Hans-Peter Briegel wird 70: Ein Lautrer für die Ewigkeit!

Hans-Peter Briegel im Zweikampf mit Gladbachs Hans-Jörg Criens im Stadion am Bökelberg, Bundesliga, 1983. Foto: Imago / Werner Otto

Ein echtes Urgestein feiert runden Geburtstag. Unser Redaktionsmitglied Dirk, selbst ein Kind der 70er, gratuliert einer Identifikationsfigur und seinem persönlichen Kindheitsidol. Hans-Peter Briegel wird 70 Jahre alt und ganz Fußball-Deutschland, vor allem aber die Pfalz, verneigt sich vor einem der ganz Großen. „Die Walz aus der Pfalz“, wie Fans und Gegner ihn gleichermaßen nannten, war Sinnbild für Kraft, Willen und Leidenschaft. Mit heruntergelassenen Stutzen, ohne Schienbeinschoner, dafür mit unerschütterlichem Einsatz prägte er den 1. FC Kaiserslautern über ein Jahrzehnt lang. Er gewann mit Deutschland die Europameisterschaft 1980, wurde zweimal Vizeweltmeister und sogar italienischer Meister. Ein Lautrer, wie er im Buche steht. Vom Dorf uff de Betze Wenn heute von der „Walz aus der Pfalz“ die Rede ist, dann wissen alle FCK-Fans sofort, wer gemeint ist: Hans-Peter Briegel. Am 11. Oktober 1955 in Rodenbach geboren, aufgewachsen zwischen Bauernhof und Tartanbahn, fand er relativ spät seinen Weg zum Fußball und zum FCK. Ursprünglich als Leichtathlet gestartet, brachte er eine ungeheure Physis mit, die in den 1970er-Jahren ihresgleichen suchte. Briegel war kein filigraner Techniker, sondern einer, der mit Kraft, Dynamik und einer beinahe unerschütterlichen Willenskraft den Unterschied machte. Sein Weg aus der Region auf den Betzenberg ist eine klassische Lautrer Geschichte: bodenständig, ehrgeizig, unverrückbar verbunden mit seiner Heimat. Schon damals spürte man, dass dieser Junge aus Rodenbach kein gewöhnlicher Fußballer war. Er spielte nie nur für sich selbst, sondern immer für die Mannschaft, für den Verein, für die Farben Rot und Weiß. Dass er es vom Dorfplatz auf die große Bühne schaffte, machte ihn für Generationen von Fans zum Vorbild. Er war der Beweis dafür, dass man es mit Disziplin, Wille und Leidenschaft bis ganz nach oben schaffen konnte. // Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen. Der Motor auf dem Betzenberg Seine Profikarriere beim FCK begann 1975, und schnell wurde er zu einem Gesicht des Lautrer Spiels. Briegel absolvierte über 240 Bundesligaspiele für die Roten Teufel. Mit seinem Kampfgeist und seiner Laufstärke verkörperte er wie kein anderer die Tugenden, die den Betzenberg groß gemacht haben. Im Mittelfeld oder als Außenverteidiger war er unermüdlich unterwegs – ein Spieler, der nie aufgab und immer voranging. Auch wenn es mit dem FCK nicht für den großen Titel reichte, so war Briegel doch ein tragender Pfeiler jener Mannschaften, die in den 70er- und frühen 80er-Jahren für Furore sorgten. Legendär sind seine Auftritte im DFB-Pokal, in dem der FCK 1976 das Finale erreichte, sowie seine unzähligen Schlachten gegen die damaligen Schwergewichte der Liga. Wer damals als Fan auf dem Betze stand, konnte spüren, wie sehr Briegel die Massen mitriss. Wenn er auf seiner Seite die Linie entlangmarschierte, im Vollsprint die Gegenspieler überlief oder im Zweikampf schlicht unaufhaltsam war, brandete das Stadion auf. Es war diese unverwechselbare Mischung aus Kraft und Wille, die Gänsehaut erzeugte. Viele, die ihn live erlebt haben, erzählen bis heute von diesen Momenten, in denen der Betze durch Briegels Einsatz noch ein Stück höher kochte. Das personifizierte Kraftpaket Unvergessen ist dabei auch sein Erscheinungsbild. Heruntergelassene Stutzen, keine Schienbeinschoner und die mächtigen Oberschenkel frei – dieses Bild hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Schon optisch war klar: Da kam einer, der keine Angst kannte, einer, der sich in jeden Zweikampf warf. Briegels Auftritt war so einzigartig wie seine Spielweise. Es war ein Signal an Gegner und Mitspieler zugleich: „Ich bin bereit, hier alles zu geben.” Für uns Fans war Briegel mehr als nur ein Spieler. Er stand für das, was den FCK ausmacht: harte Arbeit, Identifikation und niemals aufgeben. Genau deshalb wurde er zu einem Idol meiner eigenen Jugend. Ein Spieler, zu dem man aufschaut, ein Vorbild auf dem Platz. Und jemand, den man niemals mit einem anderen Verein identifizieren würde. Auch wenn er später im Ausland Erfolge feierte, blieb er in unseren Herzen immer einer von uns. Erfolge in Schwarz-Rot-Gold Seine Leistungen blieben auch dem Bundestrainer nicht verborgen. Briegel debütierte 1979 in der Nationalmannschaft und avancierte auch dort schnell zu einer festen Größe. Der Höhepunkt seiner DFB-Laufbahn war der Gewinn der Europameisterschaft 1980 in Italien, ein Triumph, an dem er maßgeblich beteiligt war. Zwei Jahre später stand er mit der DFB-Elf im WM-Finale von Madrid, das gegen Italien verloren ging. Auch 1986 in Mexiko war Briegel wieder ein wichtiger Teil der Mannschaft, die erneut Vizeweltmeister wurde. Insgesamt bestritt er 72 Länderspiele und erzielte dabei vier Tore. Zahlen, die belegen, welch hohes Ansehen er auch international genoss. Doch es war nicht nur seine Vielseitigkeit, die ihn auszeichnete. Briegel brachte jene Athletik in den Fußball ein, die heute selbstverständlich erscheint, damals aber revolutionär wirkte. Ein Spieler, der laufen konnte wie ein Mittelstreckler, der Zweikämpfe führte wie ein Abwehrhüne und zugleich den Offensivdrang hatte, den man sonst eher bei Flügelspielern fand. Als Fan erinnere ich mich noch an die WM 1982, an diese dramatischen Spiele, in denen Briegel einer der ständigen Antreiber war. Auch wenn das Finale verloren ging, waren wir Lautrer stolz, einen eigenen Spieler in dieser großen Mannschaft zu haben. Einer aus unseren Reihen stand auf der größten Bühne der Welt. Das machte etwas mit uns, mit unserer Wahrnehmung, mit unserem Stolz. Der Pfälzer in der Serie A 1984 wagte Briegel den Schritt ins Ausland – und wie! Er wechselte zu Hellas Verona in die Serie A, die damals als die stärkste Liga der Welt galt. Gleich in seiner ersten Saison gelang ihm dort das Unglaubliche: Verona wurde italienischer Meister. Ein Außenseiter, getragen von Teamgeist und Willenskraft, und mittendrin der Lautrer, der in Italien zum Star wurde und noch heute verehrt wird. Nach zwei Jahren in Verona zog er weiter zu Sampdoria Genua, wo er seine Karriere auf internationalem Parkett fortsetzte. Briegel war einer der ersten deutschen Spieler, die in Italien eine prägende Rolle spielten. Sein Erfolg ebnete den Weg für viele andere, die ihm folgten. Dass man ihn in Italien bis heute mit Respekt und Sympathie betrachtet, spricht Bände. Für uns Fans war das eine besondere Erfahrung, unseren Hans-Peter, de Pälzer Bub, in der Serie A