Nach zwei Niederlagen in Folge gewinnen die Roten Teufel wieder. Mehr aber auch nicht. Der Sieg gegen Fürth wirft zwangsläufig die Frage nach der großen Perspektive auf.
Der sechsfache italienische Meistertrainer und Pferderennsport-Enthusiast Massimo Allegri übertrug den Begriff „Corto Muso“ aus dem Pferdesport in den Fußball. „Corto Muso“, auf Deutsch „kurze Schnauze“, beschreibt, wenn ein Pferd mit knappem Vorsprung gewinnt. „Nase vorn – Zielfoto – ganz einfach.“ Damit beschreibt Allegri die Philosophie, die Torsten Lieberknecht wohl ausgiebig studiert hat. Was während des Rennens bzw. des Spiels passiert, ist egal, wichtig ist, wer am Ende die Nase vorn hat. Besonders hart zeigt sich dieser radikale Pragmatismus im Duell gegen das Schlusslicht aus Fürth. Der FCK zeigte mehr Schatten als Licht und mauerte ein 1:0 gegen ein Team heraus, das zurecht bis zum Hals im Abstiegskampf steckt. Viele Wahrheiten treffen auf die Partie zu, viele Konjunktive wurden bemüht. Aber am Ende hat das rot-weiße Pferd die Nase vorn und der FCK drei Punkte.
Pfiffe von den Rängen – Fußball zum Abgewöhnen
Es hätte so schön werden können. Nach zwei schwachen Leistungen wollte sich der FCK pünktlich zum Valentinstag mit seinen Fans versöhnen und das abstiegsbedrohte Schlusslicht deutlich und souverän abfertigen. Allerdings sollte es anders kommen. Etwas mehr als 40.000 Zuschauer sehen ein Spiel, das eher nach dritter als nach zweiter Liga aussieht. Dem FCK gelingt mit dem Ball quasi gar nichts: Eine Passquote von 69 % und zahlreiche individuelle Fehler lassen nicht vermuten, dass der FCK das obere Tabellendrittel anstrebt. Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht wirkte im Kern verunsichert. Der Höhepunkt war, dass Atanas Chernev bereits nach 26 Minuten ausgewechselt werden musste. Hauptsächlich war es das Unvermögen der Gäste, das dafür sorgte, dass die Nachlässigkeiten der Lautrer nicht bestraft wurden. Für die spürbar eingeschüchterten Pfälzer hagelte es trotz des Sieges Pfiffe von den Rängen. Fakt ist: Gegen mindestens zehn von 17 Gegnern in dieser Liga reicht diese Leistung nicht.
Corto Muso
In einer gesunden Diskussionskultur muss Raum für mehrere Wahrheiten sein. Nur weil am Ende der Partie drei Punkte stehen, ist Kritik natürlich nicht unberechtigt. Allerdings kann der FCK nicht anhand von Konjunktiven bewertet werden. Das Team von Torsten Lieberknecht hat nach dem eigenen Treffer 0,43 erwartete Gegentore zugelassen, nach dem Seitenwechsel sogar nur 0,11.
Darüber hinaus täuscht der hohe Ballbesitzanteil der Fürther über die tatsächliche Dominanz hinweg, wie der sogenannte „Field-Tilt“-Wert bezeugt. Dabei wird der Ballbesitz gemessen und bewertet, je nachdem, wo sich das Team mit dem Ball befindet. Insgesamt hat das Kleeblatt hier keine wirkliche Überlegenheit und erwirtschaftet aus 63 % Ballbesitz lediglich 51 % Field-Tilt-Wert, also quasi keine nennenswerte Überlegenheit. Durch hohes Pressing und stetige Intensität gelang es den Fürthern, das Spiel chaotisch zu gestalten. Vor allem mit dem Ball scheiterte das Kleeblatt jedoch am FCK-Bollwerk: Null Schüsse auf das Tor von Julian Krahl untermauern dies eindrucksvoll. Der FCK kontrollierte die Partie ganz ohne Ballbesitz und hatte am Ende die Nase vorn: „Corto Muso“.
Quo vadis FCK?
Dennoch war diese Partie kein Ausrufezeichen. Und trotzdem konnten sich die Roten Teufel wieder etwas in Stellung bringen, ihren Mittelfeldplatz festigen und immer noch hoffen, dass sie da sind, wenn „die da oben“ sich gegenseitig Punkte wegnehmen. Auch wenn die langfristige Entwicklung aktuell stagniert, kann hier nur das aktuelle Spiel bewertet werden. Das hat der FCK gewonnen. Dass sich dieser Sieg nicht wie einer anfühlt, könnte auch am hohen Druck liegen, der auf den Lautrer und ihrem Coach lastet. Da ist zum einen die hohe Anspruchshaltung der sportlichen Leitung, die seit Beginn der Saison gefahren wird und sich schnell auf das Umfeld und die Fans überträgt. So wertvoll ein stimmungsgeladener Betze auch ist, wie motivierend und sinnvoll ein Pfeifkonzert bei einer ohnehin verunsicherten Mannschaft ist, bleibt diskutabel. Dennoch: die Roten Teufel sind auf der Erfolgsspur zurück und hatten die Nase vorn, auch wenn es nur eine kurze Schnauze war.
Quelle: Treffpunkt Betze





