„Nur“ zwei A-Junioren – oder doch der Beginn einer neuen Transferstrategie?

Der FCK hat innerhalb einer Woche zwei Transfers getätigt, die den einen oder anderen Betze-Fan verwundern. Sie brechen mit den altbekannten Transfermustern. Doch warum ist dieser Strategiewechsel wichtig und sogar bitter nötig? Wer sich an die letzten Transferperioden auf dem Betzenberg erinnert, hat viele Gedanken zu verschiedenen Personalien und Ideen. Dass man aber U20-Spieler ohne nennenswerte Profierfahrung verpflichtet, dürfte niemandem in den Sinn gekommen sein. Abstand von solchen Spielern zu halten, war auch lange der richtige Weg. Mit der zweiten Mannschaft konnte man keine Spielpraxis auf hohem Niveau bieten und in der ersten Mannschaft war selten Zeit für Experimente, zu wichtig war das Sportliche Abschneiden und zu wacklig war der Verein auf und neben dem Feld aufgestellt. Aber jetzt geht man ins fünfte 2. Liga Jahr und für FCK-Verhältnisse immerhin in die zweite Sommervorbereitung mit Chefcoach Torsten Lieberknecht. Kontinuierliches Arbeiten zahlt sich aus Aufgrund der zuletzt überwiegend guten sportlichen Leistungen konnte sich der FCK ein klares Gerüst aufbauen. Dies war aufgrund der langen Drittliga-Zeit auch unbedingt notwendig. So konnte man es sich in der abgelaufenen Saison „leisten“, Mika Haas einen Platz im Profikader zu bieten. Diese Chance nutzte der Youngster, wie jeder FCK-Fan wissen sollte, prompt und ist aus der ersten Elf kaum noch wegzudenken. Darüber hinaus konnten auch viele weitere Eigengewächse ihr Debüt oder sogar ihr Startelfdebüt feiern. Lieberknecht hatte diesen Blick für die Jugend mit Amtsantritt angekündigt und lässt unerbittlich Taten folgen. Nun, eine Saison später, sitzt Lieberknecht immer noch auf der Trainerbank, und im Betze-NLZ wird endlich wieder Regionalliga-Fußball gespielt. So kommt der FCK in die Situation, sich auch um junge Talente außerhalb des eigenen Vereins bemühen zu können. Dass man sich diesen Schritt trauen darf, liegt vor allem daran, dass der Kader der Roten Teufel ein stabiles Gerüst abgibt und man genau weiß, welches Spielermaterial man noch braucht und welcher Kaderplatz jungen Talenten perspektivisch zugesprochen werden kann, da die Startelf der Roten Teufel weitestgehend zusammengehalten werden kann. „Internationales Top-Talent“ am Betzenberg So kündigte Marcel Klos Thierry Tazemeta zumindest bei der Transferverkündung am vergangenen Freitag an. Schaut man sich die zugegebenermaßen geringe Menge an Videoclips an, die es über den 18-jährigen Außenstürmer gibt, wird einem direkt bewusst, dass der Ex-Dortmunder Spaß macht beim Zusehen. Der junge Offensivspieler ist zwar knapp über 1,90 m groß, aber dennoch pfeilschnell und scheut keine 1-gegen-1-Situationen, da er diese aufgrund seiner Physis und Ballkontrolle auch regelmäßig für sich entscheiden kann. Pro Spiel absolviert er 5,4 progressive Läufe und 6,4 Dribblings. Sein xGoals-Wert lag in der U19-Bundesliga bei 0,51, was ein absoluter Topwert für einen Außenspieler ist. Er konnte neun Tore erzielen und noch fünf weitere für seine Mitspieler vorbereiten. Gleichzeitig geht von ihm nur wenig Gefahr durch Flanken und kreative Pässe aus, was aber auch auf seinen (bisherigen) Spielstil zurückzuführen ist. Der Österreicher ist kein Spieler, der die Breite hält, er zieht vielmehr selbst in die Mitte und kommt zum Abschluss. Spielstarker Innenverteidiger aus dem „Ländle“ Der kroatische U19-Nationalspieler Ivan Knezević soll laut den Verantwortlichen zunächst über die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern herangeführt werden. Dort wird er auch die Sommervorbereitung bestreiten, aber dennoch zumindest mittelfristig in der kommenden Saison fest zum Profikader stoßen. Das Aushängeschild des ehemaligen Stuttgarter U19-Kapitäns ist sein Aufbauspiel. Dieses ist zwar positionsuntypisch, trifft jedoch genau das Anforderungsprofil eines modernen Verteidigers – insbesondere beim FCK nach dem Abgang von Luca Sirch. So hat der junge Kroate eine starke Passquote von 89 % und spielt pro Partie 9,6 progressive Bälle. Verbesserungspotenzial besitzt der 19-Jährige dennoch: Sein Zweikampfverhalten ist insgesamt eher durchschnittlich – bei ihm stimmt zwar die Intensität, jedoch gewinnt er lediglich 66 % seiner Zweikämpfe und fängt im Schnitt lediglich vier Pässe pro Spiel ab. Gleichzeitig ist der Neuzugang mit 1,85 m auch eher klein, wodurch seine Kopfballduellquote von 57 % lediglich im Durchschnitt der A-Junioren-Bundesliga liegt. Mehr Chance als Risiko Selbstverständlich gibt es keine Garantie dafür, dass Thierry Tazemeta oder Ivan Knezevic den Sprung in den Profifußball beim FCK schaffen werden. Die Zahl der Nachwuchsspieler, die als große Talente galten, sich am Ende aber nicht durchsetzen konnten, ist groß. Entscheidend ist deshalb auch weniger die Frage, ob beide Neuzugänge in einem Jahr Stammspieler auf dem Betzenberg sein werden. Viel wichtiger ist, dass der FCK überhaupt wieder in der Lage ist, solche Transfers zu tätigen. Eine frisch aufgestiegene 2. Mannschaft, ein stabiler Profikader und eine größere sportliche Kontinuität schaffen erstmals seit Jahren die Voraussetzungen, um Potenzial statt Soforthilfe zu verpflichten. Allein dieser Schritt wirkt wie ein positives Signal. Denn langfristig kann der FCK nicht nur von erfahrenen Leistungsträgern leben, sondern muss auch Spieler verpflichten, die sich auf dem Betzenberg entwickeln und ihren Wert erst noch entfalten. Daten Quelle: WyscoutQuelle: Treffpunktbetze