Individuelle Klasse allein reicht nicht

Der FCK verliert verdient anne Castroper. Während man im Tabellenniemandsland versinkt, stellen sich die ersten grundsätzlichen Fragen. Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, werden dem FCK drei Punkte geklaut. Aber kann man wirklich von Diebstahl sprechen, wenn man die Haustür offen lässt und einen Zettel mit der Aufschrift „Wertsachen sind im Schlafzimmer, dritte Schublade von links“ hinterlässt? So oder so verliert der FCK das Topspiel gegen den VfL Bochum an der Castroper Straße mit 3:2. Nach einer verschlafenen Anfangsphase und dem daraus resultierenden 0:1-Rückstand kommt der FCK besser ins Spiel, gleicht durch Bassette noch vor der Pause zum 1:1 aus und geht nach der Pause durch Marlon Ritter sogar in Führung. Dann folgt die vielleicht entscheidende Szene des Spiels. Nachdem Bassette den Ball absichtlich ins Seitenaus gespielt hatte, um eine Behandlungspause für Joly zu erzwingen, spielte der VfL Bochum schnell weiter. Es folgt ein Schubser, eine Rudelbildung und viele gelbe Karten. Diese Szene belebte das Stadion wieder, und vier Minuten später fiel das 2:2, und nochmals drei Minuten später das 3:2. Selten war das Wort „Hexenkessel” wohl passender. Der FCK müht sich ab, doch Skyttä scheitert in der Nachspielzeit an Timo Horn. Am Ende steht eine durchaus verdiente Niederlage, die mal wieder ein paar Fragen offenlässt. Systemwechsel nötig? Unter Markus Anfang ebnete der Wechsel zur Fünferkette mit Luca Sirch als Innenverteidiger/Sechser-Hybrid den Weg zum Erfolg. Doch schon in der vergangenen Saison zeigte sich, wie anfällig die Defensive des 1. FC Kaiserslautern in diesem System ist. Auch Torsten Lieberknecht bekommt diese Probleme nicht abgestellt. Bochum legte diese Anfälligkeit erneut gnadenlos offen. Beim ersten Tor überlädt der VfL die linke Seite mit Wittek, Joly ist durch Alfa-Ruprecht gebunden und Skyttä arbeitet nicht konsequent zurück. Die Folge war eine unbedrängte Flanke für einen der besten Außenverteidiger der Liga. In der Mitte stimmte die Zuteilung zwischen Kim und Robinson nicht, sodass Hofmann unbedrängt einköpfen konnte. Im weiteren Verlauf wurde die Achillesferse des FCK immer wieder offengelegt. Der zentrale Raum vor der Abwehr. Immer wieder brechen Myoshi und vor allem Onyeka durch, denn Kunze allein auf der Sechs ist zu wenig und Marlon Ritter ist in diesem Spiel vieles, aber kein echter Sechser. Deutlich wird das vor dem 2:2: Myoshi dreht Kunze wie einen Schuljungen und steckt dann auf Marshall durch. Das Problem ist nur, dass Carsten Rump bzw. Torsten Lieberknecht Marlon Ritter nicht ohne Grund auf der tiefen Position aufstellen. Sie brauchen ein Verbindungsglied zwischen Offensive und Defensive. Mit lediglich drei reinen Offensivspielern ist man schlicht unterbesetzt. Ein weiterer Punkt, an dem die Fünferkette des FCK ein wenig verblasst, ist der offensive Output der Außenverteidiger. Joly scheint mit zwei Vorlagen in den letzten drei Spielen nun seine Form wiederzufinden, das war für einen Großteil der Saison jedoch nicht der Fall. Ebenso Mika Haas: Er wird sich in diesen Bereichen mit großer Wahrscheinlichkeit steigern, ist aktuell aber noch weit davon entfernt, eine echte Waffe auf den Außen zu sein. Bochum hat genau diese Schwachpunkte erkannt und über das gesamte Spiel hinweg gnadenlos ausgenutzt. Der FCK muss seine defensive Instabilität ablegen, wenn er nächste Saison oben angreifen möchte. Notfalls auch mit einem radikalen Systemwechsel. Der Kapitän geht voran In der NBA ist mal der Satz über Anthony Edwards gefallen: „The best Player is a 23 Year old with a 200+ Million contract playing like he’s broke.“ Nun hat Marlon Ritter hoffentlich keinen Vertrag über 200 Millionen beim FCK, doch das Spiel in Bochum war ein Bewerbungsschreiben für eine Vertragsverlängerung. Er leitete das 1:1 hervorragend ein und das 2:1 ist, ohne zu übertreiben, eines der besten FCK-Tore in diesem Jahrtausend. Auch als Kapitän geht er voran. Er setzte in der schwierigen Anfangsphase ein Zeichen und bäumte sich als Einziger gegen den VfL und das Stadion auf. Aktuell steht er bei zwölf Scorerpunkten in 25 Spielen in dieser Saison. Alles spricht für eine Vertragsverlängerung – man fragt sich nur, in welcher Rolle. Quelle: Treffpunkt Betze