Als Marlon Ritter im Sommer 2020 auf den Betzenberg nach Kaiserslautern wechselte war die Freude auf den damals 25-Jährigen durchaus groß. Es kam nämlich ein Spieler in die dritte Liga, der zwei Jahre zuvor elementar für den Paderborner Aufstieg aus eben jener Liga war und der es in der abgelaufenen Saison auch in der ersten Bundesliga mithalten konnte.
Vom Fehlstart zur Identifikationsfigur
Dennoch brauchte Ritter Zeit zum Ankommen, als Startelfspieler in die Saison gestartet war er mit dem Jahreswechsel nur noch Ergänzungsspieler. So lassen sich vermutlich viele (Ex-) FCK-Spieler beschreiben. Doch die wenigsten schafften das, was „MR7“ erreichen sollte. Er wurde zu einer Identifikationsfigur auf dem Betze und absoluter Publikumsliebling. Darüber hinaus konnte er die Größten Sportlichen Erfolge des FCK feiern und war stets eine tragende Figur dafür. So sorgte er unter anderem dafür, dass der FCK sportlich wieder relevant wurde, als er mit dem Verein in die 2. Bundesliga aufstieg. Ein Jahr später erreichten die Lautrer rund um Ritter und Co. trotz Abstiegskampf sogar das DFB-Pokal-Finale in Berlin. Im gleichen Sommer wurde Ritter schließlich Kapitän der Betzebuben. Ein steiler Aufstieg eines Spielers, der auch viel Unmut ertragen musste.
Solide Zahlen, differenzierte Leistung
Angekommen in der nahen Vergangenheit. Die letzte Saison war für den FCK und auch für Ritter im Endergebnis solide. Die Mannschaft erreichte den 6. Tabellenplatz und konnte somit das ausgegebene Ziel, besser zu sein als im Jahr zuvor, tabellarisch erreichen. Und auch Ritter persönlich kann sich sehen lassen: Er erzielte neun Tore und gab drei Vorlagen, was die gleiche Scorermenge ist wie die von Naatan Skyttä und somit auch eine der besten der Mannschaft.
Aber genauso wie das Endergebnis der Gesamtmannschaft eingeordnet werden muss, da bekanntlich nicht alles Gold ist, was glänzt, muss man das Gleiche auch bei Kapitän Marlon Ritter tun. So erzielte der Zehner fünf seiner neun Tore per Strafstoß. Faktisch sind diese Tore genauso relevant und wertig wie ein Traumtor aus 30 Metern. Dennoch gehört diese Information zur Einordnung dazu. Gleichzeitig konnte Ritter seine definitiv vorhandenen spielerischen Fähigkeiten zu selten auf den Platz bringen. Vor allem seine Passwerte sind in der Liga-Vergleichswertung aller offensiven Mittelfeldspieler lediglich in den besten 80 %. Das ist auch der vertikalen und risikoreichen Spieleröffnung geschuldet. Dennoch schneidet Teamkollege Skyttä auf der gleichen Position hier deutlich besser ab: Dieser bewegt sich mit seinen Passwerten in den Top 20 %. Gleichzeitig übernahm Ritter Verantwortung, sei es durch die erwähnten Elfmeter oder als Charakterspieler, den die Mannschaft zweifellos auch neben dem Platz braucht. Insgesamt war Ritters Saison solide und die eines Kapitäns, der nicht mehr die Last des Channeskreierens allein tragen „muss“.
Die Zeichen des Wandels
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Marlon Ritter 31 Jahre alt ist. Ein Alter, in dem Fußballer ihre physische Höchstform meist bereits hinter sich haben und beginnen, ihre Energie bewusster einzuteilen. Beim FCK war das in der vergangenen Saison bereits sichtbar. Es gab weniger Startelfeinsätze als in den Jahren zuvor und es gab Momente, in denen die körperliche Belastung merklich Spuren hinterließ. Das ist jedoch keine Kritik an Ritter persönlich. Es ist eine Realität des Profigeschäfts, der sich kein Spieler entziehen kann. Die Frage ist nicht, ob dieser Prozess stattfindet, sondern wie der Verein damit umgeht. Der Wandel vom unumstrittenen Stammspieler hat begonnen. Es wäre unklug, ihn zu ignorieren.
Nichtsdestotrotz schützt Erfahrung. Gerade in der 2. Bundesliga, einer Liga, die sowohl körperliche Intensität als auch taktische Reife fordert, kann ein erfahrener Kapitän eine wichtige Führungsfigur sein, deren Einfluss weit über seine Einsatzminuten hinausreicht.
Was das für den FCK bedeutet
Die Antwort liegt nicht darin, Ritter zu ersetzen. Sie liegt darin, ihn klüger einzusetzen. Der FCK braucht auf seiner Position einen ernsthaften Herausforderer – nicht um Ritter zu verdrängen, sondern um ihm Freiräume zu schaffen. Jemanden, der Ritter zwingt, wacher zu sein, der ihn entlastet, der den Trainer in die Lage versetzt, früher zu wechseln oder Ritter dosierter einzusetzen. Gerade in englischen Wochen, in der Schlussphase einer langen Saison oder nach intensiven Auswärtsspielen wäre ein qualitativ hochwertiger Wechsel auf seiner Position ein echter Gewinn – für die Mannschaft und letztlich auch für Ritter selbst.
Das Schöne an diesem Gedanken ist, dass Ritter nicht mehr jede Woche 90 Minuten auf dem Platz stehen muss, um für den FCK enorm wichtig zu sein. Seine beste fußballerische Phase hat er möglicherweise bereits hinter sich. Dennoch kann und wird er in der kommenden Saison eine wichtige Rolle einnehmen. Auch und vor allem neben dem Platz, wenn es darum geht, die vielen jungen Offensivtalente der Lautrer zu integrieren und „anzulernen“.
Ritter sollte nicht allein aufgrund seines Kapitänsamts unangefochtener Stammspieler sein. Diesen Prozess hat Torsten Lieberknecht in der letzten Saison bereits eingeleitet und wird ihn mit mehr Variabilität in der Offensive und vor allem in der Kaderbreite weiter vorantreiben. Das heißt aber keinesfalls, dass Ritter keine tragende Rolle auf dem Betze mehr spielen sollte und wird.
Quelle: Treffpunkt Betze






Ein Kommentar
Marlon ist nach wie vor einer der wichtigsten Spieler. Natürlich muss sein Alter berücksichtigt werden, aber ich frage mich schon, warum in anderen Ligen die Spieler ab 30 immer wertvoller werden und bei uns wird darüber diskutiert, wann einer abserviert wird. Marlon muss selbst die Antwort auf dem Platz geben, so daß der Trainer nicht an ihm vorbei kommt. Es liegt in seiner Hand, wie er gesehen wird. Für mich gilt aber auch ein Grundsatz: Der Kapitano muss Stammspieler sein ( was nicht heißt, dass er 34 Spiele machen muss ) und wenn Lieberknecht das anderst sieht, dann soll er jemanden anderen als Kapitän bestimmen.