Zwischenbilanz: Der FCK auf Kurs – aber noch nicht am Limit

Foto: Imago / Jan Hübner
Foto: Imago / Jan Hübner

Nach elf Spieltagen mischt der FCK im oberen Tabellendrittel mit. Unter Lieberknecht spielen die Pfälzer nicht glanzvoll, aber pragmatisch. Die Richtung stimmt. Unser Zwischenfazit.

Das erste Drittel der Saison ist absolviert und der 1. FC Kaiserslautern befindet sich mitten im Aufstiegsrennen. Mit 20 Punkten auf Platz 6 zeigen die Roten Teufel, dass sie aktuell genau auf Kurs in Richtung Saisonziel sind. Thomas Hengen hat die Top-6-Platzierung bereits kurz nach dem Spiel gegen Köln nach außen getragen. Eine Aussage, die hohe Erwartungen geschürt hat – vielleicht auch der Grund, warum viele trotz der zufriedenstellenden Momentaufnahme weiterhin kritisch auf den FCK blicken.

Lieberknechts glanzloser Erfolg

Ein Blick auf die vergangene Saison lohnt sich. Letztes Jahr stand der FCK nach elf Spieltagen mit 16 Punkten auf Platz 10, also vier Punkte weniger als in der aktuellen Saison. Trotz des holprigen Saisonstarts sind die Roten Teufel dieses Mal deutlich besser aus den Startlöchern gekommen. Mit dem Last-Minute-Sieg gegen Darmstadt haben die Pfälzer nur eines der letzten neun Pflichtspiele verloren. Hinzu kommen spektakuläre Siege gegen Münster und den KSC. Der Grund, warum bei vielen Anhängern trotz all dieser Faktoren keine Aufstiegseuphorie ausbricht, könnte die – vorsichtig ausgedrückt – recht konservative Spielanlage unter Torsten Lieberknecht sein.

Während unter Markus Anfang versucht wurde, ein dominantes Spielsystem mit viel Ballbesitz aufzuziehen, liegt der Fokus unter Lieberknecht auf der Arbeit gegen den Ball, hohem Pressing und einer stabilen Abwehr. Beides hat die Mannschaft in einigen Saisonspielen schon gezeigt. Ein Paradebeispiel dafür dürfte das Spiel gegen Preußen Münster sein, als der FCK die Münsteraner in der ersten Hälfte mit intensivem Pressing dominierte und schon nach 25 Minuten mit 3:0 führte.

Auch die Stabilität der Defensive – ein Dauerthema der letzten Jahre – ist Lieberknecht zumindest zum Teil gelungen. Zwar stellen die Lautrer mit 13 Gegentoren nicht die sicherste Abwehr der Liga, jedoch muss man bedenken, dass sich die vormals eingespielte 3er-Kette in den letzten fünf Partien aufgrund von Sperren und Verletzungen immer wieder neu formieren musste. Gleichzeitig stellt der FCK die drittbeste Offensive der Liga. Es sind selten schöne Kombinationen, die zu Toren führen, sondern meist Flanken, hohe Ballgewinne oder Zufallsprodukte. Nicht schön, aber effektiv. Auf dem Papier liest sich das wie eine Erfolgsstory. Doch auch das Lieberknecht-System hat Schwächen.

//

Möchtest du dazu beitragen, dass Treffpunkt Betze weiterhin unabhängig und werbefrei bleibt? Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen.

2236-supporter-banner-960x168-png

Abhängigkeit als Risiko

Mit Ivan Prtajin hat der 1. FC Kaiserslautern nicht nur eine echte Lebensversicherung in seinen eigenen Reihen, sondern mit ihm auch einen ebenbürtigen Nachfolger für Ragnar Ache gefunden. Das belegen seine bisherigen acht Tore in acht Spielen sowie 1,24 Scorerpunkte pro 90 Minuten (Quelle: fbref.com). Der Kroate ist dabei mehr als nur ein reiner Goalgetter. Er macht Bälle fest, bindet Gegenspieler und setzt seine Mitspieler clever in Szene. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel der Pfälzer. Genau diese Abhängigkeit könnte den Roten Teufeln noch zum Verhängnis werden – und sie besteht nicht nur im Sturmzentrum. Auch auf den Außenverteidigerpositionen ist der FCK darauf angewiesen, dass Paul Joly und Mika Haas in Form bleiben und konstant gute Leistungen zeigen.

Schließlich sind es Joly und Haas, die Prtajin mit ihren Flanken in Szene setzen sollen. Ähnlich wie bei Prtajin haben auch sie kein adäquates Backup, falls sie mal ausfallen oder in ein Formtief geraten. Das System von Lieberknecht gleicht keine schlechten Leistungen auf den Schlüsselpositionen aus, und auch der Kader kann dies nicht kompensieren. Die Folge davon und des laufintensiven Spielsystems ist der defensive Leistungsabfall in der zweiten Hälfte. Von den 13 Gegentoren haben die Roten Teufel elf in den zweiten 45 Minuten kassiert, fünf davon in den letzten 20 Minuten. Dies ist eine Mischung aus mangelnder Spielerfitness und fehlender Kadertiefe.

Talente bekommen ihre Chance und nutzen sie

Torsten Lieberknecht hat mehrfach betont, wie wichtig ihm die Integration und Förderung junger Talente ist. In den letzten Jahren wurde wiederholt die mangelnde Durchlässigkeit zwischen den U-Mannschaften und den Profis bemängelt. Mit Mika Haas und Leon Robinson haben nun zwei Spieler der U23 den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und sich dort einen Platz in der Stammformation erkämpft. Haas hat das Vakuum auf der Linksverteidigerposition ausgenutzt und überzeugt mit Einsatz und Laufbereitschaft.

Leon Robinson, der bereits in der letzten Saison vereinzelt zu Einsätzen gekommen ist, hat in der Sommerpause noch einmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Mit viel Dynamik, gutem Zweikampfverhalten und bereits zwei Vorlagen ist er das Schweizer Taschenmesser der FCK-Defensive – egal, ob als Rechtsverteidiger, Sechser oder Innenverteidiger. Robinson überzeugt auf allen Positionen. U17-Kapitän Dion Hofmeister stand gegen Nürnberg zum ersten Mal im Kader. Zwar blieb er ohne Einsatz, dennoch ist auch dies ein klares Zeichen von Lieberknecht.

Alles drin für den FCK

Insgesamt lässt sich festhalten, dass der 1. FC Kaiserslautern sportlich auf einem guten Weg ist, seine hochgesteckten Saisonziele zu erreichen. Unter Torsten Lieberknecht spielen die Roten Teufel keinen schönen, aber erfolgreichen Fußball. Die Pfälzer sind seit fünf Spielen ungeschlagen und haben ihre bisherigen Niederlagen nur gegen die Top-Teams Paderborn, Hannover und Elversberg kassiert – die Richtung stimmt. Wenn der FCK seine positive Entwicklung fortsetzt, seine erkennbaren Schwächen abstellt und im Winter personell nachlegt, ist sogar mehr als ein Platz unter den ersten Sechs möglich.

Quelle: Treffpunkt Betze

Du willst alle Neuigkeiten rund um den FCK einfach und direkt auf deinem Smartphone empfangen?

 

Weitere Artikel

Diskussion