jannis Heuer, die stets eine Umstellung auf eine Viererkette und ein Vorziehen von Luca Sirch ins Mittelfeld zur Folge hatte, funktionierte auf spieltaktischer Ebene nur selten. Damit ist der Übergang zur größten inhaltlichen Frage auf dem Betzenberg in den letzten zwei Jahren geschafft: Dreier-/Fünfer- oder Viererkette? Der „Schusterball” basierte auf einer Defensive mit fünf Abwehrspielern, wobei die Außen als klassische Schienenspieler angelegt waren. Grammozis kündigte im Winter-Trainingslager Anfang 2024 zwar die von Hengen geforderte Vierer-Defensive an, ließ dann aber mit fünf Verteidigern auflaufen, was Funkel übernahm. Markus Anfang trat mit der Prämisse an, sehr variabel und liberal an die Formation heranzugehen. Doch erst mit der Abkehr vom Quartett und der Umstellung auf das Quintett vor Julian Krahl stellte sich der Erfolg ein. Es scheint, als müsse in der Sommerpause ein für alle Mal der metaphorische gordische Knoten durchschlagen werden, damit der Kader passend geplant und der Grundstein für eine erfolgreiche neue Saison gelegt werden kann. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. 3. Dauerbaustelle Defensive 48, 64, 55 – nein, das ist weder ein Vorschlag für den nächsten Lottoschein noch ein neuer Hit der Sportfreunde Stiller. Vielmehr entsprechen diese Zahlen der Anzahl der Gegentore der Pfälzer seit dem Wiederaufstieg in die zweite Liga. Die Meister im Unterhaus weisen im gleichen Zeitraum eine Gegentrefferbilanz von 36, 36 und 38 auf. Es liegt auf der Hand, dass eine verbesserte Abwehr automatisch zu besseren Ergebnissen und Endplatzierungen führt. Vor diesem Hintergrund gab die Clubführung unlängst das Ziel aus, in der kommenden Saison einen signifikant besseren Wert bei den kassierten Toren zu erreichen. Ein lobenswertes Ziel, wenn man der alten Fußballphilosophie Glauben schenkt, nach der die Offensive Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinnt. Hierzu muss der Raum vor dem Strafraum endlich auf voller Breite dicht gemacht werden. Die Doppelsechs war ein Lösungsansatz, für den in der abgeschlossenen Spielzeit aber zu keinem Zeitpunkt zwei passende Spieler gleichzeitig in entsprechender Form zur Verfügung standen. Kaloc ist eher ein Achter als ein Sechser, Robinson ist noch zu unerfahren und Ritter, Klement sowie Raschl sind zu kreativ. Gerade als mit Tim Breithaupt ein passender defensiver Mittelfeldspieler in Aussicht schien, stellte sich Afeez Aremu mit seinen Wechselambitionen als potenzieller Partner für den Neuzugang sprichwörtlich ins Abseits. Eine andere Möglichkeit, den besagten Raum zu bespielen, besteht darin, die Außenverteidiger bei der Abwehrarbeit einrücken zu lassen,um gemeinsam mit den