Hengens Verbleib ist ein wichtiges Signal

Foto: Andreas Leiner
Foto: Andreas Leiner

Der 1. FC Kaiserslautern und sein Geschäftsführer Thomas Hengen setzen ihre Zusammenarbeit fort. Dies ist ein Fingerzeig in Richtung Bundesliga, findet unser Autor Gerrit.

Als Thomas Hengen im März 2021 seine Arbeit beim 1. FC Kaiserslautern aufnahm, herrschte alles andere als Aufbruchstimmung. Die Roten Teufel standen nahezu chancenlos auf einem Abstiegsplatz in der 3. Liga und Sportdirektor Boris Notzon schien mit seiner Verantwortung sichtlich überfordert. In den Gremien herrschte sportliche Führungslosigkeit. Der Beirat um Rainer Keßler und Markus Merk hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine sportlich kompetente Führungspersönlichkeit zu verpflichten – eine Position, die seit dem Weggang von Stefan Kuntz im Jahr 2016 nicht angemessen besetzt werden konnte. Als dann der Name Thomas Hengen durchsickerte, löste dies zunächst wenig Begeisterung aus. Zu wenig war über den ehemaligen FCK-Spieler bekannt, der bis dato außer bei Alemannia Aachen in der Regionalliga auch noch keinen Profiklub in der ersten Reihe geführt hatte.

Das Gesicht des Vereins: Hengens Art tut dem FCK gut

Doch nach und nach erarbeitete sich Hengen dieses Vertrauen. Eine seiner wichtigsten Eigenschaften war: Der nach außen hin ruhige Typ sorgte intern für klare Ansagen und Entscheidungen. Seitdem werden beim damals heillos zerstrittenen Verein so gut wie keine Interna mehr öffentlich. Auch die Vertragslaufzeiten von Spielern oder Funktionären werden nicht mehr bekannt gegeben – ein damals eher ungewöhnlicher Schritt im Profibusiness. So ärgerlich das für manche Journalisten oder Fans auch sein mag, dem Traditionsklub tut das bis heute sehr gut. Insbesondere das Auftreten von Hengen tut dem FCK gut. Er ist das Gesicht des Vereins, ohne sich dabei als Heilsbringer in den Vordergrund zu spielen. Schon unter diesem Aspekt ist die jetzt erfolgte Vertragsverlängerung ein Gewinn.

Zudem sprechen bei aller zwischenzeitlichen Kritik die Erfolge für den 51-Jährigen. Auf die Aufholjagd in der dritten Liga folgte nur ein Jahr später der lang ersehnte Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga, in der der FCK dreimal in Folge den Klassenerhalt feiern durfte – mal mehr, mal weniger deutlich. Es hat sich eine neue Identifikation zwischen Mannschaft und Kurve, zwischen Stadt und Verein gebildet. Dies ist essenziell für den Erfolg eines Traditionsvereins – nirgendwo so sehr wie in Kaiserslautern. Und die Hauptverantwortung hierfür trägt der Geschäftsführer Sport. Fußball besteht eben aus weit mehr als nur Transfers.

Hengen hat seine Ziele noch lange nicht erreicht

Auch unter wirtschaftlichen Aspekten ist die Vertragsverlängerung folgerichtig. Der ehemals chronisch klamme pfälzische Traditionsklub hat sich nach der Insolvenz und dem Einstieg regionaler Investoren mehr als konsolidiert. Erstmals seit langer Zeit werden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Im Nachwuchsleistungszentrum soll ein eigenes Jugendstadion entstehen. Dass die Mission in diesem Bereich für Hengen also noch lange nicht erfüllt ist, zeigt die veröffentlichte Pressemitteilung: „Vor uns liegt noch viel Arbeit, zum Beispiel im Ausbau der Infrastruktur, der Modernisierung und weiteren Professionalisierung auf vielen Ebenen“, wird der Geschäftsführer zitiert. Dies ist auch als Fingerzeig zu verstehen – die handelnden Personen wollen mehr. Und das nicht nur wirtschaftlich.

Hengen drückt sich auch nicht vor scheinbar unpopulären Entscheidungen. Den allseits beliebten Marco Antwerpen entließ er noch vor der Aufstiegsrelegation und riskierte dabei auch seinen eigenen Job – das Ergebnis ist bekannt. Auch die Freistellungen von Dirk Schuster und Markus Anfang kamen auf den ersten Blick mindestens unerwartet, doch am Ende gingen sie auf.

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Die Erfolge sprechen für sich. Aber 2024 darf sich nicht wiederholen!

Hierbei bietet Hengen die größte Angriffsfläche: Unter seiner Ägide gab es einen enormen Trainerverschleiß von sechs Trainern in fünf Jahren. Im Jahr 2023/24 wäre dies dem Verein beinahe zum Verhängnis geworden. Falsche Trainerentscheidungen, intransparente und unschlüssige Zielvorgaben („Stagnation ist Rückschritt“) sowie öffentliche Diskussionen um den Technischen Direktor Enis Hajri hätten den Wiederabstieg des FCK in die 3. Liga bedeutet – all das fällt in die Verantwortlichkeit von Thomas Hengen.

Was will der FCK also unter Thomas Hengen? Sich etablieren? Sofort aufsteigen? Hier ist die Kommunikation oftmals etwas schwammig. Das ist in erfolgreichen Zeiten weniger ein Problem. Wenn die Ergebnisse allerdings ausbleiben, dann holt einen so etwas schnell ein. Hier wäre eine etwas klarere Kante wünschenswert. Denn dass der Wunsch und der Druck aufzusteigen, wachsen, ist mittlerweile offensichtlich. Und das nicht erst seit der Trainerentlassung Anfangs, der sich trotz dreier Niederlagen in Folge mitten im Aufstiegskampf befand.

Hengens Verdienste gehen über bloße Zahlen hinaus

Für einen Fußballklub ist es am Ende vor allem essenziell, an den entscheidenden Schaltstellen für Kompetenz und Kontinuität zu sorgen. Das Missverständnis Hajri wurde durch die Ernennung von Marcel Klos zum Sportdirektor korrigiert. Trainer Torsten Lieberknecht, der die Betze-Mentalität lebt, soll die Mannschaft nun formen, die erneut (auch mit viel Geld) verstärkt wurde. Das weckt große Hoffnungen. Mit der Vertragsverlängerung von Thomas Hengen ist bereits Beständigkeit gelungen – entgegen mancher Spekulationen, er könnte etwa zum Ligakonkurrenten Bochum wechseln.

Bei aller Kritik, die zwischenzeitlich – mal lauter, mal leiser – geäußert wurde: Ein guter Geschäftsführer Sport, der Kompetenz, Ausstrahlung und Identität zum FCK mitbringt, ist nur sehr schwer zu finden. Die Verdienste Hengens gehen dabei weit über bloße Zahlen hinaus. Man sollte nie vergessen, wo der Verein stand, bevor der gebürtige Landauer seinen Posten antrat. Die Verlängerung zeigt aber auch: So tief gerne öffentlich gestapelt wird, die Zielrichtung des Vereins und auch von Hengen selbst ist klar: Der FCK soll auf schnellstem Wege zurück in die Bundesliga. Ein wichtiger Schritt hierfür wurde gestern getan.

Quelle: Treffpunkt Betze

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