Auf Augenhöhe mit dem Ligaprimus

Im ersten Topspiel der Zweitliga-Saison zwingt der FCK fast die Übermannschaft aufs Wolfsburg in die Knie und kann gerade deswegen sehr zufrieden sein. Samstagabend, Flutlicht, Topspiel – Fußballherz, was willst du mehr? Gegen die vielbeschworene „All-Star-Mannschaft” aus dem VW-Werk hielt der Underdog aus der Pfalz über weite Strecken gut mit. Überraschenderweise waren es dann die Wolfsburger, die nachließen. Den Roten Teufeln wäre beinahe ein dickes Ausrufezeichen gelungen. So surreal diese Zeilen vor dem Anpfiff geklungen haben möchten, aber bei der designiert besten Mannschaft der Liga muss sich das Team von Torsten Lieberknecht ärgern, nicht über ein 0:0 herauszukommen. Star-Ensemble vs. Alte Haudegen Bereits vor Beginn war klar, auf welche Faktoren Torsten Lieberknecht bei der Pfälzer Aufstellung setzen würde: Routine, Kompaktheit und klare Aufgabenverteilung – die eingespielte Truppe sollte den frisch eingekauften, aber noch unerprobten Wolfsburger Star-Ensemble Paroli bieten. Gegenüber den sieben Neuzugängen plus neuem Trainer in der Startelf stand auf Lautrer Seite lediglich Jan Elvedi, dem als Leihrückkehrer das System Lieberknecht bereits wohl bekannt war. Diese Eingespieltheit zeigte sich auch in der Partie. Immer wieder gelang es den Pressing-Pfälzern, den Gegner in Grün unter Druck zu setzen und hohe Ballgewinne zu forcieren. Auch mit dem Ball hatten die Lautrer einen Plan – ein Aspekt der in der vergangenen Saison oftmals fehlte – und kamen hin und wieder durch die stark besetzte Wolfsburger Defensive. Auch im tiefen Block war der Spielplan der Lautrer klar erkennbar – und hatte Hand und Fuß. Dem Stroblschen Kombinationsspiel setzte Lieberknecht ein dicht gestaffeltes Zentrum entgegen und nahm Fernschüsse in Kauf. Bei einer derartig besetzten Wolfsburger Mannschaft ein Risiko, aber ein kalkuliertes. Ohnehin, in einer Offensive mit Reese, Glatzel, Damar, und Hornby ist die Devise “Pick your Poison” – und Lieberknecht “pickte” richtig. Die dreizehn Distanzschüssen blieben stehts ungefährlich, von einzelnen Ausreißern abgesehen. Finnische Fahrlässigkeit – hadernde Pfälzer Trotz aller Lobeshymnen muss auch der Finger in die Wunde gelegt werden. Wie bereits zahlreich beschrieben, zeigt der FCK ein starkes Spiel und macht Lust auf mehr – dennoch hat das Unentschieden einen faden Beigeschmack. Mit etwas mehr Coolness im letzten Drittel wäre für die Pfälzer mehr drin gewesen. Naatan Skyttä vertändelte zwei Großchancen, Simon Asta setzte einen Kopfball aus wenigen Metern über das Tor und Mergim Berisha stand bei seinem besten Abschluss im Abseits. Das muss sich das Team vorwerfen lassen. Ob diese Fahrlässigkeit an der natürlichen Nervosität des ersten Saisonspiels, an Pech oder an anderen Faktoren liegt – gerade gegen Gegner wie Wolfsburg sind solche Chancen selten und umso wertvoller. Eine weitere Schwäche des Lautrer Spiels zeigte sich besonders gegen Ende der ersten Halbzeit. Natürlich kombinierten die Wolfsburger stark, aber besonders vor dem Strafraum lies der FCK etwas zu viel zu. Zahlreiche Fernschüsse bergen stets das Risiko abgefälscht zu werden oder in einem Traumgegentor zu münden. Fußball wird zwar nicht im Konjunktiv gespielt, dennoch war der FCK hier nachlässig. Unterm Strich ist der FCK nach stockendem Motor in der Rückrunde mit einem Erfolgserlebnis zurück auf die Zweitligabühne gekehrt. Mit ein, zwei Transfers und Konstanz braucht es nicht viel Fantasie, um eine erfolgreiche Saison zu prognostizieren. Spielernoten Zur Saison 2026/27 bringen wir die Spielernoten zurück. Der jeweilige Redakteur benotet selbst – mit Begründung. Quelle: Treffpunkt Betze