Auf Augenhöhe mit dem Ligaprimus

(Quelle: Selim Sudheimer/Getty Images)

Im ersten Topspiel der Zweitliga-Saison zwingt der FCK fast die Übermannschaft aufs Wolfsburg in die Knie und kann gerade deswegen sehr zufrieden sein.

Samstagabend, Flutlicht, Topspiel – Fußballherz, was willst du mehr? Gegen die vielbeschworene „All-Star-Mannschaft” aus dem VW-Werk hielt der Underdog aus der Pfalz über weite Strecken gut mit. Überraschenderweise waren es dann die Wolfsburger, die nachließen. Den Roten Teufeln wäre beinahe ein dickes Ausrufezeichen gelungen. So surreal diese Zeilen vor dem Anpfiff geklungen haben möchten, aber bei der designiert besten Mannschaft der Liga muss sich das Team von Torsten Lieberknecht ärgern, nicht über ein 0:0 herauszukommen.

Star-Ensemble vs. Alte Haudegen

Bereits vor Beginn war klar, auf welche Faktoren Torsten Lieberknecht bei der Pfälzer Aufstellung setzen würde: Routine, Kompaktheit und klare Aufgabenverteilung – die eingespielte Truppe sollte den frisch eingekauften, aber noch unerprobten Wolfsburger Star-Ensemble Paroli bieten. Gegenüber den sieben Neuzugängen plus neuem Trainer in der Startelf stand auf Lautrer Seite lediglich Jan Elvedi, dem als Leihrückkehrer das System Lieberknecht bereits wohl bekannt war. Diese Eingespieltheit zeigte sich auch in der Partie. Immer wieder gelang es den Pressing-Pfälzern, den Gegner in Grün unter Druck zu setzen und hohe Ballgewinne zu forcieren. Auch mit dem Ball hatten die Lautrer einen Plan – ein Aspekt der in der vergangenen Saison oftmals fehlte – und kamen hin und wieder durch die stark besetzte Wolfsburger Defensive.

Auch im tiefen Block war der Spielplan der Lautrer klar erkennbar – und hatte Hand und Fuß. Dem Stroblschen Kombinationsspiel setzte Lieberknecht ein dicht gestaffeltes Zentrum entgegen und nahm Fernschüsse in Kauf. Bei einer derartig besetzten Wolfsburger Mannschaft ein Risiko, aber ein kalkuliertes. Ohnehin, in einer Offensive mit Reese, Glatzel, Damar, und Hornby ist die Devise “Pick your Poison” – und Lieberknecht “pickte” richtig. Die dreizehn Distanzschüssen blieben stehts ungefährlich, von einzelnen Ausreißern abgesehen.

Finnische Fahrlässigkeit – hadernde Pfälzer

Trotz aller Lobeshymnen muss auch der Finger in die Wunde gelegt werden. Wie bereits zahlreich beschrieben, zeigt der FCK ein starkes Spiel und macht Lust auf mehr – dennoch hat das Unentschieden einen faden Beigeschmack. Mit etwas mehr Coolness im letzten Drittel wäre für die Pfälzer mehr drin gewesen. Naatan Skyttä vertändelte zwei Großchancen, Simon Asta setzte einen Kopfball aus wenigen Metern über das Tor und Mergim Berisha stand bei seinem besten Abschluss im Abseits. Das muss sich das Team vorwerfen lassen. Ob diese Fahrlässigkeit an der natürlichen Nervosität des ersten Saisonspiels, an Pech oder an anderen Faktoren liegt – gerade gegen Gegner wie Wolfsburg sind solche Chancen selten und umso wertvoller.

Eine weitere Schwäche des Lautrer Spiels zeigte sich besonders gegen Ende der ersten Halbzeit. Natürlich kombinierten die Wolfsburger stark, aber besonders vor dem Strafraum lies der FCK etwas zu viel zu. Zahlreiche Fernschüsse bergen stets das Risiko abgefälscht zu werden oder in einem Traumgegentor zu münden. Fußball wird zwar nicht im Konjunktiv gespielt, dennoch war der FCK hier nachlässig.

Unterm Strich ist der FCK nach stockendem Motor in der Rückrunde mit einem Erfolgserlebnis zurück auf die Zweitligabühne gekehrt. Mit ein, zwei Transfers und Konstanz braucht es nicht viel Fantasie, um eine erfolgreiche Saison zu prognostizieren.

Spielernoten

Zur Saison 2026/27 bringen wir die Spielernoten zurück. Der jeweilige Redakteur benotet selbst – mit Begründung.

Julian Krahl – 2-3

War abgesehen von einer Aktion durchweg sicher, aber durch die zahlreichen Weitschüsse auch keinem Stresstest unterzogen.

Jacob Rasmussen – 2

Der sichere Anker im Aufbauspiel, tauchte sehr oft vorne auf und sorgte für Gefahr, wusste aber auch, wann eine Klärung notwendig war.

Maxwell Gyamfi – 2

Hatte unter Druck Unsicherheiten am Ball, aber verhinderte per Monstergrätsche den Rückstand. Besonders im Defensivzweikampf bärenstark.

Jan Elvedi – 3+

Weitestgehend unauffällig – positiv wie negativ. Solides Passspiel und ordentlich gegen den Ball mit etwas fehlender Präsenz.

Mika Haas – 3+

Offensiv bemüht, aber meist mit zu wenig Durchschlagskraft, besonders im Dribbling. Defensiv ordentlich.

Simon Asta – 3-4

Vergab das 1:0 per Kopfball und lies sich zu oft ausdribbeln, hatte dennoch gute offensive Ansätze, wie die Einleitung der großen Skyttä-Chance in der 55. Minute.

Fabian Kunze – 4-

Hatte gegen das Wolfsburger Kurzpassspiel große Mühe mangels fehlender Mobilität, konnte hin und wieder dennoch clever Fouls ziehen.

Semih Sahin – 4

Hatte wie Kunze eine Schwache erste Halbzeit und beraubte sich durch die unnötige Gelbe Karte an Handlungsfähigkeit. Mehr Offensivaktionen im zweiten Spielabschnitt, aber doch unter seinen Möglichkeiten.

Marlon Ritter – 4

Fand nicht ins Offensivspiel und wirkte oft nicht im Spiel eingebunden. Mit dem Ball dennoch progressiv, kam aber zu selten ans Spielgerät. Wurde zurecht mit leerem Tank in der 66. Minute ausgewechselt.

Naatan Skyttä – 3-

Zeigte stellenweise seine Brillanz und war sehr auffällig, verpasste allerdings zwei große Chancen.

Mergim Berisha – 4+

War vor allem in der ersten Halbzeit quasi nicht im Spiel, stand bei seinem besten Torversuch im Abseits, wurde aber auch vom restlichen Team zu wenig eingebunden. Lies den Ball vor Skyttäs Großchance genial durch.

Ibrahim Kanaté – 2

Normalerweise zu wenig Minuten für eine Bewertung, zeigte in diesen aber sehr viel. Spritzig, giftig, sehr starkes 1gg1 und eine gute Chance erspielt. Kanaté belebte das Spiel und machte großen Spaß.

Quelle: Treffpunkt Betze

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Diskussion

2 Kommentare

  1. Naja, dass Wolfsburg schon als Topfavorit auf die Meisterschaft gehandelt wird, schön und gut. Die müssen ihre Spiele auch erst gewinnen.
    Zu 3.-Liga-Zeiten haben wir ja auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Gegner auf’m Betze 110% gegeben haben und wir (manchmal) in die Röhre schauen mussten.
    Wenn’s bei Wolfsburg nicht so läuft wie gewünscht, bleibt abzuwarten, wie der zusammengewürfelte Haufen von Topspielern reagiert.