Betze Bollwerk – Warum kassiert der FCK keine Gegentore mehr 

Foto: Andreas Leiner

Mit nur vier Gegentoren aus den ersten acht Ligaspielen und sechs Zu-Null-Spielen ist die Defensive des FCK die beste der Liga – mit Abstand. Doch woher kommt dieser plötzliche Qualitätszuwachs? In der letzten Saison kassierte man noch 47 Gegentore und damit die meisten in der oberen Tabellenhälfte. Was hat sich also in der Sommerpause geändert?



Das Personal: Leistungssprung bei allen Beteiligten

Im Tor ist seit mehreren Jahren eine Konstante zu verzeichnen, doch in dieser Saisonphase ist er vielleicht so stark wie noch nie. Julian Krahl strahlt absolute Ruhe aus und ist beim Spiel gegen den Ball Ligaspitze. Er kommt auf 37 Paraden in der aktuellen Saison (Platz 3 ligaweit) und hält 90,2 % (Platz 1) der Torschüsse. Um das in Relation zu setzen: Der Zweitplatzierte Weinkauf hält 80 % der Torschüsse, die restliche Liga pendelt sich zwischen 60 und 70 % ein. 


Für die meiste Verwunderung bei den FCK-Fans dürfte wohl die Qualität der Stammbesetzung der Dreierkette gesorgt haben. Denn hier überzeugen nicht externe Sommerneuzugänge oder absolute Top-Leute, sondern drei Spieler, denen viele diesen Leistungssprung nicht mehr zugetraut hätten.

Angefangen mit dem Vize-Kapitän und Organisator des Defensivverbundes. Jacob Rasmussen. Der Däne wurde im Winter mit großen Vorschusslorbeeren vom Europa-League-Teilnehmer RB Salzburg verpflichtet, konnte diesen in der Rückrunde jedoch nicht ansatzweise gerecht werden. Doch in dieser Saison spielt er seine Qualitäten voll und ganz aus. Mit dem Ball strahlt er Ruhe aus, und gegen den Ball ist er vor allem in der Luft ein Zweikampfmonster. Über 77 Prozent seiner Kopfballduelle gewinnt der Däne und gibt dem FCK damit unter anderem bei Defensivstandards viel Sicherheit. 


Maxwell Gyamfi räumt im Zentrum auf. Er ist der zweitbeste Balleroberer des FCK nach Semih Sahin und überzeugt vor allem am Boden durch seine Physis und Dynamik. Er gewinnt 67 Prozent seiner Bodenzweikämpfe, häufig in der undankbaren Rolle gegen den Wandstürmer des Gegners. In dieser Saison wurde Gyamfi außerdem schon mit 33,8 km/h geblitzt. Dass Maxwell Gyamfi über diese Anlagen verfügt, dürfte niemandem neu sein. Der Unterschied zur vergangenen Saison ist, dass er seine individuellen Fehler abgestellt hat. Der Innenverteidiger strotzt nur so vor Selbstvertrauen und spielt so abgeklärt wie ein 33-Jähriger, der schon alles im Weltfußball gesehen hat.

Die Dreierkette wird vom Phönix aus der Asche vervollständigt. Jan Elvedi, der in diesem Sommer zurückgekehrte Leihspieler, hat in Fürth jede Menge Selbstvertrauen getankt. Der Allrounder sichert auf der rechten Seite häufig für den aufgerückten Paul Joly ab, gewinnt knapp 60 Prozent seiner Zweikämpfe und hat die Wackler aus den vergangenen Saisons bisher vollständig abgestellt.


Dass diese guten Werte nicht nur für die drei, sondern auch für weitere Teile des Teams gelten, zeigt die Team-Statistik. Der FCK führt die drittmeisten Zweikämpfe und gewinnt die zweitmeisten. Zum Vergleich: In der Vorsaison lag man in diesen beiden Kategorien auf dem 12. bzw. 15. Rang im Ligavergleich. Doch allein individuelle Klasse reicht hier als Erklärung nicht aus. 



Das System: Mit Sicherheit erfolgreich

Auf den ersten Blick hat sich an der Grundformation nicht viel geändert. Torsten Lieberknecht bleibt zwar dem 5-2-2-1 treu, die Grundausrichtung ist jedoch eine andere. Der FCK steht im Vergleich zur letzten Saison tiefer und agiert etwas abwartender. Dadurch hält man die Räume enger. So schafft man häufiger Überzahlsituationen in Zweikämpfen und erobert mehr Bälle. Gleichzeitig wurde das taktische Konzept angepasst. Anstatt durchgehend Druck auf den Gegner im Spielaufbau auszuüben, presst der FCK nun situativ, dafür aber schärfer. Das wird durch die Laufdistanz gegen den Ball belegt. In dieser Statistik landet der FCK lediglich auf Platz 10 in der Liga. Bei den Sprints gegen den Ball hingegen ist der FCK Ligaspitze. 


Diese neue Ausrichtung erweist sich vor allem beim Verteidigen des Strafraums als sehr effektiv. Der FCK lässt die wenigsten Torschüsse im Strafraum zu und hat bisher nur fünf gegnerische Großchancen zugelassen. Zum Vergleich: Cottbus steht bereits bei 19, auch das war letztes Jahr noch anders. Damals hat der FCK die zweitmeisten Großchancen zugelassen. 


Torsten Lieberknecht und sein Team haben in der Sommerpause also an den richtigen Stellschrauben gedreht. Diese auf Sicherheit bedachte Spielweise tut den Defensivspielern offenbar sehr gut und sorgt für zusätzliches Selbstbewusstsein. Dass die Offensive darunter leidet, ist offensichtlich, aktuell aber verschmerzbar. Denn wer kein Tor kassiert, muss nur irgendwie eins schießen.

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