Mario Sauer: Neuer Vorwärtsdrang im Mittelfeld 

Die Roten Teufel rüsten im Mittelfeld noch einmal nach. Mario Sauer wechselt per Leihe mit Kaufoption auf den Betzenberg. Ist er der fehlende Motor, den der FCK gebraucht hat? Mario Sauer ist der fünfte Slowake, der das Trikot des FCK tragen wird. Der 22-jährige offensiv ausgerichtete Achter könnte genau das Puzzleteil sein, das den Lautrer in der Offensive bislang gefehlt hat. Gleichzeitig erhöht er die Konkurrenz im Mittelfeld und bringt mit seinem direkten Zug nach vorne ein Profil mit, das im Kader bislang nur bedingt vorhanden ist. Gerade im Spiel gegen den Ball gibt es bei dem Neuzugang jedoch noch Luft nach oben. Durchbruch in der Heimat Nur einen Tag nach seinem 17. Geburtstag, am 16. Mai 2021, feierte Sauer sein Profidebüt für MŠK Žilina. In den folgenden beiden Jahren sammelte er seine Spielpraxis allerdings überwiegend in der zweiten Mannschaft und kam bei den Profis nur sporadisch zum Einsatz. Der endgültige Durchbruch gelang ihm in der Saison 2023/24: Mit 19 Jahren gehörte der Spielmacher erstmals fest zum Stammpersonal und kam in 19 Ligaspielen auf vier Tore und sechs Vorlagen. Dabei fiel vor allem seine Fähigkeit auf, Chancen für seine Mitspieler zu kreieren. Laut Wyscout legte er 1,78 Schüsse pro 90 Minuten auf und gehörte damit ligaweit zu den Besten. Auch bei den Pre-Assists zählte er zu den stärksten Spielern der Liga. Sauer war also häufig schon einen Pass vor der eigentlichen Torvorlage entscheidend an der Entstehung einer Chance beteiligt. Hinzu kamen eine Passquote von fast 90 Prozent und seine Stärke, das Spiel selbst nach vorne zu treiben – entweder mit Ball am Fuß oder durch vertikale Pässe. In der darauffolgenden Saison bestätigte der in Bratislava geborene Mittelfeldspieler seine Leistungen. In 22 Spielen der regulären Saison sammelte er elf Scorerpunkte, in der anschließenden Meisterschaftsrunde kamen zwei weitere Treffer hinzu. Vor allem im direkten Spiel nach vorne machte er noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne. Mit 2,41 Progressive Carries* pro 90 Minuten gehörte er laut Wyscout zu den besten zehn Prozent der Liga, dazu kamen 8,57 Progressive Passes* pro 90 Minuten. Zahlen, die seine Qualitäten als Ballschlepper und Spielmacher unterstreichen. Zum Vergleich: Beim FCK war Semih Sahin mit 5,4 progressiven Pässen pro 90 Minuten der beste Lautrer in dieser Kategorie, während Naatan Skyttä mit 2,8 Progressive Carries pro 90 Minuten den höchsten Wert im Kader aufwies. Genau dieses Profil könnte der Offensive des FCK aktuell guttun. Die Lautrer Offensive ist bislang noch nicht richtig ins Rollen gekommen und könnte einen weiteren Spieler gebrauchen, der für Dynamik zwischen Mittelfeld und Angriff sorgt. Sauer kann den Ball selbst nach vorne tragen, Linien mit Pässen überspielen und gleichzeitig Chancen für seine Mitspieler vorbereiten. Er strahlt selbst Torgefahr aus, verfügt über eine starke Abschlusstechnik und kann auch aus der zweiten Reihe gefährlich werden. Er wäre somit nicht nur eine zusätzliche spielerische Alternative, sondern würde auch die Konkurrenzsituation in der Offensive noch einmal deutlich verschärfen. Gerade die Mischung aus Kreativität, Vertikalität und Zug zum Tor würde dem FCK ein neues Profil verleihen, das im bisherigen Kader nur begrenzt vorhanden ist. * Progressive Carries: Ballführungen, bei denen ein Spieler den Ball kontrolliert deutlich in Richtung des gegnerischen Tores trägt. * Progressive Passes: Pässe, die den Ball deutlich näher an das gegnerische Tor bringen und dadurch Raum gewinnen oder gegnerische Linien überspielen. Toulouse als erste große Hürde Im Sommer folgte schließlich der Schritt nach Frankreich zum FC Toulouse. Dort fand Sauer sich zunächst durchaus ordentlich zurecht und pendelte in den ersten Monaten zwischen Startelf und Bank. Zwar konnte er sich keinen festen Stammplatz erarbeiten, er bekam aber regelmäßig Spielzeit und durfte sich immer wieder von Beginn an zeigen. Eine Verletzung am 13. Spieltag stellte dann einen Einschnitt dar, durch die er vier Spiele verpasste. Nach seiner Rückkehr änderte sich seine Rolle deutlich. Über die eines Ergänzungsspielers kam er fortan kaum noch hinaus und wurde überwiegend als Joker eingesetzt. Mehr als 28 Minuten am Stück standen seitdem nicht mehr zu Buche. Auch offensiv konnte er nur selten an seine Leistungen aus Žilina anknüpfen; lediglich einen Treffer erzielte er für Toulouse. Gerade nach der Verletzung geriet seine Entwicklung ins Stocken. Regelmäßige Spielzeit und die Möglichkeit, über längere Einsätze wieder in einen Rhythmus zu kommen, blieben aus. Die Leihe zum 1. FC Kaiserslautern bietet ihm nun die Chance auf einen neuen Anlauf. Der direkte Schritt aus der slowakischen Liga in die Ligue 1, die immerhin zu den stärksten Ligen Europas zählt, war groß. In der 2. Bundesliga trifft er nun auf ein etwas niedrigeres Niveau, ohne dass die Anforderungen gering wären. Für den noch jungen Mittelfeldspieler könnte dies genau der richtige Zwischenschritt sein, um wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen und an die Entwicklung anzuknüpfen, die ihn überhaupt erst für Toulouse interessant gemacht hat. Die Arbeit gegen den Ball als Baustelle Bei all seinen Qualitäten mit dem Ball gibt es bei Sauer aber auch Bereiche, in denen noch Luft nach oben ist. Besonders auffällig ist dabei die Arbeit gegen den Ball. In seiner letzten Saison bei Žilina kam der Mittelfeldspieler laut Wyscout auf 5,48 defensive Aktionen pro 90 Minuten, in Toulouse waren es mit 5,35 fast genauso viele. In der Ligue 1 gehörte er damit im Vergleich mit anderen zentralen Mittelfeldspielern zu den schwächeren Spielern. Auch seine Zweikampfwerte stechen nicht wirklich positiv heraus. Das könnte beim FCK durchaus zum Thema werden. Marcel Klos bezeichnete den 22-Jährigen bei seiner Vorstellung ausdrücklich als „klassischen Box-to-box-Spieler“, der vor allem mit seinem Tiefgang und seiner Abschlussqualität neue Möglichkeiten schaffen soll. Damit dürfte auch klarer sein, wo der Neuzugang im System von Torsten Lieberknecht seinen Platz finden könnte. Für eine Rolle auf einer der beiden Zehnerpositionen, die beim FCK häufig in den Halbräumen besetzt werden, spricht sein Profil eher weniger. Stattdessen dürfte Sauer eine Reihe dahinter auf der Acht eingeplant sein und dort vor allem die Konkurrenz zu Sahin und Kunze erhöhen. Auch deshalb deutet der Transfer zunächst nicht auf einen Systemwechsel hin, sondern vielmehr auf eine zusätzliche Alternative für die bestehende Grundordnung. Gerade auf der Acht wird unter Torsten Lieberknecht aber auch gegen

Auswärts auf St. Pauli: weiter im “extrem schwerem Programm”

Vor dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli sprach Torsten Lieberknecht über das schwere Programm, die eigenen Offensivprobleme und gab Entwarnung bei Julian Krahl. Bei den Kiezkickern gewann der FCK zuletzt 2014, damals trafen Amin Younes, Jean Zimmer und Sebastian Jakob zum 1:3-Auswärtserfolg der Roten Teufel. Zwölf Jahre später will der Bad Dürkheimer mit seinem Team den ersten Dreier der Bundesligasaison einfahren. Die Vorkommnisse in Mannheim will der FCK intern aufarbeiten, weshalb die Fragen dahingehend nicht beantwortet wurden. “Bundesliga-Absteiger mit exzellentem Offensivbereich” Den kommenden Gegner sieht Cheftrainer der Roten Teufel vor allem Offensiv gefährlich. “Wir brauchen unsere beste Leistung, um auf St. Pauli einen Sieg einzufahren. Das ist ein Bundesligaabsteiger mit einer exzellenten Offensive, das haben Sie in Essen unter Beweis gestellt.” Auf das altehrwürdige Millerntor freut sich der 52-Jährige: “Das Stadion ist stimmungsvoll und etwas Besonderes, egal ob in meiner Zeit als Spieler oder Trainer.” “Wir verteidigen als Team, haben aber auch vorne unsere Chancen” Auf ein reines Defensivbollwerk will Lieberknecht seine Mannschaft nicht reduzieren. “Wir haben aus dem Spiel heraus eine gute defensive Stabilität, aber auch vorne Chancen. Jeder gibt alles, um als Team zu verteidigen, dennoch hatten wir zahlreiche Chancen, sowohl in Mannheim oder auch Wolfsburg.” Dabei mahnt der Übungsleiter auch angesichts der offensiven Harmlosigkeit zur Geduld: “Wir sind in einem Prozess und das braucht Geduld. Diese Mannschaft hat im Großteil der Spiele Personal: Torwartfrage geklärt, Sauer bereits fit für den Kader Die Sorgen zahlreicher Fans um Julian Krahl, der die Trainingseinheit am Mittwoch abbrechen musste, konnte Lieberknecht beruhigen. Für Neuzugang Miloš Luković kommt wie bei Ivan Prtajin und Naatan Skyttä die Partie zu früh, auf sie muss Lieberknecht verzichten. Mario Sauer hingegen wird im Kader stehen. Mindestens 2873 Gästefans werden den FCK mit in den hohen Norden begleiten. Quelle: Treffpunkt Betze