Sahin: „Noch nicht die Leistung, die ich selbst erwarte”

Semih Sahin im Gespräch mit Treffpunkt Betze über seine bisherige Leistung, seine Position unter Torsten Lieberknecht und die andere sportliche Herangehensweise des FCK im Vergleich zu Elversberg. Semih Sahin wechselte im Zuge des großen Kaderumbruchs der SV Elversberg im vergangenen Sommer zum Betzenberg. Neben Naatan Skyttä galt der 26-Jährige nicht zuletzt aufgrund seiner kolportierten Ablösesumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro als eine der wichtigsten Neuverpflichtungen. Die abgelaufene Hinrunde erweckte jedoch den Eindruck, dass Lieberknechts Spielanlage und Sahins fußballerische Fähigkeiten noch nicht zueinander passen. Im Gespräch mit unserer Redaktion betont der gebürtige Mannheimer, dass beim FCK der Erfolg maßgeblich sei, unabhängig davon, wie Siege zustande kommen. Eine Herangehensweise, die Sahin aktuell weniger liegen dürfte. Wollte das Spiel mehr antreiben Treffpunkt Betze: Hallo Semih, bitte vervollständige folgenden Satz: Das erste halbe Jahr beim FCK war … Semih Sahin: In einem Satz ist das gar nicht so einfach. In dem halben Jahr habe ich schon viel erlebt, so würde ich es ausdrücken. Treffpunkt Betze: Wie zufrieden bist du selbst mit deiner Leistung in der Hinrunde? Semih Sahin: Ich konnte noch nicht konstant die Leistung abrufen, die ich von mir selbst erwarte. Auch die Leistung der letzten Saison konnte ich noch nicht bestätigen. Daher kann es für mich nur besser werden. Ich hätte von mir erwartet, dass ich das Spiel mehr gestalte, mehr vorantreibe, so wie ich es in Elversberg auch getan habe. Das ist mir nur phasenweise gelungen. Insgesamt würde ich meiner persönlichen Saison daher bisher die Note „befriedigend“ geben. Treffpunkt Betze: Nach deinen starken Leistungen bei der SV Elversberg sollen im Sommer mehrere Vereine an dir interessiert gewesen sein. Was waren die Gründe für deinen Wechsel zum FCK? Semih Sahin: Der Wechsel war relativ spontan, weil ich mich in Elversberg grundsätzlich sehr wohlgefühlt habe. Als in Elversberg der Umbruch begann, hat man sich schon Gedanken gemacht, vielleicht auch neue Wege einzuschlagen und die Chance zu nutzen, mal was anderes zu sehen und auszuprobieren. Ich hatte gute Gespräche mit den FCK-Verantwortlichen, vor allem mit Torsten Lieberknecht. Zeitnah nach dem verpassten Bundesligaaufstieg mit Elversberg kamen wir zusammen und er hat es tatsächlich geschafft, mich für den Urlaub so aufzubauen, dass ich nicht mehr so traurig war (lacht). Das hat einfach gepasst und dann habe ich mich entschlossen, zu wechseln, was ich bisher keine Sekunde bereut habe. Harte Arbeit, ehrlicher Lohn Treffpunkt Betze: Nach dem Derbysieg gegen den KSC hast du im Interview moniert, dass du dich im zentralen Mittelfeld wohler fühlst als weiter vorne, wo du zum Einsatz kamst. Wie ist diesbezüglich der Austausch mit Trainer Torsten Lieberknecht? Semih Sahin: Wir haben uns direkt nach dem Spiel darüber unterhalten, hatten ein längeres Gespräch und haben beide unsere Meinung gesagt, beide Sichtweisen erklärt und dann war die Sache erledigt. Er hat mich verstanden, ich habe ihn verstanden. Ich glaube, für das Spiel, was die Mannschaft gebraucht hat, wurde ich eben im Zentrum benötigt. Das ist vielleicht nicht meine beste Position, aber die Mannschaft hat mich dort gebraucht und am Ende habe ich es ganz ordentlich gemacht. Treffpunkt Betze: Insgesamt lief eure Hinrunde solide, gerade auswärts besteht aber auch noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Was lief aus deiner Sicht gut, was weniger? Semih Sahin: Auswärts müssen wir einfach punkten, jeder Zähler auf fremdem Platz ist Gold wert in dieser Liga. Ich glaube, das sehen wir diese Saison nochmal besonders. Zuhause sind wir bis auf den Ausrutscher gegen Magdeburg eigentlich sehr gut unterwegs gewesen, aber wir müssen schauen, dass wir auch auswärts Punkte holen. Wenn es dann auch nur einer ist, ist es dann auch mal in Ordnung. Hier am Betze zu spielen, hier in dem Stadion, das ist schon ein Privileg. Auch wenn unsere Fans uns auswärts so zahlreich supporten, das ist trotzdem etwas anderes. Wenn dich am Betze auf einmal 50.000 nach vorne peitschen, dann macht das einen Unterschied. Da müssen wir jetzt aus der Hinrunde lernen. Treffpunkt Betze: Dein Weg in den Profifußball führte dich letztlich über den Umweg eines Automobilkaufmanns. Was hast du in dieser Zeit lernen dürfen, was dich heute als Profi-Fußballer weiterbringt? Semih Sahin: Was ich mitgenommen habe, ist ehrgeizig zu sein. Ich glaube, harte Arbeit wird irgendwann belohnt. Und ich bin der Meinung, dass es keine ehrlichere Sportart als den Fußball gibt. Früher oder später wirst du für harte, ehrliche Arbeit belohnt. Deswegen ist mein Credo, einfach dranzubleiben und Gas zu geben. So sehe ich es für mich diese Saison auch. Meine Leistungen sind okay, aber wie gesagt noch ausbaufähig. Deswegen heißt es jetzt, weiter hart zu arbeiten. Dann wird sich das früher oder später hoffentlich auch auszahlen. Hauptsache Siege einfahren Treffpunkt Betze: Elversberg hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen, der FCK als Traditionsverein hatte mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Worin siehst du die Unterschiede zwischen der Arbeit in Elversberg und hier in Kaiserslautern? Semih Sahin: Hier hat man natürlich ein ganz anderes Umfeld. Sehr viele Medien, einfach eine Aufmerksamkeit, die in Elversberg so nicht gegeben war. Das hat aber auch der Verein clever gemacht, dass der Hype nicht so groß geworden ist. In Elversberg ging es einfach nur ums Spielen. Alles andere war nur Nebensache. Die Denkweise ist hier anders. Du stehst genauer unter Beobachtung. Es ist im Endeffekt dann auch egal, wie man die Siege einfährt, Hauptsache der Erfolg ist da. Das war schon eine Umstellung. Aber die Herangehensweise ist völlig legitim und dem Klub angemessen. Treffpunkt Betze: Abschließend gefragt: Welche sportlichen Ziele hast du dir für das Jahr 2026 gesteckt? Semih Sahin: Ich will einfach besser sein als im zweiten Halbjahr 2025. Ich glaube, das erste zu toppen wird ganz schön schwierig. Aber die zweite Jahreshälfte, die muss ich auf jeden Fall überbieten. Ich möchte einfach das beisteuern, was die Mannschaft von mir erwartet. Die Gedanken müssen weg von den eigenen Befindlichkeiten, weg von den persönlichen Erwartungen und Zielen. Im Mittelpunkt muss das Team stehen. Und dann werden wir gemeinsam sehen, was am Ende dabei rauskommt. Quelle: Treffpunkt Betze