Derbysieg im Rücken, Baustellen im Gepäck – FCK auf St. Pauli

Der FCK hat den ersten Sieg im Rücken, St. Pauli den Druck auf den Schultern. Am kommenden Sonntag trifft der 1. FC Kaiserslautern um 13:30 Uhr am Millerntor auf den nächsten und gleichzeitig letzten Bundesligaabsteiger. Nach dem Abstieg des VfL Wolfsburg wartet mit dem FC St. Pauli der zweite Absteiger aus der vergangenen Saison auf die Roten Teufel. Dabei treffen zwei Mannschaften aufeinander, die nach zwei Spieltagen jeweils noch auf ihren ersten Ligasieg warten und aktuell direkte Tabellennachbarn sind. Während der FCK zuletzt immerhin das Südwestderby in Mannheim für sich entscheiden konnte, steht St. Pauli nach zwei Unentschieden und dem überraschenden Pokalaus gegen Rot-Weiss Essen bereits etwas mehr unter Druck. Historisch klar vorne, zuletzt klar hinten Insgesamt trafen beide Vereine bereits 42-mal aufeinander. Dabei konnten die Lautrer 22 Partien für sich entscheiden, achtmal wurden die Punkte geteilt und zwölf Begegnungen gingen an den FC St. Pauli. Die Gesamtbilanz spricht damit deutlich für den FCK, ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeichnet allerdings ein anderes Bild. Die letzten drei Duelle gingen allesamt an die Kiezkicker. Zuletzt trafen beide Mannschaften am 20. Januar 2024 am Millerntor aufeinander. Damals mussten sich die Lautrer unter Dimitrios Grammozis mit 0:2 geschlagen geben. Für den FCK war es gleichzeitig die siebte Niederlage in Folge. Der letzte Sieg gegen die Hamburger gelang im September 2022 auf dem Betzenberg, als sich die Roten Teufel mit 2:1 durchsetzen konnten. Noch länger zurück liegt der letzte Auswärtssieg: Am 30. November 2014 gewann der FCK mit 3:1 am Millerntor. Gerade die Spiele aus der jüngeren Vergangenheit gingen also vermehrt an St. Pauli. Am Sonntag gilt es für die Lautrer, diese Serie zu beenden. Enttäuschende Kiez Kicker Der Saisonstart der Hamburger verlief bisher ebenfalls nicht nach Wunsch. Nach zwei Spieltagen stehen lediglich zwei Punkte auf dem Konto. Sowohl gegen Greuther Fürth als auch gegen Holstein Kiel konnten die Kiezkicker in Führung gehen, schafften es allerdings nicht, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Gegen Fürth reichte es nach einer zwischenzeitlichen Führung nur zu einem 1:1, gegen Kiel verspielte St. Pauli sogar eine Zwei-Tore-Führung und musste sich am Ende mit einem 2:2 begnügen. Auch im DFB-Pokal gab es am vergangenen Wochenende den nächsten Rückschlag. Beim Drittligisten Rot-Weiss Essen schied der Bundesligaabsteiger überraschend mit 0:2 aus. Während vor allem die Defensive in den ersten drei Pflichtspielen anfällig wirkte, fehlte gegen RWE zusätzlich die nötige Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Unter dem neuen Trainer Marcel Rapp bleibt St. Pauli seiner grundsätzlichen Spielidee treu. Der ehemalige Trainer des Karlsruher SC lässt mit einer Dreierkette und einer Doppelspitze spielen. Auf der Zehnerposition agiert mit Branimir Hrgota ein Spieler, der bereits reichlich Zweitligaerfahrung mitbringt. Generell konnten die Hamburger einen großen Teil ihres Bundesliga-Kaders zusammenhalten und diesen punktuell mit erfahrenen Zweitligaspielern verstärken. Das vorhandene Spielermaterial macht St. Pauli damit trotz des bisher enttäuschenden Saisonstarts zu einem Gegner, den der FCK keinesfalls unterschätzen darf. Spielt den gleichen Song nochmal… Hier könnte fast der gleiche Text stehen wie in der vergangenen Woche. Der FCK konnte zwar das hitzige Südwestderby mit 0:1 für sich entscheiden und damit den ersten Saisonsieg feiern, gleichzeitig zeichnet sich vor allem ohne Naatan Skyttä ein noch drastischerer Trend zur offensiven Ideenlosigkeit ab. Zu wenigen wirklich gefährlichen Situationen gesellt sich weiterhin eine fehlende Treffsicherheit. Noch auffälliger ist allerdings ein anderer Trend: In zwei Spielen hintereinander waren die Lautrer in der zweiten Halbzeit das klar schwächere Team. Auch in Mannheim musste der FCK über weite Strecken der Schlussphase tief verteidigen. Dass am Ende trotzdem die Null stand, lag nicht zuletzt an Julian Krahl, der kleinere und größere Patzer seiner Vorderleute konsequent ausbügelte. Hier muss sich das Trainerteam um Torsten Lieberknecht dringend eine Lösung überlegen. Frühere Wechsel, eine veränderte Startelf oder auch taktische Anpassungen könnten Möglichkeiten sein, um der Mannschaft in der zweiten Halbzeit wieder mehr Kontrolle und offensive Entlastung zu geben. Mit nach Hamburg – ohne Krahl? Trotz der offensiven Probleme sollte der FCK allerdings mit Mut und Selbstvertrauen nach Hamburg reisen. Die Defensive funktioniert bislang deutlich besser als noch in der vergangenen Saison und gibt den Roten Teufeln eine Grundlage, auf der man aufbauen kann. Zudem dürfte der Druck am Sonntag eher auf Seiten der Gastgeber liegen. St. Pauli wartet noch auf den ersten Sieg, musste bereits das Pokalaus hinnehmen und möchte vor heimischem Publikum entsprechend schnell für ein Erfolgserlebnis sorgen. Der FCK kann dagegen auf dem Derbysieg aufbauen. Gelingt es den Lautrern, trotz des drohenden Ausfalls von Julian Krahl, die defensive Stabilität auch am Millerntor auf den Platz zu bringen und gleichzeitig offensiv wieder etwas mehr Gefahr zu entwickeln, ist auch gegen den Bundesligaabsteiger etwas zu holen. Voraussichtliche Aufstellung: Onohiol – Elvedi, Gyamfi, Rasmussen – Haas, Sahin, Kunze, Joly – Ritter – Berisha, Kanate